Friedrich-Ebert-Stiftung

Jerop Janet SeureiName: Jerop Janet Seurei
Alter: 26 Jahre
Studiengang: Sozial Arbeit/Sozial Pädagogik
Semester: 7. Semester
Hochschule: Evangelische Hochschule Berlin
Auslandssemester: keine
Stiftung: www.fes.de 
(Die Stiftung steht der SPD nah.)

Logo der Friedrich-Ebert-Stiftung

Wie bist Du auf die Idee gekommen, Dich bei der Friedrich-Ebert-Stiftung zu bewerben?

Ich bin durch ein Inserat in einer Zeitung auf die Friedrich-Ebert-Stiftung aufmerksam geworden, da war ich noch im Studienkolleg. Das Studienkolleg dient der Erlangung der Hochschulreife für ausländische Studierende, um in Deutschland ein Studium aufnehmen zu dürfen. Ich lebe bereits seit sechs Jahren in Deutschland und bin aus Kenia. Die Anzeige sprach Studierende mit Migrationshintergrund an und deshalb habe ich einfach bei der Friedrich-Ebert-Stiftung angerufen.

Was bedeutet es für Dich, eine Stipendiatin zu sein?

Ganz viel! Es ist einfach toll, da man vom gesamten Netzwerk der Stiftung profitieren kann. Es gibt die Möglichkeit, sich mit StipendiatInnen, Ehemaligen und Vertrauensdozenten zu vernetzen, auch im Rahmen des Mentoringprogramms und vielfältige Seminarmöglichkeiten. Es gibt eine ganze Palette von Angeboten. Man bekommt eine Orientierung und Begleitung im Studium. Die persönliche Betreuung ist super.

Was man nicht vergessen darf, ist die enorme finanzielle Entlastung von allen Nebenjobs. Man tanzt nicht mehr von einer Hochzeit zur anderen. Ich kann meine Kräfte darauf konzentrieren, wo ich sie einsetzen möchte: einerseits auf mein Studium und gleichzeitig auch auf das soziale und gesellschaftpolitische Engagement.

Auf welche Weise wirst Du von der Friedrich-Ebert-Stiftung gefördert?

Ich bekomme eine materielle Förderung von 650 Euro und eine ideelle Förderung.

Die ideelle Förderung besteht aus einem umfangreichen Programm. Einerseits Themenseminare, die von StipendiatInnen vorgeschlagen werden und andererseits Seminare, die von der Abteilung Studienförderung angeboten werden: Eine Mischung aus sozial-politischen Themen sowie Seminaren zur Berufsorientierung und zur Erweiterung/Entfaltung der eigenen sozialen Kompetenzen (Softskillsseminare).

Welche Seminare schlagen denn die Stipendiaten vor?

Die Palette der Interessen ist unterschiedlich, die Seminare gehen über Politik, Kultur, Gesellschaft, Wertefragen, Bildung, Wissenschaft, Forschung u.a. – es ist eine bunte Mischung, die sich je nach aktuellen politischen Themen oder auch Weltereignissen verändert.

Ist die Höhe des Stipendiums abhängig vom Einkommen Deiner Eltern? Was ist, wenn die Eltern „zu viel“ verdienen?

Für ausländische StipendiatInnen ist das Stipendium nicht vom Einkommen der Eltern abhängig. Sie bekommen sowohl den vollständigen Höchstsatz der materiellen Förderung – 650 Euro sowie die ideelle Förderung. Für deutsche StipendiatInnen sowie Bildungsinländer ist es relevant. Wenn die Eltern „zu viel“ verdienen, erhalten sie die ideelle Förderung und 150 Euro Büchergeld (300 Euro ab Wintersemester 2013/2014).

Stellt die Friedrich-Ebert-Stiftung auch Erwartungen an Dich als Stipendiatin?

Von mir wird erwartet, dass ich mich innerhalb der Stipendiatenschaft engagiere (im Rahmen der jeweiligen Hochschulgruppe) und dass ich mich sozial-politisch und gesellschaftlich engagiere. Jedes Semester muss man einen Semesterbericht abgeben und auch die benoteten Leistungen mitschicken. Im Bericht steht wie das Semester gelaufen ist und es wird über das sozial-politisch und gesellschaftliche Engagement berichtet.

Welche Ziele verfolgt die Friedrich-Ebert-Stiftung?

Soziale Gerechtigkeit, Freiheit und Solidarität sind die Ziele der sozialen Demokratie und damit die der Friedrich-Ebert-Stiftung. Durch die vergebenen Stipendien will die FES gegen die Bildungsungerechtigkeit vorgehen.

Ab welchem Schuljahr/Semester kann man sich bewerben?

Das ist unterschiedlich, je nach Förderprogramm. Jetzt gibt es das „Stipendium auf Probe“. Die Studienleistung zählt hier am Anfang noch nicht. Man kann sich im Abitur bis Mitte des ersten Semesters online dafür bewerben. Stichtage sind der 31. Dezember und der 30. Juni.

Das „Stipendium auf Probe“ ist speziell für SchülerInnen/ArbiturientInnen eingerichtet worden, um einen leichten und schnelleren Einstieg ins Studium zu ermöglichen. Man hat dann Zeit sich innerhalb der ersten zwei oder drei Semester sowohl in der Studienleistung als auch im gesellschaftlichen Engagement zu entwickeln, um dann anschließend einen Antrag auf die Aufnahme in der regulären Förderung zu stellen. Wenn es überzeugend ist, erfolgt eine Aufnahme in das reguläre Förderprogramm.

Für das reguläre Stipendienprogramm kann man sich jederzeit bewerben. Ich rate so früh wie möglich dazu, denn an der Uni ist es nur bis zum 4.Semester (bei Bachelor) möglich. Dann kann man sich wieder im Master oder Aufbaustudium bewerben. Spätestens bis zur Halbzeit des Studiums sollte die Bewerbung abgeschickt werden.

Wie verlief Dein Auswahlverfahren bei der Friedrich-Ebert-Stiftung? (Dauer/Ablauf/Auswahlgespräche/Probleme)

Das Auswahlverfahren für das „Stipendium auf Probe“ erfolgt innerhalb kürzester Zeit nach der Onlinebewerbung und Einreichung der erforderlichen Unterlagen.

Für das reguläre Stipendienprogramm kann man von vier bis sechs Monaten ausgehen. Mein Auswahlverfahren hat sechs Monate gedauert. Nach dem Abschicken der Unterlagen – ich habe zwei Gutachten von Lehrern beigefügt – dann habe ich einen Brief bekommen. Darin stand, dass ich zwei Gespräche haben werde: das eine mit einer/einem VertrauensdozentIn und das andere mit einem Mitglied des Auswahlausschusses. Sie würden sich bei mir melden. Es gab dann ein Gespräch mit dem Dozenten, der zu meinem Fachgebiet passte und ein weiteres Gespräch mit einem Mitglied des Auswahlausschusses.

Hattest Du Angst vor den Gesprächen?

Das Gespräch war sehr interessant, aber auch anstrengend. Es ist nicht leicht, über sich zu reden. Es gab Fragen, mit denen ich nicht gerechnet habe. Ich denke, man sollte sich gut vorbereiten. Ich habe mir meine Unterlagen noch einmal angeschaut und mich der Frage gestellt, was die FES wohl von mir erwartet. Du solltest wissen, was politisch gerade in der Welt passiert – sei auf dem aktuellen Stand. Und Du solltest auch über dein Studienfach informiert sein.

Für mich gab es keine Probleme, beide Gespräche waren positiv und angenehm und ich wurde zum Glück aufgenommen. Ich hab's probiert und mir gesagt, wenn es klappt, dann klappt es. Und wenn nicht, hab' ich es zumindest probiert.

Wie sieht Deiner Meinung nach eine erfolgreiche Bewerbung aus?

Ich glaube, für ein Stipendium bei der Friedrich-Ebert-Stiftung ist Deine Motivation wichtig. Warum bewerbe ich mich? Welche Ziele verfolge ich durch mein Studium? Vertrete ich die Ziele der Stiftung? Das solltest Du gut ausformulieren. Du solltest wissen, worauf es ankommt – den ausführlichen Lebenslauf und die eigene Motivation. Außerdem solltest Du auf die formalen Rahmenbedingungen achten.

Was bedeutet es, wenn „gesellschaftliches und politisches Engagement“ verlangt wird? Wie engagierst Du Dich? Muss man Mitglied in der SPD oder deren Jugendverband sein?

Man muss kein SPD-Mitglied sein oder sich bei den Jusos engagieren. Man kann ganz weitflächig über sein Engagement bestimmen, sich zum Beispiel in Schulprojekten oder gemeinnützigen Vereinen einbringen, Förderunterricht geben u.a. Das habe ich auch getan. Hauptsache man bringt sich ein, zeigt Verantwortung und Interesse, um am gesellschaftlichen Umdenken beizutragen.

Momentan arbeite ich nun innerhalb der Stipendiatenschaft in mehreren Arbeitskreisen – Entwicklung, Afrika und internationaler Dialog. Ich bin in der Bundesvertretung der Stipendiatinnen und die Sprecherin der Hochschulgruppe Berlin der Friedrich-Ebert-Stiftung. Im Rahmen eines Schulprojektes habe ich Förderunterricht gegeben. Zusätzlich bin ich in einem Projekt meiner Fachhochschule für Pflegekräfte in Malawi, Zambia und Zimbabwe engagiert, das der Schulung der dortigen Krankenschwestern mit dem Schwerpunkt auf HIV/Aids dient.

Ansonsten bin ich gerne bei politisch-gesellschaftlichen Diskussionen oder Veranstaltungen dabei.

Möchtest Du zukünftigen Bewerbern oder generell Oberstufenschülern und Studierenden nicht-akademischer Herkunft noch etwas mit auf den Weg geben?

Ich möchte Euch ans Herz legen, dass bewerben sich lohnt. Habt keine Scheu vor den Anforderungen! Eure finanzielle Situation sollte Euch nicht im Weg stehen, genau dafür gibt es das „Stipendium auf Probe“. Bildung ist der Schlüssel, um in der Gesellschaft klar zu kommen. Das macht Ihr für Euch selbst. Schaut Euch einfach auf www.fes.de/studienfoerderung um. Probiert es aus!

(Interview: September 2011)