Cusanuswerk

Sophia HergenröderName: Sophia Hergenröder
Studiengang: Gymnasiallehramt für Biologie und Deutsch
Semester: 6. Semester im Staatsexamen
Hochschule: Goethe-Universität in Frankfurt am Main
Auslandsaufenthalt: -

Stiftung: Cusanuswerk
(Stiftung der katholischen Kirche)

Logo des Cusanuswerks

Wie bist Du auf die Idee gekommen, Dich beim Cusanuswerk zu bewerben?

Es zeichnete sich zum Ende der Oberstufe ab, dass ich mit einem ziemlich guten Notendurchschnitt die Schule abschließen werde und ich wollte danach studieren! Nun wusste ich nur diffus über das Thema Stipendien Bescheid und habe darum einen Termin bei meinem Schulleiter gemacht.

Es hat mich überrascht, wie gut er über Stipendien informiert war. Er hatte auch Broschüren einzelner Förderwerke. Mit seiner Hilfe bin ich die verschiedenen Stiftungen durchgegangen. Wir haben geschaut, welche zu mir passt, und schließlich hat er mich für das Cusanuswerk und die Studienstiftung vorgeschlagen. Ich habe mich gefreut, als die Zusage vom Cusanuswerk kam.

Aus dieser Erfahrung konnte ich mitnehmen, dass es gut ist, aktiv auf Lehrer zuzugehen und sie um ihre Unterstützung zu bitten.

Was bedeutet es für Dich, eine Stipendiatin zu sein?

Ich muss sagen, ich habe jetzt kein besonderes Stolzgefühl, aber ich bin sehr, sehr dankbar, dass ich mich vollkommen auf mein Studium konzentrieren kann – ohne Geldsorgen. Außerdem gibt mir das Stipendium die Möglichkeit, meinen Horizont zu erweitern. Ich kann mich auf Fachgebieten umschauen, die ich allein durch mein Studium nicht kennengelernt hätte.

Auf welche Weise wirst Du vom Cusanuswerk gefördert?

Es gibt einerseits eine ideelle Förderung mit Bildungsveranstaltungen und einem geistlichen Programm. Darin ist auch eine jährliche Ferienakademie enthalten, in der wir ganz verschiedenen Themen nachgehen, zum Beispiel aus dem Bereich der Naturwissenschaft, Theologie oder Philosophie.

Im geistlichen Programm unternehmen wir Pilgerfahrten oder gehen auf Zeit ins Kloster. Ich habe an Schweigeexerzitien teilgenommen und in dieser Zeit eine Einführung in Meditation und das kontemplative Gebet erhalten. Ohne das Cusanuswerk wäre ich wohl nicht zu dieser bereichernden Erfahrung gekommen.

Das Gute ist, dass das Programm von einer geistlichen Kommission sowie einer Bildungskommission aus Stipendiatinnen und Stipendiaten zusammengestellt wird, welche das Programm des Cusanuswerks so mitgestalten können.

Anderseits gibt es eine finanzielle Förderung, die aus der Studienkostenpauschale in Höhe von 300 Euro monatlich und dem Grundstipendium besteht. Das Grundstipendium errechnet sich dabei aus dem BAföG-Anspruch. Zudem gibt es Zuschüsse, beispielsweise für Praktika und Semester im Ausland.

Ist die Höhe des Stipendiums abhängig vom Einkommen Deiner Eltern? Was ist, wenn die Eltern „zu viel“ verdienen?

Ja, die Höhe des Grundstipendiums hängt mit dem BAföG-Anspruch und damit dem Einkommen der Eltern zusammen. Die Studienkostenpauschale gilt aber für alle und bleibt vom Einkommen der Eltern unberührt.

Stellt das Cusanuswerk auch Erwartungen an Dich als Stipendiatin?

Du solltest überdurchschnittliche Leistungen in deinem Studium sowie Engagement erbringen und an dem Stiftungsprogramm teilnehmen.

Außerdem verfasse ich einmal im Jahr einen Jahresbericht, in dem ich über meine Studienleistungen und mein Engagement spreche. Es ist eine gute Gelegenheit, über den letzten Studienabschnitt zu reflektieren, um zu schauen, wofür man seine Zeit verwendet hat.

Welche Ziele verfolgt das Cusanuswerk?

Ich glaube, diese Frage wurde mir so ähnlich in meinem Auswahlgespräch gestellt und damals habe ich wie heute über den Namenspatron des Cusanuswerkes gesprochen – Nikolaus von Kues. Er war ein Universalgelehrter – ein Philosoph, Theologe, Mathematiker –, der die Kirche mit seinen innovativen Ideen reformiert hat. Stipendiaten und Stipendiatinnen sollten ihren Horizont erweitern, dafür gibt es vielfältige Möglichkeiten in Workshops und Veranstaltungen. Interessant für mich als Arbeiterkind ist, dass von Kues nicht aufgrund einer privilegierten Herkunft Erfolg hatte, sondern weil er strebsam war, sich engagiert und eingebracht hat.

Das Cusanuswerk steht für die Förderung von Bildungsbiografien. Es geht nicht darum, dass du ein perfekter Mensch bist, sondern um deine Talente und Potenziale. Deine christlichen Werte und Gedanken sollst du in deinen Begegnungen einbringen und Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen.

Ab welchem Schuljahr/Semester kann man sich bewerben?

In der Erstsemesterförderung ist eine Bewerbung vor Beginn deines Studiums möglich, damit du mit dem Studienstart gefördert wirst.

Es gibt auch das Grundauswahlverfahren, wofür du mindestens ein abgeschlossenes Fachsemester benötigst.

Wie verlief Dein Auswahlverfahren beim Cusanuswerk?

Ich bin durch die Erstsemesterförderung ins Auswahlverfahren gelangt. Diese Form der Bewerbung erfolgt wie bei mir über ein Vorschlagsverfahren oder auch über eine Selbstbewerbung. Darüber hinaus habe ich verschiedene Unterlagen eingereicht, unter anderem meinen Lebenslauf und Zeugnisse. In meinem Lebenslauf reflektierte ich meine Glaubensbiografie und schrieb darüber, warum ich gern Stipendiatin werden möchte. Damit schaffst du dir eine Basis für die Auswahlgespräche.

Ich wurde dann eingeladen und hatte drei Gespräche – mit einem Mitarbeiter der Hochschulpastoral, einem Lehrenden meiner angestrebten Fachrichtung und einer Referentin der Geschäftsstelle des Cusanuswerks. Das letzte Gespräch fand mit einem Mitbewerber statt. Wir haben gemeinsam eine Diskussion gestaltet.

Nach den Gesprächen entscheidet sich die Aufnahme in die Stiftung, aber es gibt eine Probezeit. Erst nach dieser wird aufgrund der Studienleistungen, Gutachten von Profs und weiteren Gesprächen über den Verbleib in der Förderung entschieden.

Wie lange wirst du gefördert?

Wenn die Probezeit um ist, ist man bis zum Ende der Regelstudienzeit Stipendiat bzw. Stipendiatin im Cusanuswerk.

Wie sieht Deiner Meinung nach eine erfolgreiche Bewerbung aus?

Unvoreingenommen! Ich habe es damals einfach probiert.

Du solltest bei deiner Bewerbung authentisch sein, denn die Haltung und Persönlichkeit kann und sollte niemand verstellen. Es gehört auch dazu, sich darüber Gedanken zu machen, ob die Stiftung zu einem passt. Schließlich wirst du mit den Menschen viele künftige Erfahrungen teilen.

Wenn ich an meine Bewerbung denke, war ich zurückhaltend mit meinen 19 Jahren. Ich war ehrlich und habe auch kritisch meine Studienwahl und meine Glaubensbiografie hinterfragt.

Was bedeutet es, wenn „gesellschaftliches und politisches Engagement“ verlangt wird? Wie engagierst Du Dich? Muss man katholisch sein? Muss man in der Kirchengemeinde aktiv sein?

Engagement heißt Einsatz für andere. Du kannst dich da ganz unterschiedlich einbringen, zum Beispiel beim DeutschenRotenKreuz, deinem Sport- oder Musikverein. Du kannst dich in der Hochschulpolitik engagieren.

Im Cusanuswerk musst du der katholischen Konfession angehören, aber du musst nicht zwangsläufig in der Kirchengemeinde aktiv sein. Ich war in der Firmkatechese und ehrenamtlich im Altenheim engagiert. Mit dem Studium habe ich meinen Schwerpunkt auf Schulen verlegt und informiere dort mit anderen über das Cusanuswerk und allgemein über Stipendien. Viele Lehrerinnen und Lehrer wissen gar nicht, welche Chancen sich ihre Schüler entgehen lassen. Es wäre vielleicht anders gekommen, wenn mein Schulleiter nicht so gut informiert gewesen wäre.

Möchtest Du zukünftigen Bewerbern oder generell Oberstufenschülern und Studierenden nichtakademischer Herkunft noch etwas mit auf den Weg geben?

Dass meine Eltern nicht studiert haben, hat für mich nie eine Rolle gespielt. Du solltest wissen, woher du kommst und wohin du möchtest, aber Arbeiterkind zu sein ist dabei kein Stigma. Sei zielgerichtet und nutze deine Chancen. Warte nicht, bis dich jemand zu etwas einlädt, sondern suche dir gezielt Unterstützung. Sprich doch einfach deine Lehrer auf ein Stipendium an.

(Interview: Juli 2015)