Konrad-Adenauer-Stiftung

Nadine GrzeszickName: Nadine Grzeszick
Alter: 24 Jahre
Studiengang: Anglistik, Jüdische Studien, Religionswissenschaft (Magister)
Semester: 8. Semester
Hochschulen: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg
Auslandssemester: 2 Semester an der Hebräischen Universität in Jerusalem
Stiftung: Konrad-Adenauer-Stiftung
(Die Stiftung steht der CDU nah.)

Logo der Konrad Adenauer Stiftung

Wie bist Du auf die Idee gekommen, Dich bei der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) zu bewerben?

Ich habe nach meinem ersten Semester ein Praktikum bei einer Lokalzeitung gemacht und dabei festgestellt, dass es mir großen Spaß macht, als Journalistin zu arbeiten. Deswegen habe ich nach einer studienbegleitenden Journalistenausbildung gesucht und bin so auf die Journalistische Nachwuchsförderung (JONA) der Konrad-Adenauer-Stiftung gestoßen, die eine Unterabteilung der Begabtenförderung ist. Studenten, die in das Programm aufgenommen werden, erhalten zum einen ein normales Stipendium der KAS (finanzielle und ideelle Förderung) und nehmen außerdem an journalistischen Praxisseminaren teil. Die Chefredakteurin meiner Lokalzeitung hatte selbst ihre Journalistenausbildung bei der KAS gemacht und riet mir daher, mich dort zu bewerben. Das hat mich schließlich überzeugt.

Was bedeutet es für Dich, eine Stipendiatin zu sein?

Natürlich heißt das für mich zuallererst, dass ich die KAS und ihre Leitgedanken repräsentiere. Aber ganz allgemein sehe ich es als ein großes Geschenk an, dass ich durch das Stipendium die Möglichkeit habe, zu studieren und Auslandserfahrung zu sammeln. Deswegen liegt mir viel daran, auch andere Schüler und Studenten zu einer Bewerbung zu motivieren.

Auf welche Weise wirst Du von der Konrad-Adenauer-Stiftung gefördert?

Zum einen erhalte ich monatlich ein Vollstipendium von der KAS, welches sich auf monatlich 597 Euro plus 150 Euro Büchergeld (300 Euro ab Wintersemester 2013/2014) beläuft. Die finanzielle Hilfe ist für mich eine große Unterstützung, da ich aus einer Arbeiterfamilie komme und meine Eltern mein Studium kaum finanzieren könnten. Außerdem hat die KAS es mir auch ermöglicht, ein Jahr im Ausland zu studieren. Neben der Grundförderung wurde mir ein Jahr lang ein monatlicher Auslandszuschuss von 385 Euro gewährt und daneben hat die KAS den größten Teil meiner Studiengebühren im Ausland getragen (6000 Euro – die Sätze sind je nach Land verschieden). Auch Praktika und Sprachkurse im Ausland können gefördert werden.

Zum anderen bietet die KAS aber auch eine ganz hervorragende ideelle Förderung an. Das ganze Jahr über werden zahlreiche Seminare zu so unterschiedlichen Themen wie Politik, Wirtschaft, Geschichte oder Kunst angeboten. Toll ist auch, dass man Zugang zu einem riesigen Netzwerk von Stipendiaten und Ehemaligen hat und daher ganz oft Praktikums- oder Jobangebote zugeschickt bekommt.

Im Rahmen der Journalistischen Nachwuchsförderung habe ich zusätzlich Seminare besucht, bei denen ich grundlegende journalistische Fähigkeiten (Schreiben für Zeitungen/Magazine, Erstellen von Radio- und Fernsehbeiträgen) erlernt habe. Ein absolutes Highlight war in diesem Zusammenhang ein Auslandsseminar in Jerusalem, wo ich gemeinsam mit anderen deutschen, israelischen und palästinensischen Journalisten ein Magazin produziert habe. Solche Auslandsseminare sind inzwischen fest im Programm der JONA und der KAS im Allgemeinen verankert.

Vor kurzem hat die KAS übrigens ein Förderungsprojekt gestartet, das sich speziell an Studenten richtet, die aus nicht-akademischen Familien kommen oder einen Migrationshintergrund haben. Seminare zu Themen wie „Selbstmanagement“ oder „Erfolgreich schreiben“ sollen das Selbstbewusstsein der Studenten stärken und damit verhindern, dass sie sich wegen ihrer Herkunft eingeschüchtert fühlen.

Ist die Höhe des Stipendiums abhängig vom Einkommen Deiner Eltern? Was ist, wenn die Eltern „zu viel“ verdienen?

Ja, die Höhe des Stipendiums ist sowohl vom Einkommen der Eltern als auch vom eigenen Einkommen abhängig. Im Höchstfall erhält man 597 Euro. Jeder Stipendiat hat allerdings Anspruch auf das Büchergeld (300 Euro ab Wintersemester 2013/2014)).

Stellt die Konrad-Adenauer-Stiftung auch Erwartungen an Dich als Stipendiatin?

Stipendiaten sollten sich in irgendeiner Form gesellschaftlich oder politisch engagieren. Daneben wird erwartet, dass man regelmäßig an den Treffen der Hochschulortgruppe teilnimmt und sich dabei einbringt. Diese Treffen machen allerdings immer großen Spaß, da man ständig neue Leute kennenlernt und oft etwas zusammen unternimmt (Theater, Ausflüge, Sportveranstaltungen…). Einmal pro Jahr muss man zudem einen Jahresbericht einreichen.

Was die Studienleistungen angeht: Natürlich erwartet die KAS wie alle anderen Stiftungen, dass ein Stipendiat engagiert ist und gute Noten hat. Das heißt aber natürlich nicht, dass ihr nur Einsen schreiben müsst. Wenn jemand mal eine Prüfung nicht besteht, ist das auch kein Problem.

Welche Ziele verfolgt die Konrad-Adenauer-Stiftung?

Die KAS beruft sich auf die Grundsätze von Konrad Adenauer. Sie fördert national und international politische Bildung für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit. Besonders wichtig sind dabei die Festigung der Demokratie, die Förderung der europäischen Einigung, die Intensivierung der transatlantischen Beziehungen und die entwicklungspolitische Zusammenarbeit.

Ab welchem Schuljahr/Semester kann man sich bewerben?

Abiturienten können sich bewerben, insofern sie sofort ein Studium beginnen möchten. Als Student kann man sich bewerben, solange man noch mindestens zwei Jahre studieren wird.

Wie verlief Dein Auswahlverfahren für das Stipendium?

Nachdem meine schriftliche Bewerbung erfolgreich war, kam ich in die engere Auswahl und wurde für ein Wochenende nach Schloss Eichholz bei Bonn eingeladen. Hier musste ich dann an einem Gruppengespräch und einem Einzelgespräch teilnehmen und einige Essayfragen beantworten. Da ich mich für die Journalistische Förderung beworben hatte, musste ich zusätzlich noch aus mehreren Pressemitteilungen einen Bericht zusammenbasteln, einen Kommentar schreiben und einen Wissenstest machen. Das hört sich jetzt nach sehr hohen Anforderungen an, aber lasst Euch davon nicht einschüchtern. Es kommt gar nicht so sehr auf hervorragende und stets korrekte Antworten an, sondern vor allem auch auf Eure Persönlichkeit. Versucht einfach, locker zu bleiben und Euch nicht zu verstellen.

Wie sieht Deiner Meinung nach eine erfolgreiche Bewerbung aus?

Ihr solltet auf jeden Fall darlegen können, wieso Ihr gerade das studiert, was Ihr eben studiert. Idealerweise sollte schon aus Eurem Lebenslauf ersichtlich werden, dass Ihr Euch schon seit langem für Euer Studiengebiet interessiert und auf ein gewisses Ziel hinarbeitet. Brüche oder allgemein „kritische Stellen“ im Lebenslauf sind kein Problem, solange Ihr sie gut erklären könnt.

Ich habe zum Beispiel nach meinem Abitur nicht sofort mit meinem Studium angefangen, sondern erst ein FSJ gemacht, weil ich noch mehr Zeit brauchte, um herauszufinden, wie ich meine vielen Interessen im Studium und danach am besten kombinieren kann (wobei mir das FSJ natürlich geholfen hat).

Was bedeutet es, wenn „gesellschaftliches und politisches Engagement“ verlangt wird? Wie engagierst Du Dich?

Engagement zeigen heißt nicht, dass man in drei verschiedenen Organisationen mitarbeiten und nebenbei Vorsitzender der Ortsgruppe der Jungen Union sein muss. Wenn Ihr das alles vorweisen könnt, ist das toll, aber das alles wird natürlich nicht erwartet. Engagiert sein kann heißen, dass man sich zum Beispiel in einer AG, im Sportverein, im Chor, bei Amnesty International, beim Deutschen Roten Kreuz oder auch in der Schülervertretung einbringt. Das haben die meisten schon einmal in irgendeiner Weise gemacht. Ich selbst habe zum Zeitpunkt meiner Bewerbung Artikel für meine Schülerzeitung geschrieben und bei einer humanitären Organisation mitgearbeitet.

Muss man Mitglied in der CDU oder deren Jugendverband sein?

Nein. Ich selbst bin nicht Mitglied der CDU und das trifft auch auf viele andere Stipendiaten zu. Trotzdem sollte man sich vor einer Bewerbung über die Leitlinien der KAS informieren und sich überlegen, ob man diesen denn grundsätzlich zustimmt. Schließlich sollt Ihr Euch bei der Stiftung ja auch gut aufgehoben fühlen und sie guten Gewissens repräsentieren können.

Möchtest Du zukünftigen Bewerbern oder generell Oberstufenschülern und Studierenden nicht-akademischer Herkunft noch etwas mit auf den Weg geben?

Geht Euren Weg und lasst Euch nicht davon abbringen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es niederschmetternd ist, wenn man immer wieder darüber nachdenken muss, wie man Geld aufbringen kann, um das Studium zu finanzieren. Aber ich habe immer eine Lösung gefunden und konnte alle meine größeren Projekte (Auslandsjahr, zwei Praktika, zwei Sprachkurse im Ausland) bislang umsetzen. Inzwischen gibt es ein großes Angebot an Stipendien, auch von Seiten der Universitäten. Im Notfall habt Ihr immer noch die Möglichkeit, einen Studienkredit aufzunehmen.

Es gibt wirklich genügend Möglichkeiten, die Geldprobleme zu umgehen. Was zählt, ist Eure Begeisterung für das Studienfach und Eure Bereitschaft, Euch nach Unterstützung zu erkundigen. Dafür muss sich keiner schämen. Schämen muss man sich nur, wenn man nicht den Mut aufbringen konnte, seine Träume und Ziele zu verwirklichen. Also – worauf wartet Ihr?

(Interview: September 2011)