„Ausgebremst“ - Ein Buch über die Hürden beim Bildungsaufstieg

Katja Urbatsch hat ein Ziel - der Bildungsaufstieg soll allen Schülerinnen und Schülern offen stehen, auch Kindern aus Familien ohne akademischen Hintergrund. Besonders möchte sie Jugendliche dazu ermutigen, Studierende der ersten Generation zu werden. Denn Jugendliche aus nicht-akademischen Elternhäusern werden immer noch mit zahlreichen Bildungshürden konfrontiert. Mit der Initiative ArbeiterKind.de ist Katja Urbatsch ihrem Ziel schon ein Stück näher gekommen. Inzwischen engagieren sich dafür bundesweit über 5000 Mentorinnen und Mentoren in circa 70 lokalen Gruppen.
Das Buch „Ausgebremst - Warum das Recht auf Bildung nicht für alle gilt“ beschreibt die Hürden, denen Studierende der ersten Generation ausgesetzt sind. Anhand ihrer eigenen Erfahrungen und Biografien von anderen zeigt Katja Urbatsch, warum nicht das Potenzial, sondern die soziale Herkunft den Bildungsaufstieg bestimmt.
Im Interview erzählt die Gründerin von ArbeiterKind.de nun mehr über ihr erstes Buch.
„Ausgebremst- Warum das Recht auf Bildung nicht für alle gilt“ - Wie ist es zu diesem Buch gekommen?
Vor etwa zwei Jahren ist eine Literaturagentin auf mich zugekommen und hat mich dazu ermutigt, ein Buch zu schreiben. An den Gedanken musste ich mich erstmal gewöhnen und daher hat es auch noch einige Monate gedauert, bis ich mich wirklich dazu durchringen konnte. Zudem mussten wir erstmal gemeinsam nach einem Verlag suchen. Und dann hatte ich plötzlich eine Zusage vom Heyne Verlag und es ging los.
Warum war es Dir wichtig, „Ausgebremst“ zu schreiben?
Seit dem Beginn von ArbeiterKind.de vor etwas mehr als drei Jahren werde ich zu zahlreichen Gesprächen und Vorträgen eingeladen, um über die Hürden von Nicht-Akademikerkindern beim Bildungsaufstieg zu berichten. Das große Interesse hat mich dazu ermutigt, mit dem Buch noch mehr Menschen zu erreichen, eine Diskussion anzustoßen und dazu zu motivieren, diese Hürden abzubauen.

War es schwierig, dieses Buch zu schreiben?
Gerade am Anfang ist es mir schwer gefallen zu schreiben. Zum einen konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich wirklich ein Buch schreibe, das später in den Buchläden stehen wird und zum anderen macht das natürlich auch etwas Druck: Dieser Gedanke, dass sehr viele Leute das Buch lesen und wie sie wohl reagieren werden. Aber jetzt bin ich sehr stolz darauf, dass ich es geschafft habe.
Du erinnerst Dich darin noch recht genau an Deine Schulzeit. Was meinst Du, warum ist Deine Schulzeit so präsent in Deinen Gedanken?
Ich glaube, jeder kann sich noch sehr gut an seine Schulzeit erinnern. Die Schule und die Lehrer prägen einen einfach sehr stark, insbesondere auch die Tatsache, dass man während der Schulzeit permanent bewertet wird. Und in der Schule werden einfach die Weichen für den späteren Lebens- und Berufsweg gestellt.
Den anderen Personen in Deinem Buch geht es ähnlich. Woher stammen die ganzen Fallbeispiele?
Die Beispiele stammen überwiegend von unseren ehrenamtlichen Mentoren, aber auch von einigen anderen Menschen, die ich in den letzten drei Jahren durch mein Engagement für ArbeiterKind.de kennen lernen durfte.
Wie war es für Dich, die Mentoren zu interviewen?
Die Gespräche haben mir sehr viel Spaß gemacht. Sie waren spannend und ich habe sehr viel dazu gelernt, manchmal auch über mich selbst. Wenn meine Interviewpartner über ihren Lebensweg gesprochen haben, bin ich emotional sehr mitgegangen. Und ich bin einfach sehr beeindruckt und auch etwas stolz darauf, was für großartige Menschen sich für ArbeiterKind.de engagieren. Sie sind einfach wunderbare Vorbilder.
Mit welchen Reaktionen auf Dein Buch rechnest Du?
Auf die Reaktionen bin ich sehr gespannt. Ich glaube, dass sich viele, die selbst als erste in ihrer Familie studieren oder studiert haben, im Buch wiederfinden werden. Aber ich kann mir auch vorstellen, dass einige meine Ausführungen überhaupt nicht nachvollziehen können. Nicht jeder wird meiner Meinung sein, aber gerade deshalb möchte ich mit dem Buch eine offene Diskussion anstoßen.
Du erzählst in dem Buch auch von Deinem Bruder und Deinem Familienkreis. Wie sagt Deine Familie zu „Ausgebremst“?
Mein Bruder und meine Eltern haben das Buch bereits gelesen und sie haben ja auch mitbekommen, wie ich es geschrieben habe. Ich glaube, sie sind schon stolz darauf, dass ich mich mit meinem Engagement für andere einsetze und dazu nun auch ein Buch geschrieben habe.
Gibt es eine Lieblingsstelle für Dich in „Ausgebremst“?
Am meisten hat mich, glaube ich, der Bildungsweg von Antonio fasziniert, der sich von einem Tag auf den anderen geändert hat, weil ihn eine Frau über den Gartenzaun angesprochen hat. Das finde ich immer noch unglaublich. Und ich frage mich, was aus Antonio geworden wäre, wenn diese Frau sich nicht so ins Zeug gelegt hätte. Aber ich finde alle Menschen, die in dem Buch vorkommen, wirklich beeindruckend. Am liebsten hätte ich noch mehr Beispiele mit hineingenommen. Sehr interessant wird es für mich natürlich auch, wenn es um Berufseinstieg und Karriere geht, da dies die Phase ist, in der ich mich gerade selbst befinde.
Was möchtest Du anderen mit diesem Buch mitgeben?
Mit dem Buch möchte ich ein Bewusstsein für die Probleme von Jugendlichen und Studierenden aus nicht-akademischen Familien auf ihrem Bildungsweg schaffen und möglichst viele Menschen motivieren, daran mitzuwirken, diese Hürden abzubauen.
Und wie geht es nun weiter?
Nun bin ich auf die Reaktionen zum Buch gespannt und hoffe natürlich, dass es von vielen gelesen wird. Ansonsten arbeite ich aber einfach gemeinsam mit unseren vielen Ehrenamtlichen in ganz Deutschland und inzwischen auch in Österreich weiter daran, möglichst viele Jugendliche zum Studium zu ermutigen und sie auf dem Weg vom Einstieg bis zum erfolgreichen Studienabschluss zu unterstützen.