Aufstiegsstipendium

Stipendiatin des Aufstiegsstipendiums Theresa Dorscht (Foto: privat) Name: Theresa Dorscht
Ausbildung: Arzthelferin
Berufserfahrung: 3 Jahre
Studiengang: Maschinenbau
Hochschule: TH Nürnberg
Stiftung: Aufstiegsstipendium des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (Durchführung: SBB - Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung)

Logo des Aufstiegsstipendiums der sbb (Grafik: sbb)

Theresa, du hast nach der mittleren Reife eine Ausbildung als Arzthelferin (heutige Berufsbezeichnung: Medizinische Fachangestellte) abgeschlossen und in diesem Beruf gearbeitet. Warum hast du dich entschlossen, Maschinenbau zu studieren?
Schon immer war ich technisch interessiert – vor allem in Richtung Technik und Fahrzeuge. In der freiwilligen Feuerwehr bin ich Maschinistin. Das hängt vielleicht damit zusammen, dass sich mein Papa bereits in der Feuerwehr engagiert hat. Durch ihn hatte ich auch schon früh ein Schnitz-Eisen in der Hand, da er sehr gern mit Holz arbeitet. Bei mir waren es später dann Maschinen.

Mit der Ausbildung zur Arzthelferin habe ich keine falsche Entscheidung getroffen, die Arbeit hat mir Spaß gemacht, aber es gab keine Aufstiegschancen und letztlich interessierte ich mich einfach für ein technisches Studium.

Du hast bereits früh gewusst, dass du beruflich etwas anderes machen möchtest. Warum hast du drei Jahre gewartet?

Ja, der Studienwunsch hat sich in der Zeit nach der Berufsausbildung herausgestellt. Mein Arbeitsplatz hat sich verändert und ich wollte etwas anderes beginnen. Ich habe erst über eine neue Ausbildung nachgedacht, mich dann aber für das Maschinenbaustudium entschieden. Mir war es wichtig, Geld dafür zur Seite zu legen. Ich wollte nicht, dass meine Eltern mich finanziell wieder unterstützen müssen. Ich hatte ja bereits mein eigenes Geld verdient.

Wie hast du dann vom Aufstiegsstipendium erfahren? Warum hast du dich beworben?
Ich kannte das Aufstiegsstipendium gar nicht, bis ich von der Stiftung angeschrieben wurde. Ich hatte das Weiterbildungsstipendium erhalten, was von der Landesärztekammer durchgeführt und ebenfalls von der SBB koordiniert wird. Nach Auslaufen des Stipendiums erhielt ich einen Brief, dass ich mich bei der SBB für ein Aufstiegsstipendium bewerben könnte. Da wusste ich bereits, dass ich beruflich noch eine andere, technische Richtung einschlagen möchte.
Ich habe mich dann über das Aufstiegsstipendium informiert und mir gesagt: Versuch es einfach!
Wie wurdest du dann durch das Aufstiegsstipendium gefördert?
Mit dem Stipendium wurde ich finanziell unterstützt und damit kam ich wirklich gut über die Runden. Außerdem fördert die Stiftung auch mit einem ideellen Programm die Stipendiatinnen und Stipendiaten, beispielsweise durch unterschiedliche Workshops und Regionaltreffen. (Anm. d. Red.: Für ein Vollzeitstudium beträgt das Stipendium monatlich 815 Euro und für ein berufsbegleitendes Studium 2400 Euro jährlich. Die Förderung erfolgt als Pauschale und damit einkommensunabhängig. Mehr über die Leistungen auf www.sbb-stipendien.de/aufstiegsstipendium)
Welche Erwartungen stellte die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung an dich?
Anfangs habe ich gedacht, dass das Stipendium an meine Noten geknüpft ist, aber so funktioniert das mit dem Stipendium nicht. Du musst zwar auch einen Einblick in deine Noten geben, aber die Hauptsache ist, dass du die Studienvorgaben erreichst.
Ich denke, dass es auch in der Bewerbung nicht nach den Noten ging. Es ging vielmehr darum, wer sich bewirbt. In einem Online-Kompetenz-Check musste ich z. B. Fragen über meinen Alltag beantworten.
Welche Ziele verfolgt die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung mit dem Aufstiegsstipendium?
Die SBB unterstützt Menschen auf den zweiten Bildungsweg mit dem Ziel, einen beruflichen Neustart zu ermöglichen. Das macht die Stiftung wirklich gut, denn viele können nicht einfach sagen: Ich kündige meinen Job. Das Aufstiegsstipendium erleichtert die Sache mit der Studienfinanzierung sehr.
Welche Voraussetzungen müssen Bewerberinnen und Bewerber für das Stipendium erfüllen?
Sie müssen eine abgeschlossene Berufsausbildung und mindestens zwei Jahre Berufserfahrung vorlegen. Außerdem benötigst du einen Nachweis deiner Leistungsfähigkeit oder aber dein Arbeitgeber schlägt dich für das Stipendium vor. Die genauen Voraussetzungen stehen auch auf der Internetseite der SBB.
Wie sah dein Auswahlverfahren aus?
Im ersten Schritt musste ich einen Online-Fragebogen ausfüllen und alle nötigen Unterlagen einreichen, wie Lebenslauf, Zeugnisse usw. Im zweiten Schritt kam der Online-Kompetenz-Check, von dem ich gesprochen habe. Dieser bestand aus Fragen aus den eigenen Lebenserfahrungen. Im dritten Schritt wurde ich zu einem Gespräch eingeladen, es ging dabei unter anderem um meine Antworten im Fragebogen. Es war ein gutes, offenes Gespräch.
Du hattest bereits dein Studium begonnen, da lief noch der Auswahlprozess der Stiftung. Gab es einen Plan B für deine Studienfinanzierung, wenn es mit dem Stipendium nicht geklappt hätte?
Ich gebe zu, dass ich alles auf eine Karte gesetzt und mich auf mein Gefühl bei diesem Gespräch verlassen habe. Es gab aber einen Plan B, denn ich hatte Angst, neben dem Studium zu arbeiten. Ich wusste ja nicht, wie schwer mein Studium wird, und wollte mich auf die Prüfungen konzentrieren können. Darum habe ich mich zeitgleich bei der Bundeswehr beworben, dort hatte ich sogar schon die Zusage, unter anderem mit der technischen Stelle zur Kfz-Panzerschlosserin. Die Stelle habe ich aber abgesagt, obwohl ich noch keine Zusage von der SBB hatte.
Wann sollten sich Studieninteressierte für das Stipendium bewerben?
Die Online-Bewerbung ist jeweils im Frühjahr und im Herbst möglich. Da alle Unterlagen zusammen eingereicht werden, sollten anderthalb Wochen eingeplant werden. Es war wirklich knapp bei mir, denn ich hatte übersehen, dass ich noch beglaubigte Kopien einholen musste. Ich hatte Glück, dass meine Sachbearbeiterin an dem Freitag noch nicht zur Tür raus war.
Die Termine werden auch regelmäßig auf der Homepage veröffentlicht. Du kannst dich bereits vor Studienbeginn und bis zum Ende des zweiten Semesters bewerben.
Was macht eine erfolgreiche Bewerbung für das Aufstiegsstipendium aus?
Schwierig zu sagen: Für mich kommt es auf das Engagement an. Wer sich sozial, zum Beispiel in einem Verein einbringt, hat sicher gute Chancen.
Warum sollten sich Berufstätige für dieses Stipendium bewerben?
Mit diesem Stipendium bekommst du die Chance, deine Zeit ins Lernen zu investieren. Die Workshop-Angebote unterstützen dich zudem im Studium. Es ist toll!
Wie ging es nach deinem Studium weiter?
Ich bin letztes Jahr mit meinem Studium fertig geworden und arbeite als Versuchsingenieurin.

(Interview: Juli 2017)

 

Weitere Erfahrungsberichte