Studienstiftung des deutschen Volkes

Stipendiatin der Studienstiftung: Lena (Foto: privat)

Name: Lena Balitzki
Alter: 23 Jahre
Studiengang: Humanmedizin
Semester: 7. Semester
Hochschule: Westfälische-Wilhelms-Universität Münster  

Förderwerk: www.studienstiftung.de
(Die Studienstiftung ist politisch, konfessionell und weltanschaulich neutral.)

Logo der Studienstiftung des deutschen Volkes mit Link auf die Homepage der Stiftung

Wie bist du auf die Idee gekommen, dich bei der Studienstiftung des deutschen Volkes zu bewerben?
Auf dem Hochschultag 2013 in Bochum traf ich auf den Stand von ArbeiterKind.de und wollte mich eigentlich über Bochum informieren, da ich mir nicht vorstellen konnte, wie ich das Studium in Münster finanziell stemmen könnte aufgrund der weiten Entfernung meines Heimatorts und des damit folgenden Umzugs aus meinem Elternhaus. Ein Gruppenmitglied ermutigte mich dennoch, meine Schule zu fragen, ob sie Schüler für die Studienstiftung vorschlägt. Ich nahm Kontakt mit meiner Stufenleitung auf, führte ein kurzes Gespräch und meine Stufenleitung schlug mich vor, auch wenn manchmal der Vorschlag seitens der Schule oft ohne Kenntnis der Schüler erfolgt.
Wie wirst du durch dein Stipendium gefördert?
Die Förderung der Studienstiftung ist ähnlich zu den anderen großen Begabtenförderungswerken und setzt sich aus der finanziellen und ideellen Förderung zusammen. Zunächst erleichtert natürlich die finanzielle Entlastung, aber nach fast drei Jahren Studium lernte ich die ideelle Förderung mindestens genauso zu schätzen! Die Studienstiftung bietet Sprachkurse, sogenannte Sommerakademien und verschiedene Kurztagungen zu sehr breit gefächerten Themen an, aber auch Freizeitaktivitäten – deutschlandweit oder an der eigenen Hochschule – kommen nicht zu kurz.
Ist die Höhe deines Stipendiums abhängig vom Einkommen deiner Eltern? Was ist, wenn Eltern „zu viel“ verdienen?
Man bekommt im Monat mindestens 300 Euro als sogenannte Studienkostenpauschale, unabhängig von sonstigen Umständen wie etwa dem Elterneinkommen. Einmal im Jahr gibt es einen Stipendienberechnungsbogen, in dem auch weitere Einkünfte erfasst werden und sich so die gesamte Höhe des Stipendiums ergibt. Die maximale Höhe beträgt dabei 949 Euro.
Welche Erwartungen stellt die Studienstiftung des deutschen Volkes an dich als Stipendiatin?
Es gibt keine richtigen Verpflichtungen für die Stipendiaten der Studienstiftung im Sinne von verpflichtenden Veranstaltungen. Allerdings wird erwartet, dass sich Stipendiaten, in welcher Form auch immer, mit ihrer Persönlichkeit, ihren Kompetenzen und ihrem Engagement für die Gesellschaft einsetzen.
Außerdem kann man sich als Stipendiatin oder Stipendiat selbst aktiv ins Bildungsprogramm einbringen und zum Beispiel Veranstaltungen organisieren sowohl im kleineren Rahmen innerhalb des Hochschulstandorts, als auch im größeren Rahmen als mehrtägige Seminare und Exkursionen in Deutschland und darüber hinaus.
Was bedeutet es für dich, eine Stipendiatin zu sein?
Die Studienstiftung ermöglicht mir viele Dinge, die ich sonst nicht so einfach erreicht hätte. Durch die finanzielle Unabhängigkeit kann ich weiterhin meinen ehrenamtlichen Tätigkeiten nachgehen, da ich mich nicht mit Nebenjobs über Wasser halten muss. Außerdem erhalte ich auch Unterstützung für Auslandssemester oder Auslandspraktika.
Durch die Vielzahl von Veranstaltungen habe ich viele andere Stipendiaten kennengelernt und Freunde gefunden und habe auch außerhalb meines Fachbereichs gute Verbindungen zu interessanten und sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten aufbauen können.
Welche Ziele verfolgt die Studienstiftung des deutschen Volkes?
Die Studienstiftung ist weder politisch, noch religiös geprägt, sodass sie eine „neutrale“ Haltung einnimmt, natürlich im Rahmen der demokratischen Grundordnung. Sie unterstützt junge Persönlichkeiten darin, ihr Wissen, ihr Engagement und ihre Leistungsfähigkeit in die Gesellschaft einzubringen, sodass sie der Gesamtheit zu Gute kommen können.
Wie verlief dein Auswahlverfahren bei der Studienstiftung? (Dauer/ Ablauf/ Auswahlgespräche/ Herausforderungen)
Nach der schriftlichen Benachrichtigung, dass man zum Bewerbungsprozess zugelassen ist, musste man ein kurzes Formular über die Eckdaten seiner Biografie ausfüllen und einen ausformulierten Lebenslauf (etwa zwei bis drei Seiten) verfassen, der dem Entscheidungskomitee als eine Grundlage für das Auswahlwochenende dient.
Anschließend bekommt man einen Brief, in dem man die Daten zum eigentlichen Wochenende erhält. Als Vorbereitung muss man nur ein kurzes Referat (unter zehn Minuten) zu einem Thema, das einem völlig selbst überlassen ist, halten und anschließend eine kleine Diskussion leiten. Zusätzlich finden noch zwei Einzelgespräche statt, in denen es einerseits um den eigenen Lebenslauf, andererseits aber auch um allgemeine Themen aus fachlichen und außerfachlichen Bereichen gehen kann. Nach dem Wochenende bekommt man schließlich die Entscheidung per Brief mitgeteilt.
Ab welchem Schuljahr/Semester kann man sich bewerben?
Der klassische Weg läuft über den sogenannten Schulvorschlag, bei dem die Schule Abiturienten zur Bewerbung vorschlägt. Man kann den Vorschlag aber auch für ein Jahr zurückstellen, wenn man, wie es auch bei mir der Fall war, beispielsweise einen Freiwilligendienst absolviert. Während des Studiums kann man durch eine Professorin oder einen Professor sowie durch das Prüfungsamt vorgeschlagen werden. Wer im ersten oder zweiten Semester studiert, kann sich auch einfach selbstbewerben. Auf der Internetseite der Studienstiftung lassen sich genauere Informationen dazu finden.
Was bedeutet es, wenn gesellschaftliches und politisches Engagement verlangt wird? Wie engagierst du dich?
In der Schulzeit fing ich an, mich bei der Hilfsorganisation Arbeiter-Samariter-Bund im Jugendbereich und im Sanitätsdienst zu engagieren, absolvierte anschließend einen Bundesfreiwilligendienst im Rettungsdienst und in der Erste-Hilfe-Ausbildung. Dort bin ich bis heute aktiv und habe darüber hinaus an meinem Studienstandort eine Arbeitsgemeinschaft Notfallmedizin für jüngere Semester aufgebaut und bin dort als Dozentin tätig.
Durch meine damalige Erfahrung mit ArbeiterKind.de beschloss ich nach der Aufnahme in die Studienstiftung, selbst dort aktiv zu werden und schreibe beispielsweise dieses Interview oder bin auf Bildungsmessen unterwegs, um Vorträge zu halten oder als Mentorin tätig zu sein. Diese Aktivitäten übernehme ich beispielweise auch im Rahmen des sogenannten Botschafterprogramms der Studienstiftung. Bei diesem Projekt geht es auch darum, junge Menschen zu motivieren, sich für ein Stipendium zu bewerben. Auch kleinere Projekte wie etwa Vorträge in Seniorenheimen über vergangene Auslandsaufenthalte oder die Mitarbeit beim „Teddybärenkrankenhaus“ als Ärztin für Kuscheltiere gehören dazu.
Nichtsdestotrotz möchte ich betonen, dass man nicht – übertrieben gesprochen – „die Welt retten muss“, um sich für ein Stipendium zu qualifizieren. Auch kleine Dinge wie ehrenamtliche Mitarbeit in einem Nachhilfeprogramm oder in einem Sportverein zählen schon als Engagement!
Wie sieht deiner Meinung nach eine erfolgreiche Bewerbung aus?
Seid authentisch und verfälscht eure Persönlichkeit nicht. Ihr seid das, was ihr erlebt habt und es ist wichtig, im Bewerbungsverfahren ehrlich zu euch selbst und dem Auswahlkomitee zu sein.
Möchtest du Schülerinnen, Schülern und Studierenden – die als Erste in ihrer Familie studieren (wollen) – noch etwas mit auf den Weg geben?
Aus meiner Familie und meinem Bekanntenkreis kannte niemand die Bedeutung eines Stipendiums, selbst meine Stufenleitung sagte mir, dass nie jemand aufgenommen wird. Aber das schlimmste, das passieren kann, ist eine Absage nach einem interessanten Auswahlwochenende. Lasst euch nicht von Zweifeln aus eurer Umgebung davon abhalten, eine motivierte Bewerbung zu verfassen! Vielleicht klappt es auch erst beim zweiten Mal, wie bei einigen meiner Freunde.
(Interview: November 2017)
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