Stiftung der Deutschen Wirtschaft

Stipendiatin Franziska Dirks von der sdw (Foto: privat)Name: Franziska Dirks
Alter: 23 Jahre
Studiengang: Zahnmedizin
Semester: 5. Semester
Universität: Universität Köln

Stiftung: www.sdw.org
(Die Stiftung steht den Arbeitergebern politisch nah.)

Wie bist du auf die Idee gekommen, dich bei der Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw) zu bewerben?
Ich habe im Internet nach Stipendien recherchiert und die unterschiedlichen Förderwerke verglichen. Das Leitbild der Stiftung der Deutschen Wirtschaft „Wir stiften Chancen!“ mit dem Studienförderwerk Klaus Murmann hat mir dabei am meisten zugesagt. Die sdw steht für Bildungsgerechtigkeit und damit für eine chancengerechtere Gesellschaft. Außerdem haben das umfassende Seminar- und Projektangebot sowie das interdisziplinäre Stipendiatennetzwerk mit Kontakt zur Wirtschaft und zu Bildungsinstitutionen mein Interesse geweckt.  
Wie wirst du durch dein Stipendium gefördert?
Zum einen durch finanzielle Unterstützung, zum andern durch die ideelle Förderung. Die StipendiatInnen der sdw organisieren sich in Regionalgruppen in den jeweiligen Hochschulstädten. Die Treffen mit der sdw-Gruppe ermöglichen regelmäßigen Kontakt mit engagierten und aktiven StipendiatInnen aus allen möglichen Fachrichtungen. Durch den neuen Input entstehen neue Projektideen und Freundschaften. Außerdem planen wir mit der Regionalgruppe Besichtigungen von Unternehmen und Institutionen, halten Vorträge oder Treffen uns einfach mal nur zum Stammtisch.
Des Weiteren steht man mit allen StipendiatInnen und den Alumni auch über das Intranet der Stiftung in einem interaktiven Austausch. Über diese Plattform kann man sich zu den zahlreichen Seminaren und Akademien der sdw anmelden. Das Angebot erstreckt sich von Seminaren zu Wirtschafts- und Gesellschaftsthemen über Workshops zu Schlüsselkompetenzen bis zu Unternehmensbesichtigungen und Sport- und Freizeitveranstaltungen. Man hat auch selbst als sdw-Gruppe die Möglichkeit, Seminare anzubieten und zu gestalten. Die sdw-Gruppe Köln hat zum Beispiel zuletzt ein Seminar zum Thema „Mehr Geschlecht als Recht“ angeboten.
Auch für eigene Projekte oder Gründungsideen bekommt gezielte Unterstützung.
Ist die Höhe deines Stipendiums abhängig vom Einkommen deiner Eltern? Was ist, wenn Eltern „zu viel“ verdienen?
Alle StipendiatInnen erhalten eine Studienkostenpauschale von 300 Euro monatlich, unabhängig von dem Gehalt der Eltern. Wenn ein Studierender/ eine Studierende BAföG-förderungsfähig ist, übernimmt die Stiftung der Deutschen Wirtschaft den Betrag und vergibt ihn als Stipendium. Des Weiteren zahlt sie noch einen Familienzuschlag von 155 Euro im Monat und einen Kinderzuschlag von 130 Euro im Monat, je nach familiärer und finanzieller Situation.
Außerdem bietet die sdw eine Auslandsförderung. Sie übernimmt bis zu 10.000 Euro Studiengebühren, zahlt einen monatlichen Auslandzuschlag und Zuschüsse zur Auslandskrankenversicherung. Darüber hinaus wird man bei der Finanzierung notwendiger Sprachkurse unterstützt.  
Welche Erwartungen stellt die Stiftung der Deutschen Wirtschaft an dich als Stipendiatin?
Erwartet werden gute Leistungen in Schule und Studium sowie aktives ehrenamtliches Engagement – zum Beispiel an der Schule, Hochschule, in Vereinen, Initiativen oder Parteien. Außerdem sollte an den Treffen der sdw-Gruppen regelmäßig und aktiv teilgenommen werden. Innerhalb eines Förderjahres wird die Teilnahme an mindestens einem Seminar und innerhalb des Förderungszeitraums an zwei sechstägigen Akademien vorausgesetzt. Wichtig ist generell ein Interesse an gesellschaftlichen Themen, gepaart mit Leistungsbereitschaft und Eigeninitiative.
Was bedeutet es für dich, eine Stipendiatin zu sein?
Gerade für mich als Studierende der Zahnmedizin ist das umfangreiche Seminar- und Projektangebot eine große Bereicherung. In medizinischen Studiengängen ist die Wahl von Integralfächern eher nicht vorgesehen und mir fehlte das wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Bildungsangebot. Als Stipendiatin der Stiftung der Deutschen Wirtschaft habe ich nun die Möglichkeit, aus einem großen Bildungsangebot zu wählen oder mit Unterstützung der Stiftung eigene Projekte auf die Beine zu stellen.
Wie verlief dein Auswahlverfahren bei der sdw? (Dauer/ Ablauf/ Auswahlgespräche/ Herausforderungen)
Der Auswahlverfahren erstreckte sich insgesamt von Mai bis Oktober. Bis Ende Mai musste ich meine Bewerbung abgeben. Die Bewerbung beinhaltete ein Motivationsschreiben und einen tabellarischen Lebenslauf. Darüber hinaus musste ich relevante Zeugnisse und Bescheinigungen wie zum Beispiel Abiturzeugnis, Praktikums- und Arbeitszeugnisse und Studienleistungsbescheinigungen einreichen.
Auf die Bewerbung folgte ein Vorstellungsgespräch am Hochschulort. Es wurde vor allem über die persönliche Motivation, Ziele und Ansichten gesprochen, aber auch über gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Themen.
Anfang Oktober folgte ein zweitägiges Assessment-Center in Berlin. Inhalte der zwei Tage waren ein Einzelgespräch, eine Gruppenarbeit und kleine Präsentationen.
Insgesamt habe ich das komplette Auswahlverfahren als sehr viel entspannter und netter empfunden, als ich erwartet hätte. Zu Beginn des Vorstellungsgesprächs und vor allem vor dem Assessment-Center war ich sehr nervös. Im Endeffekt war die Atmosphäre aber immer sehr freundlich und viel eher darauf bedacht die Bewerberinnen und Bewerber kennenzulernen als abzuprüfen.
(Welche Dokumente für die Bewerbung notwendig sind und wie das Auswahlverfahren genau abläuft, kann auf der Seite der Stiftung der Deutschen Wirtschaft nachgelesen werden.)
Ab welchem Schuljahr/Semester kann man sich bewerben?
Frühster Bewerbungszeitpunkt ist kurz vor dem Studienbeginn. Spätestens aber vier Semester vor Ende der Regelstudienzeit. Bei Nachweis eines geplanten Masters ist der späteste Bewerbungszeitpunkt somit am Ende des Bachelors.
Es wird von den Bewerberinnen und Bewerbern gesellschaftliches Engagement verlangt. Wie engagierst du dich?
Ich persönlich war während der Schule in der Studienvertretung, Hausaufgabenbetreuung sowie in einer außerschulischen Projektgruppe zum Thema Waldschutz in Indien aktiv und absolvierte nach der Schulzeit einen einjährigen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst in St. Margareths Church Hospital in Kasaba, Sambia. Nach meiner Zeit in Sambia habe ich die Ausbildung zur Rettungssanitäterin gemacht und mich ehrenamtlich beim Malteser Hilfsdienst e. V. in der Flüchtlingshilfe und im Rettungsdienst engagiert. Darüber hinaus engagiere ich mich weiterhin in der Organisation „Mundus Eine Welt“, in der wir Projekttage für die Vorbereitung neuer Freiwilliger auf ihren Auslandseinsatz gestalten.
Wie sieht deiner Meinung nach eine erfolgreiche Bewerbung aus?
Ich halte ein schlüssiges und authentisches Motivationsschreiben für sehr wichtig. Die Bewerbungsunterlagen sind das Erste was angeguckt, diskutiert und bewertet wird. Alle weiterführenden Vorstellungsgespräche und auch das Einzelgespräch beim Assessment-Center bauen auf Fragen bezüglich des Motivationsschreibens und des Lebenslaufs auf. Vor allem die Art und der Umfang deines ehrenamtlichen Engagements, deine persönlichen Ziele und Interessen und natürlich dein Interesse an der Stiftung der Deutschen Wirtschaft sollten deutlich werden.
Möchtest du Schülerinnen, Schülern und Studierenden – die als Erste in ihrer Familie studieren (wollen) – noch etwas mit auf den Weg geben?
Gerade als Erststudierende in der Familie seid ihr richtig bei der sdw. Die Stiftung steht für Bildungsgerechtigkeit und stärkt Studierenden mit finanzieller und ideeller Förderung den Rücken. Man kann übrigens schon viel früher mit dem Stipendien-Thema beginnen. Wer jüngere Geschwister hat, die noch zur Schule gehen, gleich hier der Tipp für sie: Mit dem Studienkompass hat die sdw sogar ein eigenes, großes Programm für angehende AbiturientInnen aus Familien ohne Hochschulerfahrungen im Angebot.
(Interview: Juli 2018)

 

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