Sascha Kölzow, Cusanuswerk

Logo des CusanuswerksFoto von Sascha Kölzow

Welchen Studiengang / Welches Studienfach studierst Du an welcher Universität?

Ich studiere Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste Berlin.

Wie bist Du auf die Idee gekommen, Dich beim Cusanuswerk zu bewerben?

Ich hatte das Glück, dass es an meiner Schule eine großartige Lehrerin gab, die sich um die Schulvorschläge für die Begabtenförderwerke gekümmert hat. Wir saßen nach dem Abi zu mindestens zehnt mit ihr zusammen und haben gemeinsam überlegt, gelost und gefeilscht, wen die Schule bei welcher Stiftung vorschlagen sollte. Irgendwann stand mein Name beim Cusanuswerk. Aber auch ohne Schulvorschlag wäre es sicher unter den zwei bis drei Werken gewesen, bei denen ich es per Selbstbewerbung versucht hätte.

Auf welche Weise wirst Du beim Cusanuswerk gefördert?

Ich bekomme die so genannte Grundförderung, also das, was ich auch vom Bafög-Amt bekäme. Aber anders als beim Bafög muss ich davon nichts zurückzahlen und bekomme zusätzlich pro Monat 80 Euro „Büchergeld“. Bei meinen Auslandsaufenthalten habe ich noch ein bisschen mehr bekommen.

Und natürlich gibt es nicht nur die finanzielle Förderung, sondern auch ein breit gefächertes und reichhaltiges Bildungsprogramm. Jedes Jahr genießt der „Cusaner“ zwei Wochen Ferienakademie und ein Wochenende Jahrestreffen. Dazu kommen je nach Vorlieben Fachschaftstagungen, Aktivitäten mit der Hochschulgruppe in der eigenen Stadt oder Angebote des geistlichen Programms.

Ist die Höhe des Stipendiums abhängig vom Einkommen Deiner Eltern? Was ist, wenn die Eltern „zuviel“ verdienen?

Hier gelten meines Wissens die gleichen Kriterien wie beim Bafög, also: Ja, die Höhe des Stipendiums hängt vom Einkommen der Eltern ab.

Stellt das Cusanuswerk auch bestimmte Erwartungen an Dich als Stipendiat?

Es ist nicht so, das uns jemand bei der Aufnahme einen Katalog von konkreten Erwartungen vorliest. Niemand sagt: Werde gefälligst Verfassungsrichter, Bundestags- oder Bundesbankpräsident oder wenigstens Chef der Linkspartei, wie die Stipendiaten vor dir. Aber natürlich gibt es auch Pflichten, ein paar sind sogar schriftlich festgelegt. Das sind aber so angenehme bzw. sinnvolle Dinge wie die Teilnahme an Ferienakademien und Jahrestreffen, sowie schriftliche Jahresberichte.

Abgesehen von diesen Formalitäten erwartet das Cusanuswerk von mir vermutlich, dass ich mich ernsthaft um mein Studium kümmere und in meiner Freizeit keine Kirchen oder Rathäuser anzünde. Mein Eindruck ist außerdem, dass es sich freut, wenn ich mich auch über die Grenzen meines Faches hinaus für die Welt interessiere.

Welche Ziele verfolgt das Cusanuswerk?

Biografieförderung. Die heutige Bundesministerin Annette Schavan hat in ihrer Zeit als Leiterin des Cusanuswerks diesen Begriff geprägt, der darauf hinweisen soll, dass es nicht darum geht, ein paar mehr Katholiken in hohe Ämter zu hieven, sondern darum, den Einzelnen und seine spezifische Biografie in den Blick zu nehmen und „die Persönlichkeitsentwicklung einzelner [zu] unterstützen“, wie es der jetzige Leiter Prof. Wohlmuth einmal in einem Interview gesagt hat. Inzwischen hat sich dieses Verständnis auch bei den anderen Förderwerken durchgesetzt, und ich finde es hört sich viel sympathischer an als das Eliten-Gerede, das man sonst so hört und liest.

Ab welchem Schuljahr/Semester kann man sich beim Cusanuswerk bewerben?

Es sollten bereits ein paar Scheine aus dem Studium vorliegen, also frühestens während des zweiten Semesters. Dann sollte man aber auch nicht zu lange warten, denn zum Zeitpunkt der Bewerbung müssen noch fünf Semester bis zum Ende der Regelstudienzeit übrig sein. Damit das für die Bachelor-Studenten nicht so eng wird, ist damit hier die Zeit bis zum Master-Abschluss gemeint.

Die Fristen für die inzwischen fünf verschiedenen Bewerbungsverfahren findet man auf www.cusanuswerk.de. Als Uni- oder FH-Student gibt es zwei Bewerbungstermine pro Jahr.

Wie verlief Dein Auswahlverfahren beim Cusanuswerk

Vorweg: Es gibt unterschiedliche Verfahren für Uni-Studenten, FH-Studenten, Kunst-Studenten, Musik-Studenten und später für die Doktorarbeit, über die man sich auch auf www.cusanuswerk.de informieren kann.

Bei mir war es, nach dem Zivildienst und den ersten beiden Studiensemestern, das für Uni-Studenten, das aus mehreren Stufen besteht. Man schickt das Abi-Zeugnis, die ersten Uni-Scheine, einen Lebenslauf und zwei Gutachten von Dozenten nach Bonn. Dann möchte das Cusanuswerk den Bewerber gerne persönlich kennen lernen und lädt zu Gesprächen ein, bei denen immer zwei Bewerber über ihren Lebenslauf ausgefragt werden und über gerade aktuelle politische und gesellschaftliche, auch kirchliche Fragen gesprochen wird.

Weil das Cusanuswerk nunmal das katholische unter den Förderwerken ist, stellt es im Laufe des Verfahrens natürlich auch die Gretchenfrage, die nach der Religion also. Und zwar in Form eines weiteren Gesprächs, diesmal mit dem Hochschulpfarrer. Niemand muss sich dabei zum bravsten Katholiken stilisieren, aber es sollte schon deutlich werden, dass man sich ein bisschen mehr mit seinem Glauben beschäftigt als einmal im Jahr beim Eintragen des Kürzels „RK“ ins Steuerformular. Ob Benedikt-Fan oder scharfer Vatikan-Kritiker, ob engagierter Jugendleiter in der Heimatgemeinde oder nicht, auf die ein oder andere Weise sollte der Glaube im Leben eine Rolle spielen.

Was sind Deiner Meinung nach Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bewerbung?

Vielleicht die allerwichtigste Voraussetzung ist, dass man sich gut überlegt, wo man sich bewirbt. Bewerber und Werk müssen zusammenpassen. Nicht nur das Werk wählt einen Bewerber aus. Schon vorher wählt der Bewerber eins oder mehrere Werke aus, die es überhaupt nur Wert sind, seine Bewerbung zu erhalten! Wer sich also vorher über die Profile der verschiedenen Werke informiert, wird recht schnell herausfinden wo er gerne Stipendiat wäre und wo nicht.

Welche Ratschläge würdest Du zukünftigen Bewerbern für die schriftliche Bewerbung und die Auswahlgespräche geben?

Für die Bewerbung selbst gibt es eigentlich nur einen Rat von mir: Versuch nicht jemand zu sein, der du nicht bist.

Die wichtigsten Kriterien sind weder die Fremdwörterdichte beim Reden noch die Anzahl der Spiegelstriche unter soziales Engagement im Lebenslauf, und auch nicht, wann du zuletzt eine Kirche von innen gesehen hast. Wenn du das Gefühl hast, du hättest irgendwo ein Defizit, versuch es nicht grell zu überschminken, vielleicht ist es ja gar keins oder du kannst mit etwas anderem umso mehr punkten.

Ganz konkret hilft es bestimmt in Vorbereitung auf das Auswahlgespräch noch ein bisschen regelmäßiger und aufmerksamer Zeitung zu lesen als sonst und sich seinen eigenen Lebenslauf nochmal genau anzusehen: Wo würde ich selbst nachfragen und was würde ich dann antworten? Was finde ich besonders interessant, was möchte ich genauer erklären oder über welche meiner Erfahrungen möchte ich genauer berichten? So bist du besser gefasst auf Nachfragen und kannst auch selbst versuchen, das Gespräch dahin zu lenken, wo du es haben willst.

Stimmt es, dass nur „Einserkandidaten“ Chancen auf ein Stipendium haben?

Nein. Natürlich spielen die Schulnoten eine Rolle, vielleicht sogar noch mehr die ersten Noten in der Uni. Und wer durchgehend nur miese Noten hatte, wird es natürlich schwer haben. Aber mein Eindruck ist, dass die andere Kriterien mindestens genauso wichtig sind. Die Referenten wissen, dass man einen Menschen nicht beurteilen kann, indem man seinen Notendurchschnitt ausrechnet. Darum gibt es ja die Gespräche, in denen man zeigen kann, warum man vielleicht trotz der ein oder anderen schlechten Schulnote ein toller Stipendiat wäre.

Was bedeutet es, wenn „gesellschaftliches und politisches Engagement“ verlangt wird? Wie engagierst Du Dich? Muss man katholisch sein? Muss man in der Kirchengemeinde aktiv sein?

Ich glaube nicht, dass es einen Katalog von Dingen gibt, die man gemacht haben muss, um dieses Kriterium zu erfüllen. Aber es sollte aus dem Lebenslauf und dem, was man sonst so schreibt und sagt, deutlich werden, dass man aktiv ist, vielleicht etwas mehr tut als man unbedingt müsste, und dass man bereit ist sich nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere einzusetzen.

Ich selbst war Schülersprecher – auch mal kurz „Jungsozialist“ – und habe Theater gespielt, andere Cusaner hatten mit Politik oder Kultur nie was am Hut. Ich war nie in Sportvereinen und auch in der Kirchengemende seit Jahren nicht mehr aktiv, andere Cusaner sehr. Ich hab an der Uni ein bisschen Hochschulpolitik und im Berliner Kommunikationsforum, einem studentischen Verein, „Projekte“ gemacht. Andere hauchen den Hochschulgemeinden Leben ein oder machen andere Dinge. Es gibt viele Möglichkeiten, zu zeigen, dass man was tut.

Ach ja, katholisch muss man übrigens wirklich sein fürs Cusanuswerk.

Haben wir noch eine wichtige Frage vergessen? Möchtest Du zukünftigen Bewerbern oder generell Oberstufenschülern und Studierenden nicht-akademischer Herkunft noch etwas mit auf den Weg geben?

Unbedingt bewerben! Für das Studienfach, das euch interessiert und das Stipendium, das zu euch passt. Ihr könnt überhaupt nichts verlieren. Denn wenn es nicht klappt, na und? Und wenn es doch klappt, dann gewinnt ihr sowieso: finanzielle Entlastung, ein bisschen Zusatz-Input fürs Gehirn und Kontakt zu interessanten Leuten, gerade auch solchen, die was ganz anderes studieren und vielleicht gerade von einem Auslandssemester auf Hawaii wiederkommen. Keine Angst, ihr geratet auch nicht in einen exklusiven Club von Akademikerkindern und Elite-Fetischisten, mit denen kein normales Gespräch oder keine entspannte Party möglich sind. Ferienakademien sind nicht nur wegen der erstklassigen Gastvorträge anstrengend...

Ich habe übrigens oft die Erfahrung gemacht, dass gerade die vielen Akademikerkinder, die natürlich – wie generell an der Uni – die Mehrheit auch der Stipendiaten stellen, ganz gerne mal auf den Boden der gesellschaftlichen Tatsachen geholt werden. Eigentlich haben wir Nicht-Akademikerkinder sogar die Pflicht dazu und können Diskussionen mit ganz anderen Erfahrungen bereichern. Also ran an den Speck! Überlasst das Feld nicht den Bildungsbürgerkindern!

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