Anja Möbus, Friedrich-Ebert-Stiftung
Welchen Studiengang / Welches Studienfach studierst Du an welcher Universität?
Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin.
Wie bist Du auf die Idee gekommen, Dich bei der Friedrich-Ebert-Stiftung zu bewerben?
Als ich mich vor meinem Studium über die Finanzierung informierte, habe ich erst einmal BAFöG beantragt. Auf die Friedrich- Ebert- Stiftung bin ich erst zu Beginn des zweiten Semesters gestoßen, als mir Kommilitonen von ihrer Förderung durch die FES berichteten. Leider herrscht unter den meisten StudentInnen noch das Vorurteil, dass man nur mit einem Notenschnitt von 1,0 gefördert wird. Dadurch ist die Hemmschwelle sich zu bewerben ziemlich hoch. Dabei kommt es gerade bei den politischen Stiftungen vielmehr darauf an, dass man sich in der Gesellschaft einbringt und sich ehrenamtlich engagiert.
Auf welche Weise wirst Du bei der Friedrich-Ebert-Stiftung gefördert?
Zunächst gibt es die finanzielle Förderung, die sich nach dem Einkommen der Eltern berechnet. Zudem bekommt jede/r Stipendiat/in unabhängig vom Einkommen der Eltern 80 € Büchergeld. Zusätzlich gibt es aber auch die ideelle Förderung, die jedem/r Stipendiat/in viele Möglichkeiten bietet. Man kann an vielen interessanten Seminaren teilnehmen, die einzelne Themen behandeln oder der Berufvorbereitung und Schulung der sozialen Kompetenz dienen. Zudem gibt es Arbeitskreise und Hochschulgruppen, in denen man sich mit den anderen StipendiatInnen austauschen und vernetzen kann.
Ist die Höhe des Stipendiums abhängig vom Einkommen Deiner Eltern? Was ist, wenn die Eltern „zuviel“ verdienen?
Ja, das Stipendium ist abhängig vom Einkommen der Eltern. Eine Ausnahme bildet jedoch das monatliche Büchergeld von 80 €, das jede/r Stipendiat/in bekommt.
Stellt die Friedrich-Ebert-Stiftung auch bestimmte Erwartungen an Dich als Stipendiatin?
Zu Ende eines jeden Semesters müssen die StipendiatInnen einen Semesterbericht abgeben, in dem sie die Stiftung über ihre Leistungen an der Uni, ihre besuchten Seminare/ Konferenzen und ihr Engagement informieren.
Welche Ziele verfolgt die Friedrich-Ebert-Stiftung?
Die Friedrich-Ebert-Stiftung wurde 1925 nach dem Tod des ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert mit dem Ziel gegründet, begabten Kindern aus sozial schwachen Gesellschaftsschichten den Zugang zur höheren Bildung zu ermöglichen. Auch heute setzt sich die Friedrich-Ebert-Stiftung dafür ein, soziale Benachteiligung zu mindern und Personen zu fördern, die sich im Sinne der sozialen Demokratie engagieren.
Ab welchem Schuljahr/Semester kann man sich bei der Friedrich-Ebert-Stiftung bewerben?
Seit wenigen Monaten kann man sich bereits direkt nach dem Abitur, noch vor Beginn des Studiums bewerben. Damit auch begabte Schüler/innen aus sozial schlechter gestellten Familien ein Studium aufnehmen und sich nicht von den Kosten eines Studiums abschrecken lassen.
Wie verlief Dein Auswahlverfahren bei der Friedrich-Ebert-Stiftung?
Zunächst musste ich die Unterlagen für die Bewerbung, inklusive Notenbescheinigungen und Empfehlungsschreiben an die FES schicken. Nach wenigen Wochen bekam ich eine erste Einladung zum Gespräch mit einem Vertrauensdozenten, der mich über mein Studium und meine Motivation befragte. Etwa einen Monat später wurde ich zu einem zweiten Gespräch eingeladen, das ich diesmal mit einem Mitglied des Auswahlausschusses führte. Dabei wurde ich über meinen persönlichen Hintergrund, mein Engagement und meine Ziele befragt. Etwa vier Wochen später tagte der Auswahlausschuss und ich bekam eine Woche später meine Zusage.
Was sind Deiner Meinung nach Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bewerbung?
Sicher ist es auch wichtig gute Noten vorweisen zu können, aber der Friedrich-Ebert-Stiftung kommt es besonders darauf an, dass man sich für die Gestaltung der Gesellschaft einsetzt und ehrenamtliches Engagement zeigt.
Welche Ratschläge würdest Du zukünftigen Bewerbern für die schriftliche Bewerbung und die Auswahlgespräche geben?
Die wichtigsten biografischen Daten werden bereits in den Bewerbungsformularen abgefragt. Daher würde ich im Anschreiben und ausformulierten Lebenslauf besonderen Wert auf die eigene Motivation und das Engagement legen.
Bei den Auswahlgesprächen sollte man sich zuvor nochmals die Internetseiten der FES ansehen und sich auf Fragen zur Schule/zum Studium und zum eigenen Lebenslauf vorbereiten. Außerdem sollte man wissen warum man sich gerade bei der FES bewirbt und was man sich durch das Stipendium erhofft.
Stimmt es, dass nur „Einserkandidaten“ Chancen auf ein Stipendium haben?
Dieses Klischee möchte ich gern entkräften! Man sollte gute Noten haben, jedoch würde die FES keinen Schüler oder Studenten mit einem Schnitt von 1,0 nehmen, der sich nicht gesellschaftspolitisch einbringt.
Was bedeutet es, wenn „gesellschaftliches und politisches Engagement“ verlangt wird? Wie engagierst Du Dich? Muss man Mitglied in der SPD oder deren Jugendverband sein? Muss man überzeugter Sozialdemokrat sein?
Man sollte sich mit den Werten der Sozialdemokratie - Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität- identifizieren können. Dies bedeutet aber nicht unbedingt, dass man Mitglied in der SPD oder bei den Jusos sein muss. Für die FES ist es wichtig, dass man sich in der Gesellschaft einbringt. Das dabei gezeigte Engagement kann ganz unterschiedlich aussehen: einige bringen sich in den Studentenparlamenten, den Ortsvereinen oder bei den Jusos ein, andere sind in einer Nichtregierungsorganisation (bspw. Amnesty international, Unicef, AWO) engagiert. Wichtig ist es sich für andere Menschen einzusetzen und einen aktiven Beitrag in unserer Gesellschaft zu leisten.
Haben wir noch eine wichtige Frage vergessen? Möchtest Du zukünftigen Bewerbern oder generell Oberstufenschülern und Studierenden nicht-akademischer Herkunft noch etwas mit auf den Weg geben?
Bildung ist nicht nur für die berufliche Zukunft, sondern auch für die persönliche Entwicklung unabdingbar. Das wichtigste ist immer, dass man an sich glaubt und den Weg im Leben einschlägt, den man selbst als den richtigen erachtet. Auch wenn man vielleicht der/ die erste in der Familie ist, der/die sich für eine akademische Ausbildung entscheidet. Durch ein Stipendium bei der FES erhält man nicht nur die nötige finanzielle Unterstützung, sondern kann sich mit vielen anderen StipendiatInnen austauschen.
Daher würde ich jeder/m empfehlen sich für ein Stipendium zu bewerben, auch wenn man glaubt eine der Vorraussetzungen nicht komplett zu erfüllen. Das wichtigste ist es die Bewerbung abzuschicken.
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