Bernhard Brielmaier, Hanns-Seidel-Stiftung
Welchen Studiengang / Welches Studienfach studierst Du an welcher Universität?
Diplomstudiengang Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Wie bist Du auf die Idee gekommen, Dich bei der Hanns-Seidel-Stiftung zu bewerben?
Aus meinem gesellschaftlichen-politischen Engagement kannte ich die Hanns-Seidel-Stiftung (HSS) aufgrund der Arbeit des Bildungswerks (den ersten Kontakt hatte ich diesbezüglich etwa im Alter von 16 Jahren). Darüber hinaus haben mir Leute in meinem Umfeld dazu geraten, mich bei der HSS zu bewerben. Daraufhin habe ich mir den Internetauftritt und einige Broschüren zum Thema Studienförderung angesehen und anschließend meine Bewerbung vorbereitet.
Auf welche Weise wirst Du bei der Hanns-Seidel-Stiftung gefördert?
Die Förderung in der HSS beruht auf zwei Säulen.
Zum einen natürlich auf der finanziellen Förderung, die sich in einem monatlichen Stipendium und Büchergeld äußert, darüber hinaus hilft die Stiftung ihren Stipendiaten z.B. bei der Finanzierung von Auslandsaufenthalten durch Zuschläge oder die ganz- oder teilweise Übernahme von Studiengebühren.
Die zweite Säule bildet die ideelle Förderung. Darunter zusammengefasst sind insbesondere die Seminare des Begabtenförderungswerks, speziell für Stipendiaten angeboten, und die Betreuung der Stipendiaten in Hochschulgruppen. Dabei reichen die Seminare, die üblicherweise in Wildbad Kreuth oder Kloster Banz stattfinden, von solchen mit geschichtlicher, aktueller, politischer, grundsätzlicher und philosophischer Thematik bis hin zu praxisorientierten Veranstaltungen, in denen man sich z.B. mit der Entscheidungsfindung internationaler Gremien beschäftigt. In den Hochschulgruppen steht insbesondere der Austausch zwischen den Stipendiaten und die Betreuung durch den zugewiesenen Vertrauensdozenten im Vordergrund. Dazu werden üblicherweise kulturelle wie gesellschaftliche Veranstaltungen organisiert.
Ist die Höhe des Stipendiums abhängig vom Einkommen Deiner Eltern? Was ist, wenn die Eltern „zuviel“ verdienen?
Die Höhe des Stipendiums ist abhängig vom Einkommen der Eltern sowie eventuellem eigenem Einkommen und Vermögen. Allerdings gibt es relativ weitreichende Freibeträge. Mit steigendem Einkommen reduziert sich die Höhe des monatlichen Stipendiums. Neben dem Stipendium wird ein einkommensunabhängiges Büchergeld vom mtl. €80 gewährt. Die genauen Förderrichtlinien werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung festegelegt und sind wohl für alle 11 Begabtenförderungswerke identisch.
Stellt die Hanns-Seidel-Stiftung auch bestimmte Erwartungen an Dich als Stipendiat?
Zum einen verlangt die HSS überdurchschnittliche schulische und universitäre Leistungen, zum anderen gesellschaftliches Engagement. Eine ausgewogene Mischung macht dabei den zentralen Aspekt aus.
Daneben werden die regelmäßige Teilnahme an den Veranstaltungen der Hochschulgruppe und ein aktives Einbringen in die Seminare der Hochschulförderung erwartet.
Welche Ziele verfolgt die Hanns-Seidel-Stiftung?
Gemäß ihrem Satzungsauftrag will die HSS "demokratische und staatsbürgerliche Bildung des deutschen Volkes auf christlicher Grundlage" betreiben. Daher bietet die Stiftung auch ein überaus breites Spektrum an Seminaren, deren Teilnahme allen Bürgern offen steht. Daneben leistet die HSS allerdings auch Entwicklungshilfe, fördert begabte und engagierte Studenten und mischt sich in die politische und gesellschaftliche Debatten unserer Zeit ein. Zugrunde liegt der Arbeit der Stiftung dabei ihr Motto:
"Im Dienst von Demokratie, Frieden und Entwicklung".
Ab welchem Schuljahr/Semester kann man sich bei der Hanns-Seidel-Stiftung bewerben?
Grundsätzlich könnte man sich bereits zum ersten Semester bewerben, allerdings wird empfohlen - und es ist wirklich dazu zu raten - sich erst nach etwa zwei Semestern zu bewerben. Der Grund dafür ist der, dass sich erst nach einer gewissen Zeit an der Universität ein aussagefähiges "Notenbild" einstellt und zudem die meisten Professoren erst dann bereit sind, einem Studenten ein Fachgutachten anzufertigen, wenn einige Prüfungen im Studiengang abgelegt worden sind.
Wie verlief Dein Auswahlverfahren bei der Hanns-Seidel-Stiftung?
Zunächst musste ich meine schriftlichen Bewerbungsunterlagen einreichen. Diese bestanden aus den klassischen Zeugnissen (Abitur, evtl. Ausbildungs- oder Praktikumszeugnisse), einem Notenauszug der Universität, Lebenslauf (tabellarisch sowie ausformuliert und handschriftlich erstellt) sowie dem ausgefüllten Bewerbungsbogen, der auf der Homepage der HSS gefunden werden kann. Darüber hinaus waren der Bewerbung das Fachgutachten eines Professors und ein Persönlichkeitsgutachten, das das ehrenamtliche Engagement beschreibt, beizufügen. Abschließend musste ich noch einen einseitigen Aufsatz über meine Studien- und Berufsziele/-wünsche verfassen und alles zusammen bis zum Stichtag an die Hanns-Seidel-Stiftung abschicken.
Auf der dreitägigen Auswahltagung in Wildbad Kreuth, zu der ca. 30 Bewerber eingeladen wurden, musste nach dem Einführungsabend zunächst eine 150minütige Klausur in Aufsatzform abgelegt und anschließend ein kurzes Statement verfasst werden. In der abendlichen, 60minütigen Gruppendiskussion wurde ein aktuelles gesellschaftliches Thema behandelt. Am Morgen des letzten Tages fanden die Einzelgespräche der Bewerber statt.
Von den Vorgesprächen zu den Gutachten bis zur Auswahltagung vergingen etwa vier Monate. Für Rückfragen während des Auswahlprozesses standen die zuständigen Mitarbeiter der Stiftung immer zur Verfügung.
Was sind Deiner Meinung nach Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bewerbung?
Ich denke, die Kombination „Stiftung/Stipendiat“ muss einfach passen. Damit meine ich, dass sich ein Bewerber oder Stipendiat mit der Stiftung identifizieren können muss, da er sich sonst nicht wohlfühlen wird. Die Grundvoraussetzungen sind jedoch, wie bereits erwähnt, überdurchschnittliche Leistungen und ein aktives Engagement sowie gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein, gepaart mit einer christlichen Grundeinstellung. Diese Aspekte sollten sich in der Persönlichkeit des Bewerbers widerspiegeln.
Auf der Auswahltagung ist es dann meines Erachtens wichtig, auf Leute und Themen, sei es in den schriftlichen wie den mündlichen Aufgaben, einzugehen und offen und ehrlich mit den Fragen umzugehen.
Welche Ratschläge würdest Du zukünftigen Bewerbern für die schriftliche Bewerbung und die Auswahlgespräche geben?
Zunächst möchte ich sagen, dass die Gruppendiskussion und Aufsatzthemen bei der Auswahltagung häufig Bezug zu den aktuellen gesellschaftlichen und politischen Diskussionen haben. Daher ist die Information und Auseinandersetzung mit diesen Themen durch Lesen von Zeitungen, Internetrecherchen etc. sehr zu empfehlen, falls dies nicht ohnehin aufgrund der eigenen Interessen geschieht. Darüber hinaus sollte zumindest ein Grundwissen über das politische Umfeld in Deutschland und der eigenen Heimat vorhanden sein, da je nach Hintergrund der Prüfer in den Einzelgesprächen verschiedene Schwerpunkte gesetzt werden können.
Grundsätzlich würde ich jedem empfehlen offen und ehrlich in die Gespräche zu gehen, da es die Auswahlkommission meiner Meinung nach innerhalb der drei Tage herausfinden wird, sollte sich ein Kandidat versuchen zu verstellen. Darüber hinaus wird sich ein Kandidat, der nicht zur Stiftung passt und nicht hinter deren Zielen steht, schwer tun, sich dort wohlzufühlen.
Stimmt es, dass nur „Einserkandidaten“ Chancen auf ein Stipendium haben?
Nein. Ich denke, die Mischung aus überdurchschnittlichen Schul- und Studienleistungen sowie dem gesellschaftlichen Engagement macht’s. Dabei helfen gute Noten allein nicht weiter, sie müssen durch den persönlichen und aktiven Einsatz für unsere Gesellschaft ergänzt werden. Selbiges gilt umgekehrt. Dabei lassen sich durch ausgeprägtes Engagement durchaus Noten wettmachen, die nicht unbedingt der 1,0 entsprechen.
Was bedeutet es, wenn „gesellschaftliches und politisches Engagement“ verlangt wird? Wie engagierst Du Dich? Muss man Mitglied in der CSU oder deren Jugendverband sein? Muss man überzeugter Christsozialer sein?
Das geforderte gesellschaftliche Engagement beschränkt sich nicht auf den politischen Bereich. Aktivität in kirchlichen Jugendgruppen, Vereinen sowie sozialen Einrichtungen sind ebenso akzeptiert. Mann muss also nicht Mitglieder der CSU oder Jungen Union (JU) sein. Ebenso verschieden wie ihr Engagement und ihre Hintergründe sind dann auch die Stipendiaten. Es handelt sich also bei der HSS nicht um eine Förderinstitution nur für junge Parteimitglieder.
Ich selbst habe mich schon zu Schulzeiten als Klassensprecher eingebracht und anschließend an der Abiturzeitung meines Jahrgangs mitgearbeitet. Nunmehr bin ich Mitglied in CSU und Junger Union und bekleide auf verschiedenen Ebenen Führungsaufgaben. Darüber hinaus bringe ich mich in einige gesellschaftlich aktive Vereine in meiner Heimatgemeinde ein.
Mir liegt viel daran, herauszuheben, dass das politische Engagement nur einer der möglichen und akzeptierten Wege ist, sich für das Gemeinwohl einzusetzen. Das Engagement in gemeinnützigen oder kirchlichen Vereinigungen wird ebenso gefördert wie ein parteipolitisches.
Allerdings sollte man sich mit den Grundwerten, für die die Hanns-Seidel-Stiftung steht identifizieren. Die christlichen Wurzeln spielen wohl in der HSS eine größere Rolle als in anderen Fördereinrichtungen, dessen sollten sich Bewerber bewusst sein. Mann muss in diesem Sinne kein bekennender Christsozialer oder Christdemokrat sein, man sollte aber in seinem Leben auf einem christlichen Fundament stehen.
Haben wir noch eine wichtige Frage vergessen? Möchtest Du zukünftigen Bewerbern oder generell Oberstufenschülern und Studierenden nicht-akademischer Herkunft noch etwas mit auf den Weg geben?
Abschließend möchte ich noch ein paar Worte direkt an die Leser dieser Seite richten:
Wie ihr komme ich aus einem Arbeiter-Elternhaus. Daher weiß ich, wie schwer es vielen Familien fällt, ihrer Tochter oder ihrem Sohn ein Hochschulstudium zu ermöglichen. Deswegen bin ich froh, mit der Hanns-Seidel-Stiftung eine Institution zu haben, die mich auf dem Weg zum Hochschulabschluss begleitet und unterstützt. Dabei äußert sich die Unterstützung bei Weitem nicht nur in der monatlichen Überweisung des Stipendiums, sondern bedeutet viel mehr. Die Hilfe bei der Herausbildung der eigenen Persönlichkeit, bei Fragen auch außerhalb des Studiums und das Knüpfen eines Netzwerks aus Bekannten und Freunden sind mindestens ebenso wichtige Aspekte der Hochschulförderung durch eine Stiftung. Wir alle wissen, dass es Kinder und Jugendliche aus einfachen Verhältnissen nicht immer leicht haben, wenn sie sich für ein Studium entscheiden. Trotzdem möchte ich Euch alle von Herzen dazu ermuntern, eine Hochschulausbildung zu beginnen!
Lasst Euch nicht durch die oftmals negativ geführten Diskussionen in der Öffentlichkeit davon abbringen, ein Studium aufzunehmen. Mit Hilfe dieser Ausbildung können wir in der Zukunft bestehen und das Beste aus uns herausholen und uns so für ein gutes Zusammenleben in der Zukunft einsetzen.
Holt Euch auf diesem Weg Hilfe, von Eurer Familie, Freunden und Einrichtungen, die dafür geschaffen wurden, engagierte und begabte Studenten zu fördern.
Die Erfahrungen, Bekanntschaften und Freunde, die ich in den vergangenen Jahren sammeln durfte und erfreulicherweise auch weitersammeln darf, möchte ich nicht missen. In diesem Sinne:
Traut Euch eine Bewerbung zu, Ihr habt nichts zu verlieren - Ihr könnt nur etwas gewinnen!
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