Annemarie, Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds
Welchen Studiengang / Welches Studienfach studierst Du an welcher Universität?
Nun studiere ich im 4. Fachsemester Ev. Theologie (Pfarramt) an der Eberhard Karls Universität Tübingen.
Wie bist Du auf die Idee gekommen, Dich beim Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds zu bewerben?
Über die Studienberatung habe ich vom Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds erfahren und mich für die finanzielle Unterstützung meines Zweitstudiums beworben, weil ich nun nicht mehr nach dem BAföG gefördert werden kann und meinen Lebensunterhalt komplett selbst bestreiten muss.
Auf welche Weise wirst Du beim Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds gefördert?
Der Stiftungsfonds bietet finanzielle und ideele Förderung an. Beide Aspekte der Förderung sind mir schon zugute gekommen. Die ideele Förderung besteht aus ganz unterschiedlichen Seminaren und einem Mentoringprogramm.
Ist die Höhe des Stipendiums abhängig vom Einkommen Deiner Eltern? Was ist, wenn die Eltern „zuviel“ verdienen?
Ja. Der Stiftungsfonds möchte finanzielle Lücken verkleinern. Diese Lücken entstehen vor allem dann, wenn Eltern ihre studierenden Kinder kaum oder nicht unterstützen können. Ziel der finanziellen Förderung ist es, Nebenjobs möglichst nur noch in der vorlesungsfreien Zeit machen zu müssen. Stipendien werden einmalig vergeben und haben eine Höhe von 500 bis 5000€ pro Jahr. Die genaue Höhe des Stipendiums hängt vom Bedarf des Studierenden ab. Braucht man nach einem Jahr weiterhin Unterstützung muss man sich erneut bewerben (nur schriftlich).
Stipendien werden auch vergeben, wenn für einen Auslandsaufenthalt (Studium/Praktikum) Unterstützung gebraucht wird.
Stellt der Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds auch bestimmte Erwartungen an Dich als Stipendiatin?
Ziel des Stiftungsfonds ist es, Studierende ideel und finanziell zu fördern, deshalb wird es gewünscht, auch am Bildungsprogramm teilzunehmen. Es werden gute Noten (Durchschnitt bis 2,5) im Studium erwartet. Das Studium soll in Regelstudienzeit plus max. 30% abgeschlossen werden.
Welche Ziele verfolgt der Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds?
Ziel ist es, dass Studierende gute Leistungen in ihrem Studium in angemessener Zeit erbringen können. Deshalb sollen notwendige Nebenjobs in der Vorlesungszeit durch ein Stipendium ersetzt werden. Nach Beendigung des Stidums sollen Studierende einen guten Einstieg ins Berufsleben finden, dafür bietet der Stiftungsfonds Seminare an.
Ab welchem Schuljahr/Semester kann man sich beim Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds bewerben?
Prinzipiell kann man sich ab dem ersten Semester bewerben, es werden aber Studierende bevorzugt, die im Examen stehen (wegen erhöhter Dringlichkeit).
Wie verlief Dein Auswahlverfahren beim Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds?
Zweimal im Jahr kann man sich bewerben. Das Auswahlverfahren ist zweistufig. In der ersten Stufe bewirbt man sich schriftlich, reicht also verschiedene Unterlagen ein (siehe Homepage). Hat man diese Stufe geschafft, ist man also in der näheren Auswahl, wird man für die zweite Stufe zu Gesprächen eingeladen. Auf den Einladungsbrief musste ich nach Bewerbungsschluss vier bis sechs Wochen warten. Der Brief erreichte mich und drei Wochen später fuhr ich nach Köln. Dort erwarteten mich sehr nette und interessante andere Bewerber. An einem Tag hatte jeder ein Einzelgespräch mit zwei Prüfern, dann nach der Mittagspause eine Gruppendiskussion zu zwei konträren Zeitungsartikeln und direkt daran anschließend beobachtetes „Gruppenbasteln“ einer Murmelbahn. Am Ende des Tages waren wir alle sehr k.o., aber es hat auch echt Spaß gemacht und die Atmosphäre war einfach gut – trotz der Anspannung immer wieder. Und dann hieß es wieder auf Post warten, die nach ewig lang erscheinenden fünf Wochen endlich eintraf.
Probleme gab‘s bei mir keine. Mein Einzelgespräch orientierte sich sehr stark an meinem eingereichten ausführlichen Lebenslauf, den ich punktuell ausführte.
Welche Ratschläge würdest Du zukünftigen Bewerbern für die schriftliche Bewerbung und die Auswahlgespräche geben?
Interessant sind für mich Studierende, die sagen können, warum sie gerade dieses Fach studieren und was sie an ihrem Fach packt. Jede(r) Studierende ist anders, ein Individuum. Das ist bereichernd und darf im Lebenslauf und in den Gesprächen zum Ausdruck gebracht werden. Hilfreich könnte es deshalb bei der Bewerbung sein, sich in der Retrospektive über getroffene Entscheidungen noch einmal Rechenschaft abzulegen. Warum habe ich das damals so gemacht? Welche Motive steckten dahinter? Was begeistert mich, mache ich gerne? Wenn Du Dich gut kennst, kannst Du Dich selbst im Lebenslauf und im Auswahlgespräch gut vorstellen.
Nicht schaden tut es, von der Umwelt um Dich rum etwas mitzukriegen.
Der Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds wurde vor ca. 600 Jahren von verschiedenen Stiftern gegründet. Viele Stifter waren Geistliche, sodass der Stiftungsfonds bis heute ein katholisches Profil hat. Wie stehst Du zur Kirche? Kannst Du Grundnormen zustimmen oder regt sich in Dir nur eine Abwehrhaltung? Solche Fragen lassen sich leichter in Ruhe oder mit Freunden durchdenken als im Einzelgespräch mit Prüfern.
Stimmt es, dass nur „Einserkandidaten“ Chancen auf ein Stipendium haben?
Nein. Gute Noten sind nur ein Apsekt, der Stiftungsfonds wählt seine Stipendiaten unter einer weit größeren Vielfalt an Aspekten aus.
Wird beim Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds auch „gesellschaftliches und politisches Engagement“ verlangt? Was bedeutet dies? Wie engagierst Du Dich?
Es wird nicht verlangt, aber ist immer gern gesehen. Manchen Studierenden ist es schlicht nicht möglich neben Studium und Jobben noch ehrenamtlich tätig zu sein. Aber vielleicht lässt sich beides verbinden? Ich habe in der Ev. Studierendengemeinde ehrenamtlich ein Jahr lang in der Leitung mitgearbeitet. Mein Geld habe ich u.a. damit verdient, Familien nach der Geburt eines Babys zu helfen. Hier ließ sich Geldverdienen mit Engagement sehr gut verbinden. Vielleicht kannst Du begründen, warum Du gerade diesen Job machst? Ist es mehr als nur das Geld, das dabei rauskommt?
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