Studienstiftung des deutschen Volkes

Philipp EbertName: Philipp Ebert
Alter: 23 Jahre
Studiengang: Politikwissenschaft und Geschichte (Bachelor)
Semester: 6. Semester
Hochschule: Friedrich-Schiller-Universität Jena
Auslandssemester: geplanter Aufenthalt in den Vereinigten Staaten für die Bachelorarbeit
Stiftung: www.studienstiftung.de
(Die Studienstiftung ist politisch, konfessionell und weltanschaulich neutral.)

Logo der Studienstiftung des deutschen Volkes mit Link auf die Homepage der Stiftung

Wie bist Du auf die Idee gekommen, Dich bei der Studienstiftung des deutschen Volkes zu bewerben?

Gar nicht, denn ich habe keine Bewerbung geschrieben, sondern mich vorschlagen lassen. Eine gute Freundin hat mir damals von der Studienstiftung des deutschen Volkes erzählt. Ihr Schuldirektor hatte sie für das Stipendium empfohlen. Und da ich mich für halbwegs begabt hielt, habe ich überlegt, welchen Professor ich für eine Empfehlung ansprechen könnte.

Im zweiten Semester bin ich zu einem Politikprofessor gegangen und habe ihn gefragt, ob er mich vorschlagen würde. Er hat schon geschluckt als er meine Abi-Note von 3,1 gesehen hat, aber meine sehr guten Noten aus dem ersten Semester konnten ihn überzeugen.

Was bedeutet es für Dich, ein Stipendiat zu sein?

Es bedeutet zum einen die Anerkennung meiner Leistungen. Ehrlich gesagt, ist mir das am wichtigsten. Ich habe ein gesundes Selbstvertrauen, aber meine Schulgeschichte ist nicht die eines typischen Stipendiaten. In der Uni ist es mir allerdings wichtig, gute Noten zu schreiben. Zum anderen finde ich die immaterielle Förderung durch die Studienstiftung großartig.

Auf welche Weise wirst Du von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert?

Man wird materiell und immateriell gefördert. Dabei finde ich die immaterielle Förderung fast noch wichtiger. Finanziert durch die Studienstiftung nehme ich beispielsweise an Sprachkursen oder der Sommerakademie teil. Das ist eine Möglichkeit unglaublich intensiv in Seminaren an bestimmten Themen zu arbeiten. Außerdem lernt man krasse Leute kennen, das kann einem später Türen öffnen.

Die materielle Förderung sieht bei mir nicht so großartig aus. Ich erhalte nur ein einkommensunabhängiges Büchergeld von 150 Euro (300 Euro ab Wintersemester 2013/2014). Ich liege genau in so einer Zwischenschicht, in der meine Eltern zu viel verdienen, so dass ich kein Lebensunterhaltsstipendium bekomme, aber meine Eltern mich auch nicht finanzieren können. Ich bestreite mein Studium darum mit dem KfW-Studienkredit. Natürlich ist das eine Belastung. Ich muss später zwischen 40 000 und 80 000 Euro zurückzahlen. Mit solchen Dingen kann man jemanden Steine in den Weg legen, gerade wenn er der erste Student in seiner Familie ist. Ich bin aber einfach willensstark und ignorant genug, das Studium trotzdem durchzuziehen.

Ist die Höhe des Stipendiums abhängig vom Einkommen Deiner Eltern? Was ist, wenn die Eltern „zu viel“ verdienen?

Ja, das Stipendium ist abhängig vom Einkommen Deiner Eltern. Wenn Deine Eltern zu viel verdienen, gibt es aber noch die Möglichkeit des Büchergeldes (elternunabhängiges Stipendium). Die 80 Euro wurden auf 150 Euro angehoben. Es werden 2013 sogar 300 Euro pro Monat sein. Und soweit ich weiß, gibt es auch Sonderfälle. Ein Freund von mir hat sein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg gemacht und bekommt nun ein elternunabhängiges Vollstipendium in Höhe des BAföG-Höchstsatzes und das Büchergeld extra.

Stellt die Studienstiftung des deutschen Volkes auch Erwartungen an Dich als Stipendiat?

Ja, nämlich leistungsorientiert und engagiert zu sein. Es wird erwartet, dass man zu den Besten zehn Prozent seines Jahrgangs bzw. Fachs gehört. Man bekommt vor dem 4. Semester ein vorläufiges Stipendium. Danach wird geprüft, ob man endgültig aufgenommen werden kann. Sollte man nicht unter den Besten zehn Prozent sein, wird geschaut, ob ein Sonderfall vorliegt. Dann wird man in der Regel endgültig aufgenommen. Die Prüfung gibt es also nur einmal, es wird aber schon erwartet, dass man seine Leistungen beibehält.

Ist es schwierig, konstant solche guten Leistungen zu erbringen?

Mir fällt der Leistungsstandard nicht schwer. Wenn ich ehrlich bin, habe ich ein gutes Verhältnis von Input und Output. Wenn man jeden Tag Zeitung liest, wirkt sich das einfach für ein Studium wie meines positiv aus. Ich muss aber auch nicht viele Sachen auswendig lernen. In meinem Studienfach ist selbstständiges Denken sehr wichtig und Leidenschaft für Bildung.

Welche Ziele verfolgt die Studienstiftung?

Die Förderung von fachlich exzellenten und gesellschaftlich engagierten Studenten. Man muss dazu sagen, dass das unabhängig der Schulnoten, Weltanschauung, Religion oder politischer Einstellung ist. Daher werden Punks genauso gefördert wie die Enkel von Konrad Adenauer, Atheisten genau so wie Muslime und Christen. Und sogar Studenten, die in Deutschland aufgewachsen sind, aber keinen deutschen Pass besitzen, werden gefördert.

Ab welchem Schuljahr/Semester kann man sich bewerben?

Das Bewerbungsverfahren ist jetzt neu. Man kann sich nun während der ersten beiden Semester auch selbst bewerben, aber das ist nicht der klassische Weg. Auf dem klassischen Weg wird man vorgeschlagen. Das kann schon der Schulleiter während des Abiturs machen oder man wird während des Studiums vorgeschlagen.

Wie verlief Dein Auswahlverfahren bei der Studienstiftung des deutschen Volkes? (Dauer/Ablauf/Auswahlgespräche/Probleme)

Mich hat ja mein Professor vorgeschlagen und nach drei oder vier Wochen habe ich Post bekommen und sollte dann Unterlagen wie Lebenslauf und Noten einreichen. Daraufhin hat es ungefähr ein halbes Jahr gedauert, bis die Studienstiftung sich gemeldet und mich zu einem Gespräch eingeladen hat. Wegen der Neutralität findet dieses Gespräch in einer anderen Hochschulstadt statt. Man redet mit einem Professor über seine fachliche Eignung und führt ein weiteres Gespräch mit einem fachfremden Professor. Beide Gespräche waren sehr nett und unterhaltsam. Es ist keine Test-Atmosphäre.

Da ein Abi mit 3,1 selten ist, war das ein Thema, aber auch ich habe Fragen gestellt. Es war sehr spannend. Probleme habe ich keine gehabt, ich musste mich auch nicht für mein Abi mit 3,1 rechtfertigen. Die Leute wollen Deinen Lebensweg kennenlernen. Ich habe in meiner Jugend nun einmal lieber Musik gemacht und mich in der Jugendarbeit engagiert als mir absurde Chemieformeln reinzuziehen.

Ein anderer Weg sind Auswahlseminare, wenn man durch den Schulleiter oder auch durch das Prüfungsamt vorgeschlagen wird. Aber darüber weiß ich nicht so viel, nur dass diese Seminare in ganz Deutschland stattfinden und es Einzel- und Gruppengespräche gibt. Man muss ein Referat halten, das später mit den anderen Teilnehmern diskutiert wird.

Wie sieht Deiner Meinung nach eine erfolgreiche Bewerbung aus?

Ich denke, es heißt: „Wie muss man für dieses Stipendium gestrickt sein?“ Es muss die fachliche Exzellenz des Bewerbers zu erkennen sein. Das heißt jetzt nicht, dass jede Prüfung mit Eins Komma abgelegt werden muss, aber man muss eben zu den Besten zehn Prozent gehören. Die Studienstiftung weiß aber, dass es so etwas wie Spätzünder gibt. Dazu kommt das Engagement in irgendeiner Form in der Gesellschaft. Ich studiere jetzt vor mich hin ist das falsche Motto. Man sollte eine engagierte Persönlichkeit – nicht nur im eigenen Fachbereich – sein, sondern ein Interesse an der Welt haben.

Was bedeutet es, wenn „gesellschaftliches und politisches Engagement“ verlangt wird? Wie engagierst Du Dich?

Ich weiß nicht, ob es einen Katalog für gesellschaftliches Engagement gibt. Man sollte das machen, was man machen möchte. Ich habe mich jahrelang im ökumenischen „Ten Sing-Projekt“ des CVJM engagiert. Jugendliche stellen dort ein eigenes Bühnenprogramm auf die Beine – von der Anmietung des Saals über die Bühnentechnik bis zum Programm. Mit 15 Jahren hab ich schon Workshops geleitet. Diese Erfahrungen waren ein Vorteil für mich. Auch wenn ich heute nicht mehr aktiv dabei bin, fühle ich mich der Idee weiter verbunden. 

Außerdem bin ich als Mitglied in einer großen deutschen Partei aktiv und schreibe momentan bei der Uni-Zeitung „Unique“. Ich muss dazu sagen, Engagement ist nie gleich. Jeder hat seinen eigenen Weg.

Möchtest Du zukünftigen Bewerbern oder generell Oberstufenschülern und Studierenden nicht-akademischer Herkunft noch etwas mit auf den Weg geben?

Ich möchte Euch dazu ermutigen, Euch nicht vom Studium abbringen zu lassen, auch wenn das von Eurer Familie vielleicht nicht akzeptiert wird. Versucht Euch einfach bei einer Stiftung zu bewerben, auch wenn Ihr vielleicht kein Vollstipendium bekommt, aber 150 Euro Büchergeld, sind eben 150 Euro (mittlerweile 300 Euro). Durch die Stiftung bekomme ich zum Beispiel Hilfe bei meinem geplanten Forschungsaufenthalt in den Vereinigten Staaten. Ich weiß noch nicht genau wie, aber dafür gibt es Sonderprogramme.

Macht Euch den Glauben an das Unwahrscheinliche zu eignen. Und lasst auch einmal alle fünfe gerade sein.

(Interview: September 2011)