
Name: Melih Özkardeş
Alter: 26 Jahre
Studiengang: Sportwissenschaft (Schwerpunkt: Sportökonomie/Sportmanagement)
Semester: 10. Semester
Hochschule: Deutsche Sporthochschule Köln
Auslandssemester: -
Stiftung: www.stiftungsfonds.org
Wie bist Du auf die Idee gekommen, Dich beim Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds zu bewerben?
Ich muss dazu sagen, ich habe zwei Erasmussemester in Deutschland studiert und wechselte dann später aus der Türkei an die Sporthochschule Köln. Ich wollte mich für ein Stipendium bewerben, um mir neben dem Studium auch ein Netzwerk aufzubauen. Außerdem wollte ich etwas von meinen Nebenjobs entlastet werden.
Ich habe bei meiner Suche alle großen Stiftungen gefunden. Dann habe ich nach einer Organisation in Koln gesucht und Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds gefunden. Ich habe mir die Kriterien durchgelesen und mich dann beworben. Zum Glück hat es funktioniert. Hätte ich mich nicht beworben, wäre es eine verpasste Chance.
Was bedeutet es für Dich, ein Stipendiat zu sein?
In erster Linie bedeutet es für mich Anerkennung. Ich bin seit sechs Jahren in Deutschland und habe mich neben meinem Studium immer für soziale Projekte engagiert. Engagement wird anerkannt. Und natürlich bedeutet ein Stipendium, ein gutes Netzwerk zu haben. Es sind deutschlandweit Kontakte entstanden.
Auf welche Weise wirst Du vom Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds gefördert?
Ich bin finanziell und ideell gefördert worden. Die Stiftung vergibt Stipendien aufgrund der sozialen Situation des Bewerbers. Es gibt viele Seminare, die besucht werden können. In den Seminaren werden unterschiedliche Themen behandelt, zum Beispiel geht es um Politik oder Bewerbungsverfahren. Außerdem bietet die Stiftung ein Mentoringprogramm an, also eine ehemalige Stipendiatin oder ein Stipendiat stellt sich zur Verfügung und dann trifft man sich.
Wie kommt denn das Mentoringprogramm zustande?
Mentorinnen und Mentoren stellen sich mit ihrem Profil zur Wahl. Dann können wir uns um bestimmte Personen bewerben, zum Beispiel bewerben sich Jurastudenten ganz klar um Juristen.
Ich habe zwar keinen Sportwissenschaftler gefunden, aber eine sehr interessante Person, die gerade promoviert. Die Themen über die wir reden sind individuell. Wir haben vor allem übers wissenschaftliche Arbeiten geredet. Es ging auch um den beruflichen Einstieg. Er hat mir Tipps aus seiner eigenen Erfahrung gegeben. Weil ich nicht aus Deutschland komme, haben wir auch über ganz banale Sachen gesprochen, zum Beispiel über meine Wohnungssuche.
Ist die Höhe des Stipendiums abhängig vom Einkommen Deiner Eltern? Was ist, wenn die Eltern „zu viel“ verdienen?
Die Höhe des Stipendiums hängt von der finanziellen und sozialen Situation und auch vom Einkommen der Eltern ab. Der Betrag liegt so zwischen 500 bis 5000 Euro jährlich. Das kann man ganz gut auf der Homepage unter den FAQs nachlesen. Der Bewerber gibt selbst an, in welcher Höhe er gefördert werden möchte. Ich habe sogar ein bisschen mehr bekommen.
Durch die Förderung konnte ich dann einen Nebenjob aufgeben, das war eine Entlastung für mich. Meinen anderen Nebenjob habe ich aber behalten, weil der Spaß macht und mich für meinen Berufswunsch qualifiziert.
Stellt der Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds auch Erwartungen an Dich als Stipendiat?
Die Erwartungen des Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds stehen auf der Homepage www.stiftungsfonds.org. Ich habe es so wahrgenommen, dass ich mein Studium vernünftig absolviere und mein gesellschaftliches Engagement weiterführe. Meine Projekte neben dem Studium sind mir absolut wichtig. Man hat seine Moral und seine Gefühle und es versteht sich von selbst, dass man alles ordentlich weitermacht.
Welche Ziele verfolgt der Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds?
Die Förderung der Bildung ist wie für jede Stiftung das Ziel. Spannend ist, dass es das seit dem Mittelalter gibt. Das Geld stammt also auch zum Teil noch aus Bildungsstiftungen von Bürgern der damaligen Zeit. Die Stiftung hat sich geöffnet und fördert nun deutschlandweit Studierende jeglicher Fachrichtungen. Und die Stiftung fördert auch Schülerinnen und Schüler.
Ab welchem Schuljahr/Semester kann man sich bewerben?
Ich habe ja erst im Studium von der Förderung erfahren und habe mich während des Studiums beworben. Die Kriterien stehen auf der Homepage der Stiftung.
Wie verlief Dein Auswahlverfahren für das Stipendium? (Dauer/Ablauf/Auswahlgespräche/Probleme)
Ich habe mich per Post beworben und wurde darauf zu den Bewerbertagen eingeladen. Das waren drei Tage mit ca. 30 Kandidaten. Wir mussten Aufgaben allein und im Team erledigen, zum Beispiel einen Text und einen Vortrag zu einem politischen Thema vorbereiten. Das gab ein gutes Bild, ob wir auch zu unserer Bewerbung passen. Außerdem gab es ein Einzelgespräch mit zwei Prüfern. Ich denke, neben der Teamarbeit war dieses Gespräch sehr entscheidend. Nach einigen Wochen kam dann der Brief mit dem Bescheid, dass ich Stipendiat bin.
War es stressig, sich mit 30 anderen Bewerbern zu messen?
Ich fand es gut und hatte Spaß dabei. Wir wussten eigentlich auch, wer es hierhin geschafft hat, muss schon komplett aus dem Rahmen fallen, um keine Stipendienzusage zu bekommen. Natürlich ist man nervös, aber alle waren freundlich und die Chemie hat gestimmt.
Wie sieht Deiner Meinung nach eine erfolgreiche Bewerbung aus?
Es klingt banal, aber Du solltest Dich trauen und die Vorstellung haben, dass es klappt. Du solltest Dich fragen, was Du willst und Dich damit auseinandersetzen. Natürlich sollte auch die Stiftung etwas für Dich sein. Ich habe mir die Jahresberichte der vergangenen zwei Jahre angeschaut, das hat mir geholfen.
Was bedeutet es, wenn „gesellschaftliches und politisches Engagement“ verlangt wird? Wie engagierst Du Dich?
Engagement ist wichtig. Ich habe bei den Bewerbertagen beobachtet, dass es egal ist, ob man sich politisch oder gesellschaftlich engagiert. Einige sind in einem Verein, andere arbeiten in einer sozialen Einrichtung, eben überall dort, wo soziale Kompetenzen gefragt sind. Es wird nicht verlangt Mitglied in einer Partei zu sein, der Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds hat keinen parteilichen Hintergrund.
Ich bin vor ca. sechs Jahren mit dem Europäischen Freiwilligendienst von der EU nach Deutschland gekommen. Es gibt ein soziales Projekt, in dem man sich in einem Fulltime-Job engagiert – vom Kindergarten bis zum Seniorenzentrum. Ich habe in einem Kindergarten gearbeitet, meine Kultur vorgestellt und die deutsche Sprache gelernt. Im Europäischen Freiwilligendienst hat man die Gelegenheit einen Sprachkurs zu besuchen und die Kosten des gesamten Aufenthalts werden von der EU bezahlt. Dazu gehören Taschengeld, Unterkunft und Reisekosten.
Der Freiwilligendienst war sehr spannend und ich habe mehr über die deutsche Kultur erfahren. Danach bin ich mit dem Erasmusprogramm zum Studieren nach Deutschland gekommen. Ich habe eigene Projekte auf die Beine gestellt – z. B. Jugendbegegnungen zwischen Ungarn, Türkei, Niederlande und Deutschland und eine Jugendinitiative Europa in meinem Sportverein. Solche Sachen habe ich selbst organisiert und kleine lokale Projekte in Köln durchgeführt.
Möchtest Du zukünftigen Bewerbern oder generell Oberstufenschülern und Studierenden nicht-akademischer Herkunft noch etwas mit auf den Weg geben?
Ich habe mir gar keine Gedanken darum gemacht, dass ich ein Nicht-Akademikerkind bin. Mir ist es egal, dass meine Eltern nicht studiert haben. Mein Vater ist ein Glaskünstler und hat ein Tourismusladen in der Innenstadt von Antalya. Er hat keine offizielle Berufsausbildung. Er hat sich alles selbst beigebracht. Worüber man sich Gedanken machen sollte, ist nicht der Hintergrund des Menschen, sondern „der Vordergrund“! Es geht vielmehr darum: Was will ich? Du solltest zukunftsorientiert sein. Mit einem Stipendium sollen Menschen gefördert werden, die in die Zukunft blicken. Leute die wissen, wo es hingehen soll bzw. die wissen, ein Studium hilft mir, meinen Weg zu finden.
Ich habe bereits einen Job im Sportmanagement gefunden – das ist, was ich machen möchte und wofür ich Sportwissenschaften studiert habe.
(Stand: September 2011)