Studieren in Großbritannien

The University of Edinburgh: Briefkasten Studieren im Vereinigten Königreich ist reizvoll – allein schon durch die Sprache. Im Folgenden findest du Informationen rund um Großbritannien. Außerdem kannst du dich auch auf den Seiten des British Council und unter Studieren in England umschauen. Wichtig: Informiere dich frühzeitig! Außerdem entfallen in Schottland für EU-Bürger die Studiengebühren, weil sie von der schottischen Regierung übernommen werden. Die zuständige Behörde ist die Student Awards Agency for Scotland: www.saas.gov.uk.

Unser Mentor Felix studierte in Glasgow und hat kurze Checkliste zusammengetragen. Außerdem haben wir haben ein Interview mit Christoph und Christian geführt, die in London und Oxford studiert haben.

Übersicht

Bewerben über UCAS
Kurswahl
Bewerbung
Motivationsschreiben und Empfehlungen
Sprachtest
Interview zum Thema: Studieren in Großbritannien

Bewerben über UCAS

Für Unis im Vereinigten Königreich bewirbst du dich über das Onlinebewerbungssystem UCAS (Universities & Colleges Admissions Service). Du meldest dich auf UCAS an und bekommt einen Zugangscode zu deinem persönlichen Bewerbungsbereich. Danach musst du die üblichen persönlichen Daten angeben und deinen Bildungshintergrund beschreiben. Schreib ruhig „Allgemeine Hochschulreife“ oder „Abitur“ – UCAS erhält viele Bewerbungen aus Deutschland und diese Begriffe sind bekannt. Es gibt auch eine Broschüre mit den ersten Schritten und Terminen auf Deutsch. 

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Kurswahl

Der nächste Schritt ist die Studienwahl (courses). Du kannst dich insgesamt bei fünf Universitäten gleichzeitig bewerben. Es lohnt sich, diese Zahl auszureizen, um die Chancen auf einen Platz zu erhöhen. Es gibt Einschränkungen für Medizin / Zahnmedizin / Veterinärmedizin, dort sind insgesamt nur vier Kurse erlaubt. Auch darfst du dich nicht in Oxford und in Cambridge gleichzeitig bewerben, sondern musst dich für eine der beiden Unis entscheiden.

Für beide Einschränkungen gilt, dass man übriggebliebene Plätze mit Kursen von anderen Unis / nicht-medizinischen Kursen auffüllen kann. Außer dem Hinzufügen von zusätzlichen Kursen sind nachträgliche Änderungen nach dem Abschicken nicht möglich. Wenn du dich in Oxford oder Cambridge bewirbst, verschiebt sich die Bewerbungsfrist für Kurse an allen anderen Unis vom 15. Januar vor auf den 15. Oktober, weil du eben nur eine Bewerbung abschicken kannst.

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Bewerbung

Alle angebotenen Kurse findest du auch unter der Kurssuche (course search) auf UCAS. Dort kannst du nach Landesteilen, Studiengängen etc. suchen. Mach dir keine Gedanken über die Voraussetzungen (requirements), die dort für die verschiedenen britischen Schulabschlüsse (A-Levels, Highers etc.) angegeben werden. Du kannst sie nicht mit dem deutschen Abitur vergleichen. Die Unis wissen aber, was sie von deutschen AbiturientInnen erwarten können und gestalten dementsprechend auch ihr Angebot (offer). Das Angebot ist eine Art Studienplatzzusage. Diese kommt zunächst per E-Mail und später schriftlich. Es gibt drei Möglichkeiten:

1.) kein Angebot (no offer),
2.) beschränktes Angebot (conditional offer),
3.) unbeschränktes Angebot (unconditional offer).

Beschränktes Angebot bedeutet, dass du entweder einen bestimmten Notenschnitt erreichen musst und/oder einen Sprachtest (später mehr) und/oder ein Interview machen musst (nur im Fall von Oxford und Cambridge und bei Medizin / Zahnmedizin / Veterinärmedizin).

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Motivationsschreiben und Empfehlungen

Nachdem du das oben Beschriebene alles angegeben hast, musst du in die Tasten hauen. UCAS verlangt ein maximal 4000 Zeichen (ungefähr eine dreiviertel Seite) langes Motivationsschreiben auf Englisch. Denke daran, dass das an alle Universitäten geht, bei denen du dich bewirbst. Schreib' also nicht, dass dir der Campus in der ländlichen Umgebung so gut gefällt, wenn du dich gleichzeitig für eine Uni in London bewirbst.

Weiterhin brauchst du eine Empfehlung (recommendation). Frage am besten deine/n Englischlehrer/in (wegen der Einschätzung deiner Sprachkenntnisse) oder eine/n andere/n Lehrer/in, die/der dich gut kennt. Bitte, die Empfehlung eher positiv zu schreiben und keine deutsche Zurückhaltung an den Tag zu legen. In Deutschland wird zurückhaltenden Empfehlungen besondere Glaubwürdigkeit unterstellt, in Großbritannien gelten sie als schwach. Schließlich musst du vor dem Abschicken noch die Bewerbungsgebühr zahlen und dann bist du erst einmal fertig.

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Sprachtest

Zum Thema Sprachtest: Jede Uni hat auf ihrer Website oder im Kursbuch Angaben, wie viele Punkte du in möglicherweise verlangten Sprachtests erreichen musst. Es werden in der Regel drei Tests anerkannt: Cambridge Certificate, IELTS und TOEFL. Welchen du letztendlich machst, hängt davon ab, welchen Test die Uni im beschränkten Angebot verlangt. Es macht keinen Sinn, schon vor den Angeboten diese Tests zu machen, weil relativ hohe Prüfungsgebühren verlangt werden und man unter Umständen zur nächstgrößeren Stadt in ein Testzentrum fahren muss.

An sich sind diese Tests wirklich nicht schwer. Du solltest dich aber mit der Art des Testsverfahrens vertraut machen und Beispielaufgaben lösen, um nicht während des Tests die Aufgabenstellung falsch zu interpretieren oder Zeit zu verlieren. Vorbereitungsbücher gibt es in jeder Buchhandlung.

Studieren in UK ist einfach nur toll. Der ganze Bewerbungsprozess ist halb so wild, lass' dich davon nicht abschrecken.

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Interview zum Thema: Studieren in Großbritannien

University of London Foto: privatUnsere Ehrenamtlichen Christian und Christoph haben den Schritt gewagt und sich für ein Auslandsstudium in Großbritannien entschieden. Wir haben mit ihnen über das Studieren auf der Insel gesprochen.

Ihr beide seid für euer Studium nach Großbritannien gegangen. Welches Studienangebot habt ihr genutzt?

Christoph: Ich bin gerade dabei meinen Ph.D. in Space Policy and Law in London zu machen, d. h. ich bin derzeit Doktorand. Ph.D. ist der englische Name für den Doktortitel. Nach meinem Studienabschluss in Deutschland habe ich online nach Themen und Aufgabengebieten gesucht und mich letztendlich initiativ auf ein Promotionsprogramm in London beworben, denn es bot für mich das beste Gesamtpaket.

Christian: Ich habe in Oxford den Master of Studies in Modern History & Political Thought absolviert und später in Cambridge als Post-Doc, die Phase nach der Doktorarbeit, gearbeitet. Inzwischen arbeite ich als Associate Professor/ Senior Lecturer an der University of Nottingham (Ningbo Campus).

Wie funktioniert das Bewerbungsverfahren in Großbritannien?

    Christoph: Jede Uni hat ihr eigenes Bewerbungsverfahren für ihre Ph.D.-Programme. Daher kommt es darauf an, worauf und wo du dich bewirbst. Die Uni macht dir nach deiner erfolgreichen Bewerbung ein conditional (beschränktes Angebot) oder ein unconditional offer (unbeschränktes Angebot). Im ersten Fall, was keine Seltenheit ist, musst du noch gewisse zusätzliche Voraussetzungen für den Studienplatz oder Leistungen während des Studiums erbringen.

    Christian: Für den Master läuft es so ähnlich, dabei ist es meistens ein conditional offer. Du musst also beispielsweise eine bestimmte Abschlussnote im Abitur oder im Bachelorstudium erreichen. Die Noten sind nicht unerheblich. Die Studienplatzvergabe erfolgt für das Studium über das Onlinebewerbungssystem UCAS (Universities & Colleges Admissions Service). Es funktioniert ungefähr so wie Christoph es bereits für die Ph.D.-Programme beschrieben hat. Du bewirbst dich initiativ auf Master-Programme, wobei jede Universität ihr eigenes Aufnahmeverfahren hat. Besonders wichtig sind hier neben den Studiennoten die Gutachten und das Motivationsschreiben.

    Wann sollten Schüler, Schülerinnen bzw. bereits Studierende mit der Studienplanung beginnen?

    Christian: Die Studienplanung dauert ein gutes Jahr – vielleicht sogar noch ein bisschen länger. Wer also im nächsten Jahr in Großbritannien studieren möchte, sollte sich bereits im Sommer darüber Gedanken machen, sonst laufen eventuelle Fristen ab.

    Christoph: Dies kann ich auf Basis meiner eigenen Erfahrungen mit der Promotion bestätigen. Es hat bei mir mehr als ein Jahr von der Idee des Forschungsvorhabens bis zur Studienplatzzusage und der Suche einer geeigneten Wohnung in London gedauert. Wer in England promovieren will, für den kann es übrigens sehr hilfreich sein, Profs direkt auf das Vorhaben anzusprechen und entsprechende Kontakte von den Dozentinnen und Dozenten in Deutschland zu nutzen. Wer sehr spezielle Studienfächer absolvieren möchte, etwa die nicht an den eigenen Studienschwerpunkt anschließen, sollte gegebenenfalls mit einer Vorbereitung von bis zu zwei Jahren rechnen.

    Christian: Die Fristen können wirklich lang sein, die Studienvergabe über UCAS muss eingeplant werden und für Oxford und Cambridge endet die Bewerbungsfrist drei Monate früher.

    Wie funktioniert das Studiensystem? Habt ihr euch schnell zurecht gefunden?

    Christian: Das Studiensystem in England habe ich als leichter empfunden als das deutsche Studiensystem. Es gibt genau wie in Deutschland Vorlesungen, Seminare und Sprechstunden, allerdings ist das Semester kürzer. Die Seminare sind zudem nicht so voll und dadurch ist es einfacher, sich zurechtzufinden. Dafür steigt aber auch der Druck, der Arbeitsaufwand und die Kontrolle. Man geht nicht passiv durch das Seminar. Die Betreuung ist intensiver und die Orientierung besser.

      Christoph: Leute, die ich kenne sagen, dass der Aufwand im Masterprogramm immens und nicht zu unterschätzen ist. Es gibt nicht viele Freiheiten für Aktivitäten neben der Universität, z. B. Zeit zum Jobben.

      Wie sieht es mit Englisch aus?

      Christoph: Man sollte Englisch beherrschen, bevor man nach England kommt. Aber es ist nicht selten, sich für die Abschlussarbeiten Hilfe zu suchen. In akademischem Englisch eine Doktorarbeit zu verfassen, das ist eine echte Herausforderung, denn es gibt so viele grammatikalische Feinheiten zu beachten. Du darfst mich aber nicht falsch verstehen, Englisch zu sprechen und andere zu verstehen, das funktioniert in der Regel ganz schnell.

      Christian: Ich habe mich privat mit Vorbereitungsbüchern auf den TOEFL Test vorbereitet, aber es gibt zum Beispiel an den deutschen Unis auch Sprachkurse. Generell sollte dein Englischniveau aber schon gut sein. Allerdings bereiten Kurse und Sprachtests dich nicht auf das vor, was dich dort erwartet. Eine sprachliche Hürde sind Hausarbeiten, Essays, Examina oder letztlich die Bachelor- oder Masterarbeit, aber alles ist trotzdem auf jeden Fall machbar! Nach einem Jahr Studium und Leben im UK hast du schon ein ganz anderes Sprachgefühl. Wichtig ist, dass du ständig am Ball bleibst und übst. Da es viele deutsche Studierende in Großbritannien gibt, ist das gar nicht so leicht. Nicht ständig mit deutschen Kommilitonen zusammenzusitzen, bringt dir aber viel Übung für dein Sprachgefühl.

      Möchtet ihr zukünftigen Studierenden für ihren Auslandsaufenthalt noch einen Rat geben?

      Londoner TelefonzelleChristoph: Wenn ihr die Chance habt und es finanziell hinbekommt, dann kann ich einen Studienaufenthalt in Großbritannien nur empfehlen. Wenn ihr ein Stipendium braucht, bewerbt euch frühzeitig. Es gibt viele Angebote, jedoch ist die Vorlaufzeit teils sehr lange.

      Wenn ihr dann im Lande seid, versucht die Zeit trotz eines intensiven Studienplans zu genießen. London, zum Beispiel, ist unglaublich international und bietet vielfältige Möglichkeiten, seinen Interessen nachzugehen. Und was ich letztendlich noch als einen sehr wichtigen Punkt für den interkulturellen Austausch halte, lebt – egal wohin es euch verschlagen sollte – nach dem Satz: „When in Rome, do as the Romans do.“ Es ist ein schönes Gefühl für einen Einheimischen gehalten zu werden.

      Christian: Ich kann mich Christoph nur anschließen. Wenn ihr die Chance habt, dann ist ein Studienaufenthalt in Großbritannien ein großer persönlicher und akademischer Gewinn. Wichtig ist, was ihr persönlich daraus macht. Prinzipiell ist es hilfreich, sich auch in Großbritannien über das akademische Ansehen eurer Hochschule zu erkundigen. Wenn ihr die Möglichkeit habt, an einer Universität der sog. Russell-Group (die „Premier League“ der Hochschulen) zu studieren, bringt euch das auch im Lebenslauf für die Zukunft einen großen Bonus. Darüber hinaus kann ich persönlich nur empfehlen, das diverse kulturelle Angebot in England und an deiner Universität – soweit es die Zeit erlaubt – zu nutzen und neben dem Studium auch Land und Leute intensiv kennenzulernen.

      (Stand: April 2016)

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      Weitere Erfahrungsberichte