Hanns-Seidel-Stiftung

Alexander PinkerName: Alexander Pinker
Alter: 22 Jahre
Studiengang: Medienmanagement
Semester: 5. Semester
Hochschule: Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt
Auslandssemester: keines
Stiftung: Hanns-Seidel-Stiftung
(Die Stiftung steht der CSU nah.)

Logo der Hanns-Seidel-Stiftung

Wie bist Du auf die Idee gekommen, Dich bei der Hanns-Seidel-Stiftung zu bewerben?

Eigentlich habe ich, als ich mein Studium begonnen habe, gar nicht daran gedacht, dass ich mich für ein Stipendium bewerben würde. Aber im Laufe des 1. Semesters habe ich einige andere Stipendiaten der Hanns-Seidel-Stiftung in meinem Studiengang getroffen und es klang wirklich interessant. Da ich im Journalistischen Förderprogramm der HSS bin, gibt es sehr viele praktische Seminare, die mein Studium ideal ergänzt haben, also habe ich mir den Internetauftritt angesehen und weitere Mitglieder interviewt. Es war mir ziemlich schnell klar, dass diese Stiftung ideal zu mir passen könnte.

Was bedeutet es für Dich, ein Stipendiat zu sein?

Als Erstes bin ich natürlich stolz darauf, ich meine, wie viele Leute können sagen, dass sie ein Stipendiat sind? Aber es ist mir im Laufe der Zeit auch wichtig geworden, mich in der Stiftung zu engagieren. Man lernt auf den Seminaren so viele Leute kennen, sowohl unter den Seminarleitern als auch unter den Teilnehmern und ich denke, ich kann sagen, dass man auch schnell Freundschaften knüpft. Bisher hatte ich eine tolle Zeit in der HSS und ich hoffe natürlich, das geht den Rest meines Studiums so weiter!

Auf welche Weise wirst Du von der Hanns-Seidel-Stiftung gefördert?

Die Förderung der Hanns-Seidel-Stiftung ist eigentlich zweigeteilt, zum einen gibt es eine finanzielle Förderung, zum anderen eine individuelle.

Bei der finanziellen gibt es ein monatliches Büchergeld von 150 Euro (300 Euro ab Wintersemester 2013/2014) und dann noch weitere Unterstützung, die wie das BAföG nach dem Einkommen der Eltern und dem eigenen Vermögen berechnet wird. Außerdem unterstützt die HSS auch bei der Finanzierung von Auslandsaufenthalten.

Für mich persönlich ist allerdings der individuelle Teil fast wichtiger. Wie schon gesagt, bin ich im Journalistischen Förderprogramm der HSS und bekomme hier hochinteressante Seminare zu Themen wie Hörfunkjournalismus, Rhetorik, Zeitungsjournalismus und vielem mehr. Man bekommt Einblicke in die Praxis, die man als normaler Student einfach nicht bekommen kann. Außerdem knüpft man Kontakte fürs Leben.

Aber auch in der Hochschulförderung oder der Universitätsförderung der HSS gibt es viele hochinteressante Seminare, wie ich von anderen Stipendiaten erzählt bekommen habe. Ich denke, gerade durch das breite Angebot an Weiterbildungen ist ein Stipendium in der Stiftung so wertvoll.

Ist die Höhe des Stipendiums abhängig vom Einkommen Deiner Eltern? Was ist, wenn die Eltern „zu viel“ verdienen?

Die Höhe des Stipendiums ist abhängig vom Einkommen meiner Eltern. Dies ist auch der Grund, weshalb ich nur einen kleinen Zuschuss zum Büchergeld bekomme. Aber egal, wie viel die Eltern verdienen, die 150 Euro Büchergeld (300 Euro ab Wintersemester 2013/2014) bekommt jeder.

Stellt die Hanns-Seidel-Stiftung auch Erwartungen an Dich als Stipendiat?

Das tut sie allerdings, aber das ist auch nur fair. Als Stipendiat muss man sich natürlich auch entsprechend engagieren. Einfach Zuhause zu sitzen und das Geld einzustecken geht hier nicht, schließlich sollen wir ja verantwortungsbewusste, engagierte Multiplikatoren werden. Wir werden dazu angehalten am politischen und sozialen Leben teilzunehmen.

Ich tue dies beispielsweise durch Teilnahme an verschiedenen Veranstaltungen des Presseclubs und dem Besuch von anderen Events des Bezirks Unterfranken, aber hier kann man sehr vielfältig sein. Man muss nur zeigen, dass ein wenig Engagement hinter allem steckt was man tut!

Auch in den einzelnen Stipendiatengruppen der Hochschulen kann man sich beteiligen. Die Stipendiatensprecher überlegen sich für jedes Semester sowohl kulturelle als auch gesellige Termine. So lernt man auch viele andere Studenten aus seiner Hochschule kennen, mit denen man sonst relativ wenig zu tun hätte. Außerdem wird erwartet, dass man eine gewisse Anzahl an Seminaren im Semester besucht und natürlich auch angemessene Noten hat. Aber hier sollte man auf keinen Fall denken, dass nur 1,0 die ideale Note ist. Die Leistungen sollten überdurchschnittlich sein, aber man muss sich auf keinen Fall verrückt machen, das ist unheimlich wichtig!

Welche Ziele verfolgt die Hanns-Seidel-Stiftung?

Die HSS hat ein Motto: "Im Dienst von Demokratie, Frieden und Entwicklung" und eigentlich sind das auch ihre Ziele. Sie unterstützen nicht nur uns Studenten so gut sie können, sondern engagieren sich auch in der Entwicklungshilfe, diskutieren in politischen Themen mit, bieten ihre Seminare aber auch der Allgemeinheit an. Das bedeutet, dass eigentlich jeder in den Genuss eines HSS-Seminars kommen kann.

Wenn man die Ziele der Stiftung direkt auf uns Stipendiaten ausgerichtet betrachtet, würde ich sagen, dass sie gut ausgebildete, motivierte junge Nachwuchskräfte heranbilden wollen, die aber auch nie vergessen, dass die HSS ihnen geholfen hat. Viele der Seminarleiter sind selbst Altstipendiaten und ich finde es schön, wenn es einen solchen Zusammenhalt gibt, der auch über das Ende des Stipendiums weitergeht.

Ab welchem Schuljahr/Semester kann man sich bewerben?

Man kann sich theoretisch schon vor dem ersten Semester bewerben. Das kommt sogar relativ häufig vor, wie ich gehört habe. Aber persönlich würde ich empfehlen, sich nach dem ersten oder zweiten Semester mit einem Stipendium zu beschäftigen. Bis dahin hat man bereits erste Noten und man kann besser einschätzen in welche Richtung man gehen möchte und welches Stipendium denn das Beste für einen ist.

Wie verlief Dein Auswahlverfahren für das Stipendium? (Dauer/Ablauf/Auswahlgespräche/Probleme)

Das Auswahlverfahren begann zuerst in Papierform. Bei meiner Bewerbung musste ich zunächst zwei Gutachten beilegen. Das eine war ein Fachgutachten eines Dozenten, der mein Engagement und meinen Charakter so beschrieben hat wie er mich erlebt und eine Empfehlung für ein Stipendium ausgesprochen hat. Das zweite Gutachten war ein Persönlichkeitsgutachten einer Person des öffentlichen Lebens, das kann ein Politiker, ein Lehrer, ein Priester oder etwas ganz anderes sein. Es hat bei mir ein wenig gedauert bis ich die relevanten Unterlagen alle zusammen hatte und dann hieß es warten und hoffen. Als dann einige Monate später die Einladung zur Auswahltagung kam, war ich wirklich froh, den ersten Schritt gemeistert zu haben.

Die Auswahltagung fand in München statt. Hier wurden in meinem Fall 15 Bewerber eingeladen um nach erfolgreicher Bewerbung nun auch auf anderen Bereichen zu überzeugen. Zuerst gab es einen Aufsatz zu einem aktuellen politischen oder sozialen Thema. Man hatte drei Themen zur Auswahl und konnte dann in 90 Minuten seine Meinung dazu erörtern. Danach folgte ein Allgemeinwissenstest aus den Bereichen Politik, Literatur, Musik, Bauwerke usw.

Aber das, meiner Meinung nach, wichtigste Element der Auswahltagung war das persönliche Interview. Hier haben mich drei Prüfer über mein Engagement, meine Erfahrungen und Ziele befragt. Das war auch der härteste Teil des Tages. Insgesamt hat das Auswahlgespräch wohl einen halben Tag gedauert, aber es war spannend und man sollte sich einfach nicht aus der Ruhe bringen lassen, wenn man einmal etwas nicht weiß – die Prüfer sind ja auch nur Menschen.

Wie sieht Deiner Meinung nach eine erfolgreiche Bewerbung aus?

Ich glaube es gibt kein Muster für die „erfolgreiche Bewerbung“ schlechthin, schließlich hat jeder andere Fähigkeiten, die er in der Bewerbung besonders hervorheben sollte. Das hängt vom Studienfach ab oder von der Persönlichkeit.

Das Wichtigste, um genommen zu werden, ist einfach die Ehrlichkeit. Wenn man in seiner Bewerbung übertreibt kommt es spätestens im persönlichen Interview heraus. Man muss einfach souverän an die Sache ran gehen und dann kann nicht viel schief gehen!

Was bedeutet es, wenn „gesellschaftliches und politisches Engagement“ verlangt wird? Wie engagierst Du Dich?

Die Worte „gesellschaftliches und politisches Engagement“ sind, glaube ich, die größten „Abschrecker“ für potenzielle Bewerber, die wirklich gute Chancen hätten. Unter gesellschaftliches Engagement fällt so vieles. Man kann sich natürlich klassisch engagieren indem man bei der Tafel Essen verteilt oder Menschen in anderen Tätigkeiten hilft. Man kann aber auch z.B. ein Sportteam ehrenamtlich trainieren oder sich freiwillig in der Gemeinde betätigen. Es muss einfach zeigen, dass man noch etwas anderes neben seinem Studium macht und dabei versucht, Leuten zu helfen ohne einen eigenen Vorteil zu erlangen.

Ich selbst drifte beispielsweise völlig vom standardisierten gesellschaftlichen Engagement ab. Ich arbeite seit Beginn meines Studiums ehrenamtlich in einem studentischen Radiosender mit. Irgendwie helfe ich damit auch Leuten und sei es nur damit, dass ich sie gut unterhalte. Ich denke irgendetwas Ehrenamtliches kann man immer machen, es lockert außerdem das Studium auf.

Muss man Mitglied in der CSU oder deren Jugendverband sein?

Überhaupt nicht! Ich wurde in meiner gesamten Zeit bei der HSS noch nicht nach einen Parteibuch gefragt und habe zugegebener Weise auch keines. Die Hanns-Seidel-Stiftung ist zwar CSU nah, aber sie ist nicht die CSU. Wenn das Stipendium auf einen Studenten passt, sollte man sich nicht von der Bewerbung abhalten lassen nur weil man nicht zu einer Partei gehört.

Möchtest Du zukünftigen Bewerbern oder generell Oberstufenschülern und Studierenden nicht-akademischer Herkunft noch etwas mit auf den Weg geben?

Ich kann jedem einzelnen nur empfehlen, sich bei der Hanns-Seidel-Stiftung zu bewerben. Es ist egal, ob man nun unbedingt die finanzielle Unterstützung braucht oder nicht, es ist einfach ein Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Man bekommt so viele Einblicke in Themen, die sonst nie angesprochen werden. Man lernt Leute auf der selben Wellenlänge kennen.

Das schönste bei der HSS ist es, dass man immer ein Team ist. Herr Dr. Preis vom Journalistischen Förderprogramm sagte einmal, dass die Hanns-Seidel-Stiftung alles tun würde, um uns in unserer zukünftigen Karriere zu unterstützen; und das tun sie wirklich.

Wenn also Eure Noten stimmen, wenn Ihr ein wenig Interesse daran habt, gelegentlich aus dem Studienalltag auszubrechen oder wenn Ihr jetzt einfach nur neugierig geworden seid, was diese Hanns-Seidel-Stiftung genau ist – dann informiert Euch! Lasst Euch nicht abschrecken von all den Bedingungen, wenn man einmal angefangen hat, ist es nicht mehr so schlimm wie im ersten Moment des Lesens. All die anfänglichen Mühen sind es nämlich wert und werden Euch in jeder Beziehung zurückgezahlt.

(Interview: September 2011)