Aufstiegsstipendium

Kilian FröhlichName: Kilian Fröhlich
Alter: 29 Jahre
Studiengang: Elektrotechnik (Schwerpunkt Bio-Medizin-Technik)
Semester: 3. Semester
Hochschule: Hochschule Ruhr West (HRW)
Auslandssemester: noch nicht
Stiftung: Aufstiegsstipendium des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
(Durchführung: SBB - Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung)

Logo des Aufstiegsstipendium

Wie hast du vom Aufstiegsstipendium erfahren?

Ich habe vor zwei Jahren mein Fachabitur nachgeholt. Kollegen gaben mir den Tipp, mich doch einmal zu informieren, ob für mich ein Stipendium in Frage kommt. Bei meiner Internetrecherche habe ich viele Stipendien angeschaut. Das Aufstiegsstipendium passte genau zu meiner Situation, denn es richtet sich an Leute, die bereits eine Ausbildung und Berufserfahrung haben.

Warum hast du dich für ein Studium entschieden?

Ich habe eine Lehre als Elektroinstallateur und eine weitere Ausbildung als Fachkraft für Veranstaltungstechnik gemacht und nebenbei eine Fortbildung in Pyrotechnik beendet. Dann war ich sechs Jahre Projektleiter für Feuerwerke. Nach sechs Jahren ist es nun Zeit für etwas anderes.

Ich wollte bereits früher studieren, allerdings hatte ich damals mein Fachabi nicht geschafft. Mittlerweile ist mein Notenschnitt richtig gut und das Fachabi habe ich nachgeholt. Elektrotechnik mit Schwerpunkt Bio-Medizin-Technik ist für mich ein spannendes Fach. Ich kann meine Kenntnisse aus den beiden Berufsausbildungen mit einbringen. Das Interesse an Medizin liegt bei uns in der Familie: Mein Bruder ist Chirurg und meine Schwester medizinisch-technische Assistentin. Ich wusste schon vorher, dass das Studium Elektrotechnik lernintensiv ist, aber das konnte mich nicht abschrecken.

Warum hast du dich um dieses Stipendium beworben?

Der Hauptgrund ist natürlich die finanzielle Entlastung. So habe ich für das Studium den Rücken frei. Außerdem wollte ich testen, ob ich ein Stipendium bekomme.

Wie wirst du denn durch das Aufstiegsstipendium gefördert?

Es gibt das Stipendium für ein Vollzeitstudium, aber auch für berufsbegleitende Studiengänge. Das Vollzeitstipendium beträgt mit Büchergeld 750 Euro monatlich. Wer eigene Kinder unter 10 Jahren hat, kann unter bestimmten Voraussetzungen zusätzlich auch einen Betreuungszuschuss erhalten. Auf der Internetseite www.sbb-stipendien.de stehen weitere Infos.

Bei einem berufsbegleitendem Studium beträgt das Stipendium 1700 Euro jährlich. Das Aufstiegsstipendium ist einkommensunabhängig, also losgelöst vom eigenen Einkommen oder dem der Eltern. Man kann dazuverdienen, allerdings müssen die Studienleistungen stimmen.

Dazu kommt dann die ideelle Förderung durch Seminare. Das Angebot ist groß, ich finde Rhetorik spannend. Es gibt auch Seminare, die das Studium unterstützen zum Beispiel mit dem Thema „Wissenschaftliches Arbeiten“. Das ist ein überregionales Angebot, wo ich mich mit anderen Stipendiaten austauschen kann.

Inzwischen gibt es auch quer durch Deutschland „Regionale Austauschgruppen“ in denen sich die Stipendiatinnen und Stipendiaten treffen können. Organisiert werden die Treffen und Seminare über eine Online-Plattform, das SBB-StipNet. Im StipNet gibt es auch viele andere Infos und Möglichkeiten zur Vernetzung.

Ist es eigentlich schwierig, sich nach der erfolgreichen Arbeit als Feuerwerker in einen Studienalltag einzuleben?

Die Seminare fangen natürlich viel früher an, als es ein Veranstaltungstechniker gewohnt ist. Andererseits muss ich nicht mehr so stark körperlich arbeiten und habe den Kopf frei fürs Studium. Beim Lernen bin ich noch in Übung, denn mein Fachabi liegt ja noch nicht so lange zurück und deshalb fällt es mir nicht schwer.

Welche Erwartungen stellt die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung an dich?

Die Erwartungen sind fair: Ich muss nicht unbedingt überall Bestnoten haben, aber ich muss mein Studium in der Regelstudienzeit schaffen. Die Klausuren und Hausarbeiten muss ich also bestehen.

Ehrenamtliches Engagement ist beim Aufstiegsstipendium nicht verpflichtend. Als die SBB bei mir anfragte, habe ich aber gerne bei einer Podiumsrunde auf einem Kongress an der FH Gelsenkirchen über das Aufstiegsstipendium informiert. Ich finde, es sollten möglichst viele Berufserfahrene von dieser Fördermöglichkeit für ein Studium erfahren.

Welche Ziele verfolgt die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung mit dem Aufstiegsstipendium?

Die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung möchte Leuten, die im Beruf schon ihr Können gezeigt haben, die Chance auf eine Studium geben, das sie ohne das Aufstiegsstipendium nicht durchführen würden, unter anderem weil sie bereits eine Familie versorgen.

Ab wann kann man sich für das Stipendium bewerben?

Eine Bewerbung ist schon vor dem Beginn des Studiums möglich. Wichtig ist aber, dass man sich zum geplanten Studium schon informiert hat und einen konkreten Studienwunsch nennen kann. Nach einer Zusage ist ein Jahr Zeit, um mit dem Studium zu beginnen. Wer bereits studiert, kann sich bis zum Ende des zweiten Semesters bewerben. Eine Altersgrenze gibt es nicht.

Wie sieht das Auswahlverfahren aus?

Die Grundvoraussetzung ist erst einmal eine abgeschlossene Berufsausbildung und eine Berufserfahrung von mindestens zwei Jahren nach dem Abschluss. Eine weitere Voraussetzung zur Bewerbung ist der Beleg für die „besondere berufliche Leistungsfähigkeit“. Das kann zum Beispiel der Notendurchschnitt bei der Berufsabschlussprüfung sein. Der sollte dann besser als „Gut“ sein, also im Schnitt mindestens eine 1,9. Eine weitere Möglichkeit, insbesondere für Handwerker, ist der Sieg bei einem überregionalen beruflichen Leistungswettbewerb. Du kannst Dich aber auch mit einem begründeten Schreiben des Arbeitgebers bewerben, der Dich für das Stipendium vorschlägt – so habe ich es gemacht.

Als ersten Schritt habe ich eine Online-Bewerbung ausgefüllt und dann direkt das Vorschlagschreiben meiner Firma geschickt. Nach einigen Tagen bekam ich von der SBB eine E-Mail, dass ich die erste Stufe der Bewerbung bestanden habe und als zweiten Schritt einen Kompetenzcheck absolvieren kann. Auch der Kompetenzcheck ist online. Ich hatte zuerst andere Erwartungen an diesen Kompetenzcheck. Ich hatte gedacht, die Fragen drehen sich eher um die Grundkenntnisse in Deutsch oder Mathe – aber das war nicht so. Im Vordergrund stehen berufliche und soziale Kompetenzen.

Wenn Du beim Kompetenzcheck bestehst, erhältst Du als dritte Stufe der Bewerbung eine Einladung zum Auswahlgespräch. Das ist ein Gespräch mit einem Juror oder einer Jurorin. Es geht dann darum, die Antworten aus dem Kompetenzcheck zu begründen.

Solltest du denn ein Ehrenamt haben?

Du musst nicht zwingend ehrenamtlich arbeiten. Ich setze mich aus Interesse als Stipendiat für die Stiftung bei Podiumsdiskussionen und in Foren ein. Ich war auch bei der Freiwilligen Feuerwehr. Das ist sicher ein Pluspunkt, aber ich denke nicht, dass das für meine Bewerbung das Entscheidende war.

Was macht eine erfolgreiche Bewerbung für das Aufstiegsstipendium aus?

Ich denke, Du solltest natürlich bleiben. Wenn Du Dich verstellst, werden es die Juroren schnell merken. Du solltest wissen, warum Du ein Studium machen möchtest.

Warum sollten sich Berufstätige für dieses Stipendium bewerben?

Ich finde das Aufstiegsstipendium ist eine gute Sache. Ich kenne viele Leute, die gern studieren würden, aber es hapert oft am Geld. Außerdem haben die Leute von der Stiftung immer ein offenes Ohr. Du kannst gut über alles mit ihnen reden.

(Interview: Oktober 2011)