Isabell Klingert, Konrad-Adenauer-Stiftung
Welchen Studiengang / Welches Studienfach studierst Du an welcher Universität?
Seit Oktober 2008 studiere ich den vom Auswärtigen Amt initiierten Studiengang `Europawissenschaften´ an den 3 großen Universitäten Berlins (FU, TU, HU).
Zuvor habe ich European Studies, einen interdisziplinären Bachelorstudiengang mit inhaltlichem Schwerpunkt Mittelosteuropa sowie Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Universität Chemnitz studiert, sowie das Central European Studies Programm in Olomouc, Tschechien absolviert.
Wie bist Du auf die Idee gekommen, Dich bei der Konrad-Adenauer-Stiftung zu bewerben?
Schon im ersten Semester habe ich an der Uni die Werbung der Stiftungen gesehen und so erst von ihnen erfahren. Als ich mich auf der Seite www.kas.de über die Konrad-Adenauer-Stiftung informierte, war mir schnell klar, dass genau diese Stiftung zu mir passt. Trotzdem habe ich mich zunächst nicht getraut, mich zu bewerben. Erst am Ende des zweiten Semesters hab ich es dann gewagt, nach einem Info-Abend aller Stiftungen, der meinen Eindruck von einem „Eliteklub“ revidierte.
Auf welche Weise wirst Du bei der Konrad-Adenauer-Stiftung gefördert?
Ich bekomme Büchergeld. Das sind 80 Euro im Monat. Je nach finanziellen Verhältnissen bekommt man, genau wie beim BaföG, zusätzlich bis zu 525 Euro im Monat. Ab Herbst 2008 werden es sogar 585 Euro sein. Als ich ein Semester in Tschechien studiert habe, gab es auch noch einen Auslandszuschlag von monatlich 125 Euro. Außerdem gibt es noch die ideelle Förderung, ein großes Seminarprogramm. Je nach Interesse kann man zum Beispiel aus den Bereichen Technik, Politik, Gesellschaft, Zukunftsfragen,... wählen. Auf den Seminaren habe ich auch viele andere Stipendiaten kennengelernt.
Ist die Höhe des Stipendiums abhängig vom Einkommen Deiner Eltern? Was ist, wenn die Eltern „zuviel“ verdienen?
Leider kommt es auch vor, dass die Eltern „zuviel“ verdienen. Das Einkommen der Eltern wird so lange herangezogen, wie man selbst nicht verheiratet ist. Dann werden nur das eigene Einkommen und das des Partners herangezogen. Aber auch wenn die Eltern „zuviel“ verdienen, das Büchergeld von 80 Euro bekommt jeder! Und man kann eine Teilfinanzierung von Studiengebühren im Ausland, Auslandszuschüsse, Unterstützung bei Praktika oder für Sprachreisen beantragen.
Stellt die Konrad-Adenauer-Stiftung auch bestimmte Erwartungen an Dich als Stipendiatin?
Wie bei allen Stipendien, sollte man sich auch bei der Konrad-Adenauer-Stiftung klar machen, ob man dazu passt. Das kann man nur für sich selbst entscheiden. Mitglied bei der CDU/CSU oder der Jungen Union muss man aber nicht sein. Außerdem sollte man gute Studienleistungen vorweisen können. Zudem sollte man sich gesellschaftlich, politisch oder religiös engagieren und dadurch zeigen, dass man nicht nur für sich selbst, sondern eben auch für die Gesellschaft Verantwortung übernimmt.
Welche Ziele verfolgt die Konrad-Adenauer-Stiftung?
Die Stiftung hat sich Konrad Adenauer und seinen Grundsätzen verpflichtet. Dabei fördert sie national und international politische Bildung für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit. Besonders wichtig sind dabei die Festigung der Demokratie, die Förderung der europäischen Einigung, die Intensivierung der transatlantischen Beziehungen und die entwicklungspolitische Zusammenarbeit.
Ab welchem Schuljahr/Semester kann man sich bei der Konrad-Adenauer-Stiftung bewerben?
Man kann sich ab dem letzten Schuljahr bewerben. Und später geht es auch zu jedem Zeitpunkt. Man muss nur immer noch mindestens vier Semester Studium vor sich haben.
Wie verlief Dein Auswahlverfahren bei der Konrad-Adenauer-Stiftung?
Wenn die Bewerbungsunterlagen überzeugen, lädt dich die Stiftung für ein Wochenende auf Schloss Eichholz ein. Das ist in der Nähe von Bonn. Diese Auswahltagung dort besteht aus vier Teilen: Zwei schriftliche Test zu allgemeinen Themen, eine Gruppendiskussion und ein Einzelgespräch. Bei dem Gespräch sind die Fragen etwas fachlich, manchmal versuchen die drei Prüfer auch, mögliche Schwächen herauszufinden. Aber dabei wollen sie dir sicher nichts böses, sie wollen dich einfach kennen lernen. Nach einer halben Stunde ist auch das überstanden.
Was sind Deiner Meinung nach Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bewerbung?
Am wichtigsten ist, dass man über den eigenen Tellerrand schaut; durch ehrenamtliches Engagement, Auslandsaufenthalte oder andere Interessen. Und dass man das in der Bewerbung auch zum Ausdruck bringt. Und während der Auswahltagung: Gelassenheit – alle Bewerber sind aufgeregt. Außerdem Zuversicht, was kann schon geschehen, außer einer Absage?
Welche Ratschläge würdest Du zukünftigen Bewerbern für die schriftliche Bewerbung und die Auswahlgespräche geben?
Man sollte jemanden die Bewerbung Korrektur lesen lassen, um flüchtige Fehler zu finden. Vor der Auswahltagung sollte man grob über die wichtigsten politischen Themen der letzten Zeit informiert sein. Kleine Schwächen sind bei dem Auswahlgespräch nicht sehr entscheidend. Einfach ehrlich sein, jeder hat eine kleine Schwäche.
Stimmt es, dass nur „Einserkandidaten“ Chancen auf ein Stipendium haben?
Nein, auf keinen Fall. Man soll überdurchschnittliche Leistungen erbringen, aber das bedeutet nicht, dass man ein „Einserkandidat“ ist. Es zählt vielmehr das Engagement, die gesamte Persönlichkeit.
Was bedeutet es, wenn „gesellschaftliches und politisches Engagement“ verlangt wird? Wie engagierst Du Dich? Muss man Mitglied in der CDU oder deren Jugendverband sein? Muss man überzeugte Christdemokratin sein?
Man kann sich in der CDU/CSU oder der Jungen Union engagieren, aber man muss es nicht. Ich engagiere mich bei einer Jugendgruppe, der Jungen Aktion der Ackermann-Gemeinde und ich bin bei den Freunden des deutsch-tschechischen Jugendforums aktiv.
Jedes gesellschaftliche Engagement zählt!
Haben wir noch eine wichtige Frage vergessen? Möchtest Du zukünftigen Bewerbern oder generell Oberstufenschülern und Studierenden nicht-akademischer Herkunft noch etwas mit auf den Weg geben?
Sicher, die Entscheidung für ein Studium ist nicht immer einfach. Und es fordert Engagement, Zeit und auch Geld. Aber finanziell unterstützen die Stiftungen einen großzügig und man muss sich ums Geld keine Gedanken machen.
Warum sollte ein junger, begabter Mensch nach dem Abi nicht studieren? Bei Akademikerkindern fragt doch auch keiner!
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