Esther und Silvius Dornier Stiftung

Robert HemstedtName: Robert Hemstedt
Alter: 18 Jahre
Internatsgymnasium: Landesschule Pforta
Stipendium: Esther und Silvius Dornier Stiftung für begabte Schüler

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Du bist ein ehemaliger Stipendiat der Esther und Silvius Dornier Stiftung. Was ist das für ein Stipendium?

Die Dornier Stiftung setzt sich mit dem Stipendium für begabte Schüler ein, die sich in ihrer Freizeit auch für andere engagieren. Die Stiftung achtet auf Deine Leistung und Dein Teamwork. Du erhältst mit dem Stipendium die Möglichkeit eins von fünf ausgewählten Internaten zu besuchen. Mit dabei: Landesgymnasium Sankt Afra, Landesschule Pforta, Schloß Salem, Birklehof und Landschulheim am Solling.

Ich habe mich in der 8. Klasse für die Landesschule Pforta beworben und dort dann ab der 9. Klasse bis zur 12. Klasse mein Abitur gemacht.

Deine Schulzeit liegt noch nicht lange zurück. Wie bist Du damals auf die Idee gekommen, Dich um das Dornier-Stipendium zu bewerben?

In der 8. Klasse habe ich mich entschieden, dass ich in meiner alten Schule nicht mehr bleiben möchte. Ich bekam bis auf Sport überall sehr gute Noten. Viele meiner Mitschüler hatten irgendwie keine richtige Lust mehr auf Schule und das hat man gemerkt.

Meine Klassenlehrerin hat mir dann die Landesschule Pforta empfohlen. Es gab dort Tage der offenen Tür und auch ein Schulfest, dabei habe ich mir die Schule schließlich angeschaut. Und am Tag der offenen Tür lag auch ein Flyer von der Dornier Stiftung aus.

Warum hast Du Dich für die Landesschule Pforta entschieden?

Die Schule hat einen naturwissenschaftlichen, einen sprachlichen und einen musikalischen Zweig. Und mir waren die Fächer in den Naturwissenschaften wichtig. In der 9. und 10. Klasse gibt es zusätzlich zum normalen Fach Physik auch Physik bilingual (Englisch und Deutsch). Außerdem absolviert man ein wissenschaftliches Praktikum an einem Institut oder in einem Betrieb in der Entwicklungsabteilung. Das ist ein Angebot der Schule.

Die Naturwissenschaften waren für mich ausschlaggebend, schon früher bin ich zu Mathematik- und Physikolympiaden gefahren. Auf der Schule habe ich mein Praktikum jeden Mittwoch am Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik in Jena absolviert und eine wissenschaftliche Facharbeit verfasst. Deswegen habe mich die anderen Gymnasien auch nicht interessiert.

Hast Du Dir eigentlich keine Sorgen wegen der Internatskosten gemacht?

Meine Eltern hätten mich auf jeden Fall auch ohne das Stipendium unterstützt. Sie hätten das irgendwie hinbekommen. Es gibt da schließlich auch noch Schüler-BAföG, das hätte ich sonst bestimmt beantragt. Ich wollte nun einmal auf die Landesschule Pforta. Aber natürlich darf man die monatlichen Internatskosten, für Schüler aus Sachsen-Anhalt über 200 Euro, nicht vergessen. Es kommen auch noch Fahrtkosten auf einen zu, da man alle zwei Wochen nach Hause fahren muss.

Hast Du Deine Familie später auf dem Internat vermisst?

Heimweh habe ich nicht, denn durch die Mathematikolympiaden bin ich seit der 5. Klasse auch mal länger für Seminare weggewesen. Meine Mutter hat außerdem regelmäßig angerufen. Da mein Vater immer auf Montage ist und ich ihn daher eh nur am Wochenende sehe, sind wir alle daran gewöhnt, eine Wochenendfamilie zu sein.

Wie wirst Du durch das Stipendium genau gefördert?

Die Stipendien für Pforta sind Vollstipendien. Das heißt: die Internatskosten werden vollständig übernommen. Bei den anderen Schulen ist das ähnlich, die Höhe der finanziellen Förderung richtet sich jedoch immer nach der Einkommens- und Vermögenssituation der Eltern. Auf den Internetseiten der Dornier Stiftung kann man sich über das Stipendium informieren. 

Schließlich gehört man dann noch dem Donati-Netzwerk an. Hier sind alle jetzigen und ehemaligen Stipendiaten miteinander verknüpft. Es gibt alle zwei Jahre auch ein großes Treffen für den gegenseitigen Austausch. Leider konnte ich bisher noch nicht teilnehmen, aber nächstes Mal habe ich es fest vor. Zusammengefasst: Das Stipendium besteht also aus der finanziellen Förderung und dem Kontakt zu anderen Stipendiaten.

Was bedeutet es für Dich, dass Du Stipendiat der Dornier-Stiftung warst?

Für mich bedeutet es, zu helfen, etwas weiterzugeben von dem, was man gelernt hat. Denn als Stipendiat bist du dir bewusst, dass du sehr gut gefördert wirst.

Das Internatsleben ist zudem sehr dynamisch, du bist von rund 300 kreativen Leute umgeben. Viele davon setzen sich für andere ein, z. B. bei Amnesty International. Man kann sich auch selbst einbringen, indem man sich in einer AG beteiligt – ich bot eine Mathematik-AG an – oder Nachhilfe gibt.

Musstest Du sehr gute Noten haben, um von der Landesschule Pforta angenommen zu werden?

Man sollte schon sehr gute Noten mitbringen. Es kommen 26 Schüler in eine Klasse und für eine Klasse gibt es ca. 60 Bewerber. Deine Noten werden in die Aufnahmeprüfung eingerechnet.

Wer aber das Stipendium der Dornier Stiftung erhält, hat schon einmal sehr gute Chancen in der Schule aufgenommen zu werden. Ich habe mich damals gleichzeitig für die Schule und für das Stipendium beworben.

Welche Erwartungen stellt die Dornier Stiftung an Dich?

Die Stiftung erwartet, dass man weiterhin gute Leistungen erbringt. Außerdem verfasst man Jahresberichte. Darin steht zum Beispiel die akademische Laufbahn des vergangenen Jahres und man schreibt außerdem etwas über die Internatsgemeinschaft. Das ist so ungefähr ist die inhaltliche Struktur eines Jahresberichtes.

Welche Ziele verfolgt die Stiftung?

Die Stiftung fördert begabte Schüler, die sich auch sozial engagieren und einbringen. Auf der Homepage steht ein Zitat von Silvius Dornier: „Ziel ist es, ihnen eine umfassende Bildung zu vermitteln und sie in die Lage zu versetzen, die Gesellschaft von morgen aktiv mitzugestalten und Verantwortung zu übernehmen.“

Wie engagierst Du Dich?

Ich bin nicht einer, der einem Verein beitritt. Ich möchte schnell direkt helfen. Ich mache daher eher kleine Sachen auf eigene Faust – gebe zum Beispiel Nachhilfe oder stelle meine schriftlichen Unterlagen anderen zur Verfügung oder helfe bei organisatorischen Angelegenheiten.

Gibt es eine Altersgrenze für das Stipendium?

Das hängt von den Aufnahmebedingungen der Schulen ab. Diese sollte man sich im Internet gut anschauen. Für die Landesschule Pforta beispielsweise bewirbt man sich in der 8. Klasse. 

Wie funktioniert die Bewerbung? Bist Du mit der Zusage zum Stipendium automatisch auf Dein Wunschgymnasium gekommen?

Die Fristen für die Bewerbung stehen auf der Website. In der Regel dreht es sich um Mitte Februar.

Du reichst zwei Zeugniskopien und einen handschriftlichen Lebenslauf ein. Dazu verfasst man noch ein Bewerbungsanschreiben, darin steht der Grund für die finanzielle Förderung und warum man sich für dieses Stipendium interessiert. Parallel bewirbt man sich noch für das Wunschgymnasium.

Wenn man nach der Bewerbung eingeladen wird, gibt es einen Brief für die Auswahltagung. Die ist von aktuellen Stipendiaten organisiert. Ich bin zum Birklehof, Baden-Württemberg, gefahren. Für jede Schule waren damals acht Bewerber anwesend.

Wie verlief Dein Auswahlverfahren für das Stipendium?
(Dauer/Ablauf/Auswahlgespräche/Probleme)

Ich habe das Auswahlverfahren von beiden Seiten miterlebt - als Bewerber und als Helfer. Es dreht sich viel ums Teamwork, darum, Ideen zu entwickeln und umzusetzen.

In meiner Auswahltagung hatten wir am ersten Tag 8 Stunden Zeit, um ein Theaterstück aufzuführen, dass wir zum Thema „Märchen in einer anderen Zeit und/oder Kontinent“ entwickelt haben. Währenddessen wurden wir von den Schülerassistenten und der Auswahlkommission beobachtet.

Ist es nicht schwierig, wenn Dir immer jemand über die Schulter schaut?

Irgendwann bekommt man das gar nicht mehr mit. Du bist ja mit den anderen Bewerbern im regen Austausch.

Der zweite Tag besteht aus Aufgaben, es gibt z. B. sportliche Aufgaben und wir mussten Rätsel im Team lösen und konnten dabei ganz kreativ vorgehen. Wir haben außerdem eine Weltverbessungsmaschine gebastelt – wir haben dafür Ideen gesammelt und Ideen verworfen.

Daneben führen alle Bewerber zwei Gespräche. Eines mit dem Rektor des Wunschgymnasiums und eines mit dem Rektor einer der anderen Schulen. Ich glaube nach der Auswahltagung bekam ich so nach 4 Wochen die Zusage. In der Regel kommt die je nach Schule, für die man sich beworben hat, circa nach 1 bis 4 Wochen.

Worüber spricht man in so einem Gespräch?

Der Rektor möchte die Bewerber kennenlernen – wer bewirbt sich auf den Schulplatz. Wir haben über meinen Lebenslauf geredet und warum ich mich für genau diese Schule interessiere.

Was sollten interessierte Schülerinnen und Schüler bei der Bewerbung beachten?

Man sollte nicht zimperlich sein und sich helfen lassen. Meine Deutschlehrerin hat mich bei meiner Bewerbung unterstützt. Man hat ja noch nie eine Bewerbung oder einen Lebenslauf für so etwas geschrieben.

Wie sieht Deiner Meinung nach eine erfolgreiche Bewerbung aus?

Du solltest auf jeden Fall ehrlich sein und Dich bei Deiner Bewerbung nicht verstellen oder etwas vorgaukeln, was Du nicht bist.

Ich habe in den Gesprächen von dem erzählt, was mir in den Sinn gekommen ist, und das ist gut gelaufen.

Was möchtest Du zukünftigen BewerberInnen mit auf den Weg geben?

Auf jeden Fall solltest Du Dich auf das Stipendium bewerben. Es hat seinen Grund, wenn Du Dich für eines der Internatsgymnasien interessierst. Einige schreckt ein Internat ab, andere zieht es an. Man verbringt vier Jahre mit seinen Mitschülern an einem Ort, das ist eine tolle Erfahrung. Ich möchte Dich zu diesem Schritt ermutigen.

Wenn Du nur einen Gedanken an eine Bewerbung verschwendest, dann ziehe das durch. Du weißt nämlich, dass sich Deine Eltern das Internat eigentlich nicht leisten können. Am Ende profitierst Du davon.

Wir sind schon am Ende des Interviews. Wie sehen denn Deine nächsten Schritte nach dem Internatsleben aus?

Ich studiere jetzt Mathematik an der Universität Bonn und gehöre damit zu den Ersten in meiner Familie, die studieren. Ich bin quasi von einem Stipendium ins nächste Stipendium gerutscht. Unterstützt werde ich von der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Außerdem arbeite ich jetzt bei einer Online-Kinderlernplattform.

(Interview: Februar 2013)