Die Familie mitnehmen

Unser Mentor Martin erzählt auf einer Messe über ArbeiterKind.de und Finanzierungsmöglichkeiten für ein Studium.Auf deinen Studienwunsch reagieren deine Eltern, Geschwister oder Großeltern vielleicht ganz anders als du denkst. Möglicherweise sind einige deiner Familienmitglieder begeistert und möchten dich so gut wie möglich unterstützen. Eventuell wünschen sich aber auch einige, du würdest so wie sie eine Ausbildung absolvieren oder zumindest ein anderes Studienfach wählen.

Erstaunte Blicke und negative Reaktionen können auf Dauer ganz schön frustrieren, denn natürlich wünschen wir uns alle, dass unsere Familie hinter uns steht. Es ist nicht immer leicht, als Erste/r in der Familie ein Studium aufzunehmen. Zu den eigenen Unsicherheiten, kommen auch die Sorgen der Verwandten, ob du den richtigen Weg eingeschlagen hast und später erfolgreich sein wirst. Du bist nicht allein, wenn du Tipps suchst, um deine Familie für deine beruflichen Pläne zu begeistern. Es gibt ein paar Dinge, die du versuchen kannst, um sie bei deiner Entscheidung für ein Studium und während deines Studiums mitzunehmen.

Wie kannst du deiner Familie sagen, dass du studieren möchtest?

Du solltest bereits während deiner Schulzeit ein Studium als mögliche berufliche Option in Gespräche einfließen lassen. Wenn deine Vorstellungen zum Studienfach und Studienort dann konkreter werden, sprich auch offensiv übers Studieren und die Finanzierung zum Beispiel durch das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG). Versuche deine Eltern und Verwandten auf deinem Weg mitzunehmen, sodass sie zumindest etwas nachvollziehen können, was du tust.

Wenn du Lust hast, kannst du sehr gern zu einem unserer offenen Treffen kommen. Vielleicht studiert einer von uns genau dein Wunschfach. Wir können dir dann sicher Tipps geben. Du kannst auch deine nächste ArbeiterKind.de-Gruppe anschreiben, wenn du Unterstützung suchst. Denn mit den Herausforderungen aufgrund deines Studienwunsches bist du nicht allein.

Wie kannst du versuchen, deine Familie bei der Studienorientierung und Bewerbungsphase einzubinden, damit sie verstehen, was du tust?

  • In vielen Hochschulen gibt es einen sogenannten "Tag der offenen Hochschule". Das ist eine Gelegenheit, deinen Familienmitgliedern deinen künftigen Studienplatz vorzustellen. Sie können dort mit MitarbeiterInnen und Studierenden sprechen, Fragen stellen und die Hochschule kennenlernen.

  • Du kannst auch gemeinsam mit deinen Eltern zum Treffen deiner lokalen ArbeiterKind.de-Gruppe kommen und uns Fragen zum Studienalltag stellen. Für deine Eltern haben wir auch einige Informationen auf unserer Internetseite zusammengestellt, die du ihnen zeigen kannst. Und du und deine Eltern können auch gern bei unserem Infotelefon unter der Berliner Nummer 030 679 673 750 (montags bis donnerstags von 13 bis 18.30 Uhr) anrufen.

  • Ihr könnt gemeinsam auf den Seiten zum BAföG über Finanzierungsmöglichkeiten recherchieren.

  • Vielleicht möchten deine Eltern auch mehr über dein künftiges Studienziel und die Hochschule erfahren. Da kannst du mit einer gemeinsamen Internetrecherche oder Informationsbroschüren von Hochschulen ins Gespräch kommen.

  • Wenn du deine Fragen mit deiner Familie teilst, bekommst du möglicherweise auch Hilfe bei deinen Recherchen. Ihr könnt konkrete Fragen gemeinsam lösen, beispielsweise: Wie bewerbe ich mich?

Was kannst du tun, um deine Familie während deines Studiums am Studium teilhaben zu lassen?

Ein Besuch deiner Hochschule oder auch einer öffentlichen Vorlesung (Suche mit "Ringvorlesung") kann deiner Familie einen Eindruck von deinem Studium geben. Die Mensa ist außerdem ein passender Ort, um übers Studieren zu reden. Zudem gibt es Veranstaltungen wie "Die lange Nacht der Wissenschaft" um deine Hochschule vorzustellen. Wenn sich deine Familie zudem für deine Kurse interessiert, berichte immer wieder über dein derzeitiges Lieblingsfach.

Infostand von ArbeiterKind.deWie kannst du damit umgehen, wenn deine Eltern oder deine Verwandten trotzdem weiterhin skeptisch sind und negativ auf dein Studium reagieren oder kein Interesse haben, sich damit zu befassen?

Wenn du versucht hast, Eltern und Verwandte mitzunehmen, es aber einfach nicht klappt, dann bleibt dir leider nichts anderes übrig, als dies zu akzeptieren. In unseren ArbeiterKind.de-Gruppen sprechen wir häufig darüber, wie unsere Familien auf das Studium reagieren. Es hilft, darüber zu sprechen und zu merken, dass es vielen anderen ähnlich geht und sich so gegenseitig zu bestärken. Daher komm einfach zum nächsten Treffen deiner lokalen ArbeiterKind.de-Gruppe und erzähle von deinen Erfahrungen.

In unserer ArbeiterKind.de-Community haben wir festgestellt, dass viele von uns in ihren Familien ähnliche Erfahrungen machen und ganz ähnliche Sätze hören. Daher haben wir einige dieser Sätze hier zusammengestellt und überlegt, wie du damit umgehen kannst.

„Mach’ erstmal eine Lehre, da verdienst du sofort Geld und liegst uns nicht auf der Tasche! Schließlich haben wir dich jetzt lang genug finanziert.“
Es stimmt natürlich, dass du in einer Ausbildung sofort Geld verdienst und somit auch von den Eltern finanziell unabhängiger wirst. Allerdings ist dies kurzfristig gedacht. In ein Studium muss man zwar erst einiges investieren, verdient aber danach langfristig häufig mehr Geld und hat bessere Aufstiegschancen. Dass deine Eltern dich nicht noch weiter finanzieren wollen, ist verständlich. Außerdem kann das Studium durch BAföG, einen Nebenjob und zur Not auch durch Studienkredite finanziert werden, die erst einige Zeit nach dem Studium abbezahlt werden müssen. Vielleicht hast du gute Chancen, ein Stipendium bei einer Stiftung zu bekommen und einen Teilbetrag dadurch zu finanzieren.

"Nach der Lehre kannst du ja immer noch studieren!"
Ja, das stimmt. Natürlich kannst du nach einer beruflichen Ausbildung auch noch studieren. Einige tun dies auch und das ist ganz wunderbar, aber viele finden den Weg zur Hochschule dann leider nicht mehr. Denn wenn du dein eigenes Geld verdient hast, fällt es dir vielleicht schwer, darauf wieder einige Jahre zu verzichten und deinen Lebensstandard runterzuschrauben. Darüber hinaus bist du nach dem Abitur „noch im Stoff“, sodass dir der Übergang zur Hochschule leichter gelingt. Du solltest dir Gedanken darüber machen, ob überhaupt und welche Lehre dir Vorteile im Studium bieten kann.

"Da wirst du doch nur eine/r von diesen arbeitslosen AkademikerInnen und kannst hinterher Taxi fahren."
Es ist ein altes Klischee, dass man mit Hochschulabschuluss arbeitslos wird oder Taxi fährt. Die Statistiken belegen, dass Studierte mit einer Arbeitslosenquote von unter drei Prozent am wenigsten von der Arbeitslosigkeit betroffen sind. Allein mit den Fähigkeiten, die du dir unabhängig vom Studienfach, während des Studiums aneignest, hast du sehr gute Berufsperspektiven. Begeisterung und Leidenschaft für dein Studienfach sind optimale Voraussetzungen für deine späteren Bewerbungen. Trotzdem solltest du bereits während deines Studiums Praktika absolvieren, erste berufliche Erfahrungen sammeln und herausfinden, in welchem Bereich du arbeiten möchtest und dir so ein Netzwerk aufbauen.

"Lesen ist keine Arbeit!"
Du wirst im Studium viel am Schreibtisch sitzen oder auf der Couch lesen. Es ist schwierig, dies anderen zu erklären. Im Studium ist das Lesen aber definitiv Arbeit, weil du recherchierst, Skripte bearbeitest und dich über alles mögliche für deine nächste Hausarbeit informierst. Lass dich durch solche Bemerkungen nicht aus der Ruhe bringen und genieße es, dass du dir weitestgehend deine Zeit einteilen kannst.

"Und was willst du nach dem Studium machen? Was willst du denn mit diesem komischen Fach nach dem Studium anfangen? Was bist du denn dann hinterher von Beruf?"
Diese Fragen werden besonders Studierenden mit Fächern gestellt, die zu keinem bestimmten Beruf wie Ärztin, Lehrer, Betriebswirt oder Ingenieurin führen – während und nach dem Studium. Mit sozial- und geisteswissenschaftlichen Fächern wie zum Beispiel Literaturwissenschaft, Soziologie oder Geschichte kannst du nach dem Studium in vielen Bereichen arbeiten. Du stellst dafür im Studium deine Weichen, z. B. durch Kontakte, Netzwerke und Praktika. Einige AbsolventInnen verfolgen später eine Karriere an der Hochschule, andere arbeiten in Verlagen, Stiftungen oder Unternehmen. Heutzutage gibt es nicht mehr so viele feste Berufsbilder, stattdessen gibt es Arbeit im Bereich „Öffentlichkeitsarbeit“, „Marketing“, „Personalentwicklung“, „Verwaltung“ usw. Es entstehen auch kontinuierlich neue Berufsfelder, sodass du vielleicht nach dem Studium in einem Arbeitsbereich landest, den es heute noch gar nicht gibt.

Also, falls du schon weißt, in welchem Bereich du arbeiten willst, kannst du diese Frage beantworten; falls nicht, kannst du versuchen, zu erklären, dass sich die Arbeitswelt verändert hat und AkademikerInnen sehr häufig nach dem Studium einer Arbeit nachgehen, die mit ihrem Studium nicht mehr allzu viel zu tun hat. Es geht um die grundlegenden Fähigkeiten wie Problemlösungs- und Präsentationskompetenz sowie Organisationstalent, die du im Studium erlernst und die später gefragt sind. Es kann aber auch sehr viel Spaß machen, einfach irgendwas Verrücktes zu erfinden. Das erhöht deine Kreativität – auch eine gefragte Kompetenz auf dem Arbeitsmarkt.