Grips gewinnt

Daniel LuckymanName: Daniel Luckyman
Alter: 17 Jahre
Schule: Schulzentrum der Sekundarstufe II an der Bördestraße
Stipendium: www.grips-stipendium.de
(Stipendium der Joachim Herz Stiftung und Robert Bosch Stiftung)

Logo grips gewinnt

Wie bist Du auf die Idee gekommen, Dich für das Schülerstipendium „grips gewinnt“ zu bewerben?

Diese Frage habe ich mir im Vorfeld zu unserem Gespräch ebenfalls gestellt. Auf den Gedanken, mich um das Stipendium zu bewerben, hat mich mein Opa gebracht. Er hat eine Anzeige von „grips gewinnt“ gelesen. Das passe doch gut auf meine Situation, sagte er. Denn ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht, was ich nach dem Abi tun soll. Da kommt schon Angst auf. Ich brauchte Hilfe bei den kommenden Entscheidungen. Also, die Inspiration habe ich von meinem Opa, der mich wirklich unterstützt, wo es nur geht.

Was bedeutet es für Dich, Stipendiat zu sein?

Ich bin sehr stolz darauf und ich bin dankbar für die Möglichkeiten. Ich erhalte extrem viel Halt durch meine Betreuerinnen. Es gibt mir die Sicherheit zu wissen, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Auf der anderen Seite ist das Stipendium ein Privileg. Es ist ein Ausgleich für gewisse Benachteiligungen, denn ich profitiere von den Erfahrungen anderer. Wenn ich mich um einen Studienplatz bewerbe, kann ich nicht auf die Erfahrungen meiner Mutter zurückgreifen, daher ist die externe Beratung gut. Außerdem hilft mir das Stipendium sehr, herauszufinden, was ich will. Und zwar nicht nur beruflich betrachtet, sondern auch allgemein im Leben. Man hat einfach die Möglichkeit „auszuprobieren“ und das ist mir sehr wichtig, denn um zu wissen, was ich will, muss ich ja auch erstmal wissen, was ich nicht will.

Möchtest Du denn nach der Schule ein Studium beginnen?

Die Unsicherheit, wie es nach dem Abi weitergehen soll, bestand eine lange Zeit. Ich habe über ein Fußball-Stipendium in den USA nachgedacht. Inzwischen bin ich mir aber sehr sicher, ein Duales Studium an der HIWL (Hochschule für Internationale Wirtschaft und Logistik) Bremen anzufangen als Einstieg ins Berufsleben. Trotzdem informiere ich mich weiterhin über die verschiedenen Möglichkeiten, die mir so offen stehen.

Auf welche Weise wirst Du durch das Stipendium der Joachim Herz Stiftung und der Robert Bosch Stiftung gefördert?

Das Stipendium besteht aus drei Teilen: Der persönlichen Beratung, einem gemeinsamen Bildungsprogramm und finanzieller Unterstützung.

Ich werde durch die intensive und individuelle Betreuung der Coaches gefördert. Es ist ein tolles Gefühl, zu wissen, dass die Menschen auf der anderen Seite sich wirklich Gedanken um mich machen und mir immer wieder neue Anregungen geben. Es gibt Bildungsseminare zu bestimmten Themen, wie zum Beispiel Rhetorik, Sprache, Gestik und Mimik. Das ist für mich in der Abi-Klasse wichtig, vor allem für meine mündlichen Prüfungen. Ziemlich gut beraten wurde ich auch durch das Berufscoaching. Außerdem reden wir viel in der Gruppe und interessieren uns für viele verschiedene Gebiete (Sport, Technik, Psychologie, Naturwissenschaften). Dadurch kommt es oft zu sehr interessanten Gesprächen.

Zudem gibt es eine finanzielle Unterstützung in Höhe von 150 Euro im Monat für Bücher, Schulmaterial oder Schulausflüge. Außerdem gibt es Spezialförderungen, zum Beispiel für einen Laptop oder die Möglichkeit, einen Zuschuss zu beantragen für eine Sprachreise.

Was gefällt Dir besonders an der ideellen Förderung?

Ich bin vor allem dankbar für die Gespräche über die Zeit nach dem Abitur. Ich stehe viel im Mailkontakt mit unseren Koordinatoren. Sie gehen individuell auf mich ein und kümmern sich, wenn ich Fragen habe.

Was sagt Dein Opa, was sagen Deine Eltern zum Stipendium?

Mein Opa ist stolz auf meine Leistungen, auch wenn er natürlich will, dass ich immer besser werde. Und meine Eltern wollen nur das Beste für mich. Sie schränken mich nicht ein, sondern sind sehr zufrieden mit dem, was ich mache. Ich kann mein Potenzial ausschöpfen.

Welche Erwartungen werden an Dich als Stipendiat herangetragen? (z.B. soziales Engagement)

Es ist schon so, dass wir schulisch auf unserem Niveau und auch außerschulisch am Ball bleiben sollten. Dabei wird aber kein Druck auf uns ausgeübt. Vertrauen wird bei uns auch sehr groß geschrieben. Wir werden nicht permanent kontrolliert oder so etwas und wir sind uns unserer Verantwortung trotzdem bewusst.

Ich bin in der Schülervertretung und auch Profilsprecher in meinem BWL-Profil, sezte mich also gerne für meine Mitschüler ein. Außerdem bin ich sehr aktiv in meinem Fußballverein. Andere Stipendiaten sind musikalisch aktiv oder arbeiten bei der Freiwilligen Feuerwehr.

Musstest Du bei Deiner Bewerbung bereits wissen, was Du später beruflich machen möchtest?

Du musst auf keinen Fall wissen, was Du später machen möchtest. Die Förderung ist dazu da, dass wir den für uns jeweils richtigen Weg finden.

Welche Ziele verfolgen die Joachim Herz Stiftung und die Robert Bosch Stiftung mit dem Stipendium „grips gewinnt“?

Der Bildungsaspekt und die Chancengerechtigkeit stehen im Vordergrund. Das Stipendium von „grips gewinnt“ dient dazu, dass wir uns individuell weiterentwickeln. Ziel ist es, die Stipendiatinnen und Stipendiaten auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu begleiten. Wir unterstützen uns dabei auch gegenseitig, lernen unsere Stärken und Schwächen kennen. Am Ende sind wir dann gerüstet für Ausbildung, Studium oder Berufsleben und wissen, was wir wollen.

Ab welchem Schuljahr kann man sich bewerben?

Du kannst Dich schon ab der 7. Klasse bewerben, gefördert wird ab der 8. Klasse. Das finde ich richtig gut. In dieser Zeit kannst Du echt viel bewerkstelligen!

Ich habe mich in der 12. Klasse relativ spät beworben, es muss Mitte April 2011 gewesen sein. Ich bin also ein Extremfall, was aber nichts Schlechtes ist, denn wir Älteren übernehmen durchaus die Verantwortung für die jüngeren Stipendiaten und können sie auch an unseren Lebenserfahrungen teilhaben lassen. Jetzt bin ich in der 13. Klasse und Ende April bis Anfang Mai werden dann die Abiturprüfungen abgelegt, so schnell verging die Zeit...

Wie verlief Dein Auswahlverfahren für das Stipendium? (Dauer/Ablauf/Auswahlgespräche/Probleme)

Ich habe zuerst die Anzeige gesehen und musste mich dann beeilen, da ich mich eigentlich nur bis Mitte April anmelden konnte. Dazu musste ich noch ein Motivationsschreiben verfassen: Wer bin ich? Was zeichnet mich aus? Dazu kam dann noch eine schriftliche Beurteilung eines Lehrers und einige Informationen über die familiäre und finanzielle Situation.

Im Sommer wurde ich dann zum Auswahlgespräch nach Hamburg eingeladen. Ein guter Freund von mir ist als Unterstützung mitgekommen. Das Gespräch war offen und nett, da fühlte ich mich gleich gut aufgehoben, obwohl ich vorher natürlich verdammt aufgeregt war. Die zwei Juroren wollten in lockerer Atmosphäre wissen, wer ich bin. Es ging unter anderem um mein Engagement im Fußballverein und in der Schule und um meine zielstrebige Einstellung, die mich von vielen anderen unterscheidet.

Im August war der Freudensprung dann nicht zu vermeiden, denn da kam der Brief, dass ich angenommen werde. Der Aufwand hat sich gelohnt! Die erste finanzielle Unterstützung erfolgte im September und bald darauf begann das erste Bildungsseminar. Die Seminare werden von unseren Coachs organisiert. Auf die Seminare freuen wir uns alle immer, weil sich dann alle wiedersehen und austauschen können. Außerdem können wir unsere Vorstellungen mit einbringen. Diese Seminare finden immer an Wochenenden statt.

Wie klappt das alles zeitlich für Dich?

Ich bin so ein Typ, der kann nicht schlafen bevor alles erledigt ist. Ich bin sportverrückt und komme deswegen erst abends zu meinen Hausaufgaben. Trotzdem arbeite ich so lange daran, bis ich alles verstanden habe, denn das ist für gute Noten die halbe Miete. Alles zeitlich hinzubekommen, ist eine Einstellungssache. Was man will, erreicht man auch.

Wie sieht Deiner Meinung nach eine erfolgreiche Bewerbung aus?

Man muss die Juroren schon davon überzeugen, etwas Besonderes zu sein. Und man muss sie davon überzeugen, dass man das Stipendium verdient hat. Mach Dir Gedanken über Dein Leben, sei außerschulisch aktiv und engagiert und überzeuge die Jury einfach. Gute Voraussetzungen sind Charakterstärke und Ehrlichkeit.

Im Motivationsschreiben solltest Du zeigen, dass Du Deine Zeit sinnvoll nutzt, Dich sozial oder auf andere Weise engagierst. Zeig, dass Du Vorstellungen hast und dass es Sinn macht, Dich zu fördern.

Möchtest Du zukünftigen Bewerbern oder generell Schülerinnen und Schülern, deren Eltern nicht studiert haben, noch etwas mit auf den Weg geben?

Ich würde sagen: Der Aufwand lohnt sich! Ich kann nur raten, bewirb Dich, es kann nicht schaden. Und ganz allgemein: Lass Dich nicht von äußeren Einflüssen abbringen. Meine Eltern haben nicht studiert und trotzdem werde ich bald dual studieren. Deine Einstellung ist wirklich wichtig, halte an Deinem Weg fest. Irgendwie sehe ich mich auch als Botschafter und Repräsentant für die Tatsache, dass man auch etwas erreichen kann, wenn die Eltern nicht studiert oder einen hohen Bildungsabschluss haben.

Haben wir noch eine wichtige Frage vergessen?

Das Stipendium ist nichts Unpersönliches. Wir wachsen als Gruppe zusammen und schließlich kommt das Gefühl auf, dass die anderen ein Teil Deines Lebens sind. Es ist wirklich toll und man fühlt sich geborgen. Ich bin glücklich, ein Teil dieses Projekts zu sein!

(Interview: Februar 2012)