Gerasimos Warmann, Hans-Böckler-Stiftung

Logo der Hans-Böckler-Stiftung Foto von Gerasimos Warmann

Welchen Studiengang / Welches Studienfach studierst Du an welcher Universität? 

Political and Social Studies, Bachelor of Arts an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. 

Wie bist Du auf die Idee gekommen, Dich bei der Hans-Böckler-Stiftung zu bewerben? 

Eine Lehrerin hat mir den Flyer der Stiftung in die Hand gedrückt, nachdem ich ihr gesagt hatte, dass ich mir ein Studium nicht leisten könne. 

Auf welche Weise wirst Du bei der Hans-Böckler-Stiftung gefördert? 

Ich bekomme ein Stipendium in Höhe des höchsten BAFÖG-Betrages, außerdem steht mir ein breites Seminarangebot zu den verschiedensten Themen zur Verfügung. Bei Sonderausgaben, wie Praktika oder Auslandsaufenthalten wird man zusätzlich unterstützt. 

Ist die Höhe des Stipendiums abhängig vom Einkommen Deiner Eltern? Was ist, wenn die Eltern „zuviel“ verdienen? 

Ja, falls die Eltern zuviel verdienen, kann man aber immer noch ideell gefördert werden, man bekommt dann „nur“ ein monatliches Büchergeld und kann das Seminarangebot nutzen. 

Stellt die Hans-Böckler-Stiftung auch bestimmte Erwartungen an Dich als Stipendiat? 

Ich sehe die Erwartungen der Stiftung an mich darin, die mir gebotenen Möglichkeiten zu nutzen und im Studium, das ich ohne die Hans-Böckler-Stiftung nicht angefangen hätte, erfolgreich zu sein ohne dabei mein gesellschaftspolitisches Engagement zu vernachlässigen.  

Welche Ziele verfolgt die Hans-Böckler-Stiftung? 

Es gibt nach wie vor zu viele Schüler, die aus finanziellen Gründen kein Studium beginnen können. Natürlich kommen diese meist aus bildungsfernen Schichten, hatten es meist auch schwerer bis zum Abitur durchzuhalten. Hier setzt die Stiftung an und versucht die Zahl der traditionellen Arbeiterkinder, die studieren zu erhöhen. 

Ab welchem Schuljahr/Semester kann man sich bei der Hans-Böckler-Stiftung bewerben? 

Es gibt drei verschiedene Verfahren. Bei der Böckler-Aktion Bildung kann man sich bereits in der Abiturklasse bewerben. 

Wie verlief Dein Auswahlverfahren bei der Hans-Böckler-Stiftung? (Dauer / Verfahren / Auswahlgespräche / Problem?) 

Ich musste zunächst einen Bewerbungsbogen ausfüllen und als dieser für erfolgsversprechend befunden wurde, mehrere Gutachten erstellen lassen. Zunächst von einer Vertrauensdozentin, dann von einem Studenten aus meiner Stipendiatengruppe und schließlich durfte ich mich einem dreiköpfigen Ausschuss in Hannover vorstellen. Zwischen Bewerbung und Zusage ist etwas mehr als ein halbes Jahr vergangen. Im Nachhinein kann ich sagen, das alles weitgehend problemlos verlief, während der Bewerbungsphase war ich natürlich etwas nervös.  

Was sind Deiner Meinung nach Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bewerbung? 

Ich habe sehr verschiedene Stipendiaten der Stiftung kennen gelernt, deswegen möchte ich nicht verallgemeinern. Auf jeden Fall ist es wichtig, bedürftig zu sein und sich gesellschaftspolitisch engagieren zu wollen. 

Welche Ratschläge würdest Du zukünftigen Bewerbern für die schriftliche Bewerbung und die Auswahlgespräche geben?  

Bleibt locker und seid ehrlich. Die Mitarbeiter der Stiftung, die ich kennen gelernt habe, waren alle sehr hilfsbereit und offen, man braucht sich da also keine Sorgen zu machen.  

Stimmt es, dass nur „Einserkandidaten“ Chancen auf ein Stipendium haben? 

Nein. Klar ist es von Vorteil ein sehr gutes Abitur zu haben, die Hans-Böckler-Stiftung schaut aber auf das Gesamtbild. Ein besonders engagierter Schüler kann deshalb genauso geeignet sein, wie ein notenmäßig besonders erfolgreicher. 

Was bedeutet es, wenn „gesellschaftliches und politisches Engagement“ verlangt wird? Wie engagierst Du Dich? Muss man Mitglied in einer Gewerschaft oder deren Jugendverband sein? 

Dieses Engagement kann in den verschiedensten Formen stattfinden. Ich persönlich arbeite ehrenamtlich in der Jugend- und Erwachsenenbildung und betreue ein Antidiskriminierungsnetzwerk für Schüler. Es ist nicht erforderlich irgendeiner Gewerkschaft anzugehören. 

Haben wir noch eine wichtige Frage vergessen? Möchtest Du zukünftigen Bewerbern oder generell Oberstufenschülern und Studierenden nicht-akademischer Herkunft noch etwas mit auf den Weg geben? 

Ein Studium sollte keinem aus Geldmangel vorenthalten sein und auch Noten sagen kaum etwas über den Charakter und die Intelligenz eines Menschen aus. Ich bin froh über die Art und Weise, wie die Hans-Böckler-Stiftung die Studienförderung angeht und hoffe das sich dieser Ansatz immer weiter durchsetzt.  

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