Yonca Dege, Vodafone-Stiftung
Welchen Studiengang / Welches Studienfach studierst Du an welcher Universität?
Ich studiere Integrated Social Science (eine Kombination aus Sozialwissenschaften, Politik, Wirtschaft und Medien) an der Jacobs University Bremen.
Wie bist Du auf die Idee gekommen, Dich bei der Vodafone Stiftungt zu bewerben?
Als ich mit dem Head of Admission der Jacobs University über meine Bewerbung sprach, hat er mich gefragt ob meine Eltern aus dem Ausland kommen. Er hat mich dann auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, mich für das Vodafone Stipendium zu bewerben. Die Zusammenarbeit zwischen der Jacobs University und der Vodafone Stiftung war erst kürzlich initiiert worden.
Auf welche Weise wirst Du bei der Vodafone Stiftung gefördert?
Das Stipendium setzt sich aus zwei Prinzipien zusammen: der finanziellen und der ideellen Förderung. Die finanzielle Förderung beinhaltet, dass meine kompletten Studiengebühren übernommen werden. Auch werden bis zu einer bestimmten Grenze meine Lernmittel pro Semester bezahlt. Zusätzlich bekomme ich noch einen monatlichen Geldbetrag, der meinen persönlichen Lebensbedarf (Wohnen, Lebensmittel etc.) abdecken soll. Bei der ideellen Förderung geht es darum, dass wir uns eine Art Netzwerk aufbauen können, um so wichtige Kontakte für unsere spätere Karriere knüpfen können. Wir nehmen an Seminaren teil, die zur Persönlichkeitsentwicklung und Verbesserung der Soft Skills (Schlüsselqualifikationen) beitragen und bekommen einen individuellen Mentor zugewiesen, der uns bei Praktika und anderen Fragen mit Rat zur Seite steht.
Ist die Höhe des Stipendiums abhängig vom Einkommen Deiner Eltern? Was ist, wenn die Eltern „zuviel“ verdienen?
Als Bewerber für ein Chancen Stipendium muss man BAföG-berechtigt sein In der Bewerbungsphase sowie auch zu jedem Jahresanfang verschafft sich die Vodafone Stiftung einen Überblick von dem Einkommen unserer Eltern. So wird sichergestellt, dass wir wirklich einen Anspruch auf die finanzielle Unterstützung haben. Die Höhe der monatlichen Zahlungen für den Lebensunterhalt ist für jeden Stipendiaten gleich, Unterschiede gibt es bei den Studiengebühren, die bei den einzelnen Hochschulen variieren. Da wir aber alle die kompletten Studiengebühren finanziert bekommen, sind wir nicht direkt davon betroffen.
Stellt die Vodafone Stiftung auch bestimmte Erwartungen an Dich als Stipendiatin?
Die Stiftung erwartet eine gewisse Eigeninitiative von uns. Wir sollen uns weiterhin gesellschaftlich engagieren und andere Jugendliche motivieren, auch ein Studium anzustreben und sich nicht durch den Umstand, aus einer Immigrantenfamilie zu kommen, Steine in den Weg legen zu lassen. Wir werden zum Beispiel dazu ermuntert, Seminare in unserer alten Schule abzuhalten, um so über das Vodafone Chancen Programm zu informieren und um über unsere Erfahrungen zu berichten. Ein anderes Engagement könnte darin bestehen, anderen Jugendlichen mit Migrationshintergrund Nachhilfe zu geben. Uns wird da nichts Bestimmtes vorgeschrieben; es gibt viele Möglichkeiten, einen Beitrag in der Gesellschaft zu leisten. Die Stiftung möchte, dass wir aktiv sind und gewisse Verantwortungen im gemeinschaftlichen Leben übernehmen.
Welche Ziele verfolgt die Vodafone Stiftung?
Die Vodafone Stiftung hat sich auf drei Förderbereiche festgelegt: Soziales/Gesundheit, Bildung sowie Kunst und Kultur. In diesen Bereichen initiiert sie Projekte, die dazu animieren sollen, sich am gesellschaftlichen Fortschritt aktiv zu beteiligen. Gerade wenn es um Bildung geht, strebt die Stiftung an, zur Integration durch Bildungsförderung beizutragen. So wird es Jugendlichen mit Migrationshintergrund durch Stipendiatenprogramme wie START und Vodafone Chancen erleichtert, einen akademischen Weg zu beschreiten, damit diese auch ihre Erfahrungen weitergeben und neue Perspektiven vermitteln können.
Ab welchem Schuljahr/Semester kann man sich bei der Vodafone Stiftung bewerben?
Das Stipendium umfasst ein komplettes Bachelorstudium von drei Jahren. Deswegen kann mich sich nur zum ersten Semester bewerben.
Wie verlief Dein Auswahlverfahren bei der Vodafone Stiftung?
Das Auswahlverfahren hat ungefähr zwei Monate gedauert. Nachdem ich an der Universität angenommen wurde, was auch eine der Grundvoraussetzungen für das Stipendium war, bewarb ich mich bei der Vodafone Stiftung mit meinem Lebenslauf, Zeugnis, einer handschriftlichen Beschreibung meines bisherigen Lebensweges und dem Bewerbungsbogen der Vodefone Stiftung. Einen Monat später wurde ich zu einem persönlichen Auswahlgespräch eingeladen. In diesem sollte ich ein wenig von mir erzählen und meine gesellschaftlichen Engagements näher erläutern. Auch wurde ich zum Beispiel gefragt, warum gerade ich in dieses Programm aufgenommen werde sollte. Da galt es, meine Stärken darzustellen, aber auch kritisch, mit meinen Schwächen umzugehen. Ein großes Problem gab es eigentlich nicht, da meine Gesprächspartner sehr freundlich waren und das somit meine Nervosität gemildert hat.
Was sind Deiner Meinung nach Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bewerbung?
Erstmal müssen alle Grundkriterien erfüllt sein, die da wären, dass man einen Migrationshintergrund nachweisen kann und dass man an der jeweiligen Universität angenommen wird. Auch sollte man vorweisen können, dass man sich in irgendeiner Weise engagiert hat, wobei dem keine Grenzen gesetzt sind. Jede Art von Mitgliedschaft in einem Verein, Club, Gemeindetätigkeit wäre hier erwähnenswert, woran man erkennen kann, dass man aktiv und motiviert ist und mehr tut, als nur von einem erwartet wird.
Welche Ratschläge würdest Du zukünftigen Bewerbern für die schriftliche Bewerbung und die Auswahlgespräche geben?
Ich würde raten, schon in der schriftlichen Bewerbung deutlich zu machen, welche Aufgaben man in der Gesellschaft übernommen hat. Das müssen nicht unbedingt große Tätigkeiten und unzählige Praktika sein. Es ist schon ein Zeichen von Engagement und Aufgeschlossenheit, wenn man in der Schülervertretung oder im Abikomitee involviert ist. Auch wenn man ein Instrument spielt oder eine Sportart betreibt, kann man das im Auswahlgespräch so präsentieren, dass man diszipliniert und verantwortungsbewusst ist und sich außerhalb der Schule noch betätigt. Im Gespräch sollte man ehrlich sein und Schwächen oder Unsicherheiten zugeben, solange man auch die Bereitschaft, Herausforderungen in Angriff zu nehmen, betont. Man sollte natürlich bleiben, und sich nicht als jemand verkaufen, der man nicht ist. Jeder hat seine Stärken und außergewöhnlichen Eigenschaften, auf die es sich einzugehen lohnt. Dabei sollte man den Unterschied zwischen Selbstlob und einer überzeugenden Selbstpräsentation berücksichtigen.
Stimmt es, dass nur „Einserkandidaten“ Chancen auf ein Stipendium haben?
Die schulischen Leistungen spielen schon eine Rolle, da sie auch den jeweiligen Universitäten (Jacobs University Bremen, WHU, European Businnes School, Bucerius Law School) zu den Aufnahmekriterien gehören. Ich denke aber nicht, dass wenn man kein Einserkandidat ist, nicht mehr in Betracht gezogen wird. Es zählt vor allem das gesellschaftliche Engagement und die Persönlichkeit des Bewerbers. Es bringt nichts, wenn man einen Einserdurchschnitt hat, jedoch keine soziale Kompetenz und außerschulischen Einsatz vorweisen kann.
Was bedeutet es, wenn „gesellschaftliches und politisches Engagement“ verlangt wird? Wie engagierst Du Dich?
Während meiner Schulzeit habe ich Nachhilfe gegeben und war in der Schülervertretung. Auch war ich im Abiball- sowie Finanzkomitee tätig. Außerhalb der Schule gehörten noch zu meinen Hobbys Musiktheater und Tanzen, die ich auch an der Universität fortführe. Hier bin ich auch ein Mitglied der Model United Nations Society geworden und war aktiv in der Vorbereitung, Organisation und Ausrichtung der BRIMUN Konferenz (Bremen International Model United Nations) beteiligt.
Haben wir noch eine wichtige Frage vergessen? Möchtest Du zukünftigen Bewerbern oder generell Oberstufenschülern und Studierenden nicht-akademischer Herkunft noch etwas mit auf den Weg geben?
Ich würde auf jeden Fall früh anfangen, mich außerhalb der Schule zu engagieren und mir Ziele setzen. Die Tatsache, dass man nicht-akademischer Herkunft ist, muss nicht automatisch bedeuten, dass man selbst auch einen nicht-akademischen Berufsweg anstreben soll. Es mag schon sein, dass man in vielen Dingen Nachteile hat, aber wenn man den Willen, die Aufgeschlossenheit und eigene Antriebskraft hat, können sich einem Möglichkeiten eröffnen. Man sollte vor allem mit anderen kooperieren können und bereit sein, sich neuen Herausforderungen zu stellen.
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