Der Traum vom College – Die Dokumentation „First Generation“

Ihr seid unglaublich wichtig als Vorbilder und Mentoren!“ Mit diesen Worten ließ Filmemacher Adam Fenderson die Europapremiere des Dokumentarfilms „First Generation“ ausklingen. Er stellte am vergangenen Dienstag gemeinsam mit seiner Frau Jaye Fenderson den Film über vier Highschool-SchülerInnen, die den Sprung ans College schaffen wollen, im Berliner Filmtheater am Friedrichshain vor.

 

Dass im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht jeder Traum wahr wird, zeigt der Film in ernüchternden Bildern über den Alltag von vier Jugendlichen. Jess, Cecila, Dontay und Soma stammen aus Familien, in denen noch niemand eine Hochschule besucht hat. Zum Teil sind sie die ersten in ihrer Familie, die den Highschool-Abschluss absolvieren. Die vier wollen es ans College – die amerikanische Hochschule – schaffen. Sie wissen, dass ihre Karriereaussichten mit einem Bachelorabschluss steigen, allerdings haben sie weder finanziellen Rückhalt noch kennen sich ihre Eltern mit den Studienhürden aus. Das bedeutet, sie sind auf die Hilfe von LehrerInnen und engagierten StudienberaterInnen angewiesen. Denn das amerikanische Schulsystem schließt eine lange Vorbereitungsphase auf die Collegebewerbung ein.

 

Im Film zeigt sich unter anderem Peter V. Johnson von der Columbia University, besorgt. Der Direktor der Zulassungsstelle gibt zu bedenken, dass viele Bewerber auch aus ärmeren Familien gern Arzt oder Ärtzin werden würden, sich aber der Tatsache aber nicht bewusst seien, dass sie dafür Mathe-, Physik- und Chemiekurse in der Highschool hätten belegen müssen.

 

Jaye und Adam Fenderson
Die Filmemacher Jaye und Adam Fenderson Foto: Jenny Woste

Die beiden Filmemacher Jaye und Adam Fenderson begleiteten über zwei Jahre den Weg der SchülerInnen aus Kalifornien. „Wir haben vor dem Dreh beschlossen, uns nicht in die Entscheidungen der vier einzumischen“, sagte Adam Fenderson auf der abschließenden Diskussionsrunde. Das sei ihnen nicht leicht gefallen. Jedoch allein durch ihre Anwesenheit, den Blick durch die Kamera, habe sich bei den vier SchülerInnen automatisch ein wenig mehr Bewusstsein für die eigene Situation eingestellt.

 

Wo es für Adam Fenderson und seinen Eltern nie in Frage stand, dass er einmal studieren wird, kennt Jaye Fenderson aus eigener Erfahrung die Probleme der First Generation. Ihre Mutter besuchte während der Highschool ihrer Tochter das College. Die Idee zum Filmprojekt stammt daher auch von Jaye Fenderson, die während der Produktion einer US-Castingshow auf den Gedanken kam, die Problematik in einem Filmprojekt umzusetzen. Denn in der Show kämpften SchülerInnen aus Arbeiterfamilien um ein Stipendium. Letztlich fehlen vielen Kindern nicht-akademischer Familien die Informationen über ihre Studienfinanzierungsmöglichkeiten.


Amerikanische Hochschulstatistiken belegen, dass selbst von den wenigen Studierenden aus Arbeiterfamilien, die Abbrecherzahl hoch ist. Auch dies thematisiert der Dokumentarfilm. Warum das College trotz allem so wichtig ist? Zum einen wissen die Schüler, dass sie mehr verdienen werden, zum anderen machen sie ihre Familien stolz, berichtete Adam Fenderson. Es sei nicht zu unterschätzen, wie sich die First Generation auf die Familien auswirkt. Insbesondere die jüngeren Geschwister nehmen ihre Chancen wahr.

 

Momentan touren Jaye und Adam Fenderson mit ihrem 95-minütigen Dokumentarfilm durch die USA. Für 2013 planen sie die DVD zu veröffentlichen, die weiteres Bonusmaterial über die Lebensläufe von Jess, Cecila, Dontay und Soma enthalten wird.


www.firstgenerationfilm.com


Europapremiere von "First Generation"
Europapremiere von "First Generation" Foto: Jenny Woste
Europapremiere von "First Generation" Foto: Jenny Woste
Europapremiere von "First Generation" Foto: Jenny Woste
Europapremiere von "First Generation" Foto: Jenny Woste
Europapremiere von "First Generation" Foto: Jenny Woste