Stiftung der Deutschen Wirtschaft

Carola WestermeierName: Carola Westermeier
Alter: 23 Jahre
Studiengang: Geschichts- und Kulturwissenschaften; 
Fächer im Bachelor: Geschichte und Fachjournalistik Geschichte
Fächer im Master: Geschichte und Soziologie
Semester: 2. Semester Master (insgesamt 8. Semester)
Hochschule: Justus-Liebig-Universität Gießen
Auslandssemester: 1 Jahr University of Birmingham
(Masterstudiengang "Modern European History")
Stiftung: www.sdw.org
(Die Stiftung steht den Arbeitergebern politisch nah.)

Wie bist Du auf die Idee gekommen, Dich bei der Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw) zu bewerben?

Eigentlich war ich auf der Suche nach einer Finanzierung für ein Auslandsjahr in England. Zufällig bin ich in das Gießener Arbeiterkind-Büro gegangen. Dort habe da ich Katja Urbatsch getroffen und ihr von mir und meinem Vorhaben erzählt. Sie hat mir zu der Bewerbung bei der sdw geraten, weil diese Stiftung zu mir „passe" – da hatte sie wohl Recht.

Was bedeutet es für Dich, eine Stipendiatin zu sein?

Viele neue Möglichkeiten zu haben, interessante und spannende Menschen kennenzulernen und neue Erfahrungen zu machen.

Auf welche Weise wirst Du von Stiftung der Deutschen Wirtschaft gefördert?

Zum einen gibt es die ideelle Förderung: es werden Seminare und Akademien zu verschiedensten Themen angeboten. Zum anderen werde ich auch finanziell unterstützt, was besonders für das Auslandsstudium eine große Hilfe ist. Ein wichtiger Vorteil ist, dass ich die finanzielle Förderung nicht zur Hälfte zurückzahlen muss wie beim BAföG.

Ist die Höhe des Stipendiums abhängig vom Einkommen Deiner Eltern? Was ist, wenn die Eltern „zu viel“ verdienen?

Das Stipendium ist zum Teil abhängig vom Einkommen der Eltern: Es wird errechnet, ob Du Anspruch auf ein „Grundstipendium“ hast, was vergleichbar zum Bafög ist, weitere Zuschläge sind möglich. Wenn die Eltern (zu) viel verdienen, bekommt man diesen Grundbedarf zwar nicht, unabhängig davon gibt es jedoch das Büchergeld, das 150 Euro (300 Euro ab Wintersemester 2013/2014) beträgt.

Stellt die Stiftung der Deutschen Wirtschaft auch Erwartungen an Dich als Stipendiatin?

Die Förderung ist keine „Einbahnstraße“, es wird erwartet, dass man sich als Stipendiat innerhalb der Regionalgruppen engagiert und eine bestimmte Anzahl an Veranstaltungen der sdw besucht. Letztendlich sind das jedoch keine Verpflichtungen, sondern Angebote, die ich gerne wahrnehme.

Welche Ziele verfolgt die Stiftung der Deutschen Wirtschaft?

Die sdw stärkt unternehmerisches Denken und Handeln in gesellschaftlicher Verantwortung. Das soll nicht heißen, dass Bewerber auch Unternehmer sein sollen, sondern dass man bereit ist, mit Eigeninitiative und Gestaltungswillen Dinge zu bewegen.

Ab welchem Schuljahr/Semester kann man sich bewerben?

Mit der Umstellung auf Bachelor und Master ist das etwas komplizierter geworden. Als Faustregel gilt, dass man bei der Bewerbung noch 4 Semester Regelstudienzeit vor sich haben sollte. Man kann sich auch direkt zum Studienbeginn mit dem Abiturzeugnis bewerben. Genauere Informationen dazu gibt es auf der sdw-Homepage.

Wie verlief Dein Auswahlverfahren bei der Stiftung der Deutschen Wirtschaft? (Dauer/Ablauf/Auswahlgespräche/Probleme)

Mein Auswahlverfahren verlief in drei „Stufen“ und dauerte etwa 3 Monate: Zuerst habe ich eine schriftliche Bewerbung eingereicht, dann wurde ich zu einem Vorauswahlgespräch in unserer Regionalgruppe eingeladen. Das war ein Gespräch mit unserem Vertrauensdozenten und der Vertrauensmanagerin sowie Stipendiaten aus der Regionalgruppe.

Ich empfand das etwa halbstündige Gespräch als sehr angenehm und kam so direkt in Kontakt mit meiner jetzigen Regionalgruppe. Danach habe ich die Einladung zum Auswahlverfahren bekommen, das bei Berlin stattfand. Bei diesem zweitägigen Assessment Center werden mehrere Aufgaben gestellt (Essay schreiben, Gruppendiskussion, Präsentation und Einzelgespräch). Schon hier gab es zum Abschluss ein wertvolles Feedback. Einige Wochen später kam dann der Brief über die Aufnahme in das Studienförderwerk Klaus Murmann.

Wie sieht Deiner Meinung nach eine erfolgreiche Bewerbung aus?

Allgemein sollten das Anschreiben und die Motivation authentisch und ehrlich sein. Die Kriterien für eine erfolgreiche Bewerbung sind gesellschaftliches Engagement und Zielstrebigkeit. Auch überdurchschnittliche Studienleistungen sind wichtig, aber nicht entscheidend.

Was bedeutet es, wenn „gesellschaftliches und politisches Engagement“ verlangt wird? Wie engagierst Du Dich?

Engagement bedeutet für mich nicht nur auf das Studium fixiert zu sein, sondern sich in verschiedensten Bereichen einzubringen. Ich engagiere mich in der Fachschaft und bei einem Sportverein – beides ist mir wichtig und ich mache es gerne.

Muss man sich besonders für Wirtschaft interessieren? Muss man Wirtschaft studieren?

Um bei der sdw aufgenommen zu werden, muss man sicherlich nicht BWL studieren – ich selbst studiere die kulturwissenschaftlichen Fächer Geschichte und Soziologie. Ein gewisses Interesse an wirtschaftlichen Themen ist hilfreich, ist aber nicht Voraussetzung für eine Aufnahme. Als Stipendiat/in der sdw bekommt man dann die Möglichkeit Seminare zu besuchen, die mit den Partnerunternehmen der sdw organisiert werden.

Möchtest Du zukünftigen Bewerbern oder generell Oberstufenschülern und Studierenden nicht-akademischer Herkunft noch etwas mit auf den Weg geben?

Eine Bewerbung für ein Stipendium lohnt sich in jedem Fall. Ich selbst bereue es, dass ich mich erst so spät darum bemüht habe und daher „nur“ in meinem Master-Studium davon profitiere.

(Interview: September 2011)

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